Panic Room – Review

 

David Fincher ist ein genialer Regisseur. Daran gibts nichts zu rütteln. Gäbe es nicht noch einen gewissen Chris Nolan, der sich dann doch durch eine NOCH abartigere Genialität auszeichnet (ich will Nolan heiraten), der Junge säße in meinem Olymp der Regiegötter und ich würde ihn vor brennenden Altären (oder Altaren? Altars? Whatever…) verehren.

Schluss mit den Faxen, werden wir seriös. Fincher hat Fight Club geschaffen, einer meiner absoluten Lieblingsfilme: Düster, pessimistisch, intelligent, hart, gesellschaftskritisch…einfach nur geil. „Sieben“ – ebenfalls ein klasse Film, noch dunkler, noch härter – und mit einem der „schönsten“ Filmenden, die es für mich gibt. Daneben oft untergehend: Alien 3, für mich (im Director’s Cut) das beste Sequel zu Ridley Scotts Meisterwerk. „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ war nicht so mein Fall, aber handwerklich und erzählerisch ist dem Film nichts vorzuwerfen. Auch „The Social Network“, sein aktuellster Film, konnte mich voll überzeugen; hier zeigte Fincher, dass er auch ohne dunkle Brutalität gute Filme machen kann. Dialoglastig und sicher nicht jedermanns Sache war das Porträt des Facebook-Gründers Marc Zuckerberg sehr gelungen. Die anderen Fincher-Werke habe ich bislang nicht gesehen.

Nun also „Panic Room“, Finchers fünfter Film. Worum geht es? Eine Frau, frisch geschieden, zieht mit ihrer Tochter in eine Villa in einem Vorort von Manhattan ein. Der Clou dieses Prunkhauses: Der so genannte „Panic Room“ (in der Deutschen Fassung „Panik Raum“…wow!), ein von Stahlwänden umschlossener Geheimbunker neben dem Schlafzimmer, in den man sich bei Gefahr einschließen kann. Und natürlich wird von diesem Raum schon bald Gebrauch gemacht. Wer hätte das gedacht?! Drei Einbrecher (Forest Whittaker, Jared Leto und ein anderer seltsamer Typ) nehmen, auf der Suche nach einem Safe voller Geld (wer hätte das gedacht) das Haus in Beschlag, doch Meg (die Frau, gespielt von Jodie Foster) und Sarah (die Tochter, Kristen Stewart) gelingt es sich im Panic Room rechtzeitig einzuschließen. Dumm nur, dass der Safe mit ihnen in in ihrem unfreiwilligen Gefängnis steckt.

Wenn man von Panic Room spricht, dann kommt die Rede sehr häufig auf die „abgefahrenen Kamerafahrten“. Das wird dem Film nicht gerecht, ist aber in der Tat einabsolutes Hauptmerkmal dieses Thrillers. In einem langen Shot fährt die Kamera aus Jodie Fosters Schlafzimmer heraus, die Stockwerke hinab und durch Treppengeländer, Kaffeemaschinen und Schlüssellöcher ( Hier könnt ihr euch selbst davon überzeugen).

Das scheint an einigen Stellen zum Selbstzweck zu verkommen (guckt mal was wir mit unseren Kameras alles machen können, huiiiiiii), zeigt auf der anderen Seite aber auch die Weitläufigkeit des Hauses, sowie dessen Unsicherheit. Und zudem sieht es einfach stylisch aus. Fertig 😛

Durch das begrenzte Setting wird der Film zum Kammerspiel, schafft es aber, den Adrenalinpegel der Zuschauer durch raffinierte Plotwendungen und intelligenter Aus- wie Einbruchsversuche (die Einbrecher wollen rein, Meg und Sarah wollen raus) oben zu halten. Viele Szenen sind absolut hochspannend und atemberaubend, manchmal sitzt man sogar vor dem Bildschirm und möchte den Protagonisten zubrüllen, sich gefälligst zu beeilen: „ACHTUNG, SIE KOMMEN DIE TREPPEN HOCH!!! GAAAAAH, BEEIL DICH, DU %&$§“§GRZPFT!!!!!“ Lediglich das Finale enttäuscht. Es ist zu überladen und Fincher greift leider auf einige überflüssige Elemente aus dem Hollywood-Thriller-Legobaukasten zurück. Schade, das kann er eigentlich doch so viel besser.

Die Figuren sind…okay. Und das ist bei einem Fincher-Film sehr überraschend. Die Schauspieler machen ihre Sache sehr gut. Jodie Foster überzeugt als verzweifelte Mutter (ihre Paraderolle – manchmal habe ich so das Gefühl, ihre einzige; Jodie Foster ist die dauerverzweifelte Mutter Hollywoods). Nur leider werden viele Aspekte ihres Charakters nur angeschnitten: Alkohol, Klaustrophobie, Scheidung. Immer nur in Ansätzen angerissen, aber nie wirklich ausgeführt, was etwas schade ist, andererseits dafür auch nicht vom Plot ablenkt. Kristen Stewart (jaaa, die Tuse aus Twilight, wir lieben sie doch alle 😛 ) schmachtet hier glücklicherweise nicht blutleer durch die Gegend, auch wenn ihre kalkweiße Gesichtsfarbe auf das Gegenteil schließen lässt. Sie hat hier nicht viel zu tun und macht das nicht schlecht. Krampfen kann sie ganz gut, soviel habe ich nach diesem Film gelernt 😀 , ansonsten ist ihre Performance okay, aber nicht spektakulär. Ihre Figur ist auch eher Mittel zum Zweck (Erpressungsgegenstand etc.), aber gut, das ist nicht weiter tragisch. Bleiben die Einbrecher. Alles klasse Schauspieler, ohne Frage und alle spielen sie ihren jeweiligen Part überzeugend. Doch auch ihre Figurenzeichnung wirkt etwas unfertig. Forest Whittaker darf den besorgten Vater mit moralischen Zweifeln mimen, doch auch hier werden ein zwei Standard-Charakteristiken hereingeworfen ohne dass diese ausgearbeitet werden (auch wenn man am Ende durchaus Sypathie für ihn empfindet).  Jared Leto mimt das etwas dämliche Großmaul und darf am Ende das tun, was er am besten kann (SPOILER: nämlich verunstaltet werden und sterben). Am wenigsten überzeugt allerdings der Charakter des Raul. Ein dunkler geheimnisvoller Hühne mit Waffe ohne Skrupel oder Charaktereigenschaften (außer, dass er böööse ist) – also bitte, in wie vielen Filmen hatten wir das schon? Natürlich, er erfüllt seinen Zweck als Spannungselement und seine Unberechenbarkeit macht ihn sehr gefährlich und interessant…aber letzte Endes weiß man, worauf es hinausläuft: Ein Last-Man-Standing-Showdown  zwischen Meg und Raul. Das ist eine Vorhersehbarkeit, die nicht zu einem David Fincher passt.

Aber das bleibt Korinthenkackerei. Letztlich hat man es hier nämlich mit einem mehr als ordentlichen hochspannenden Thriller mit genialen Sesselkrall-Momenten, klasse Kamerafahrten und coolem Soundtrack zu tun. Nicht David Finchers bester Film, aber sehr kurzweilig und unterhaltsam. Und darauf kommt es doch letzten Endes an.

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Ein Gedanke zu “Panic Room – Review

  1. Pingback: Gone Girl – Review | gerry42

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