Die Saat – Review

 

Ich liebe Vampire – eigentlich. Dunkel, geheimnisvoll, blutrünstig, elegant, manchmal wie Tiere – eine herrlich lange Tradition steckt hinter ihnen und im Gegensatz zu meinen anderen Lieblingen, den Werwölfen und den Zombies, sehr variabel. Ich muss jetzt nicht lange darauf herumreiten, wie sehr Twilight und seine Drölfzigtausend Ableger dieses Genre für mich zerstört haben. Nicht einmal so sehr, weil es Twilight an sich gibt (das ist ja noch der beste Beweis dafür, wie variabel das Genre ist – wer hätte vorher geglaubt, dass es monogame, vegetarische Mormonen-Emo-Vampire gibt (!!)), sondern schlicht weil eine Fülle von ähnlich gearteten Büchern das Genre überfluteten und Vampire zu dunklen Loverboys mit Blut maximal aus dem Strohhälmchen degenerieren ließ. Wenn es dann schon soweit kommt, dass ich mir aus Frust „Blade“ (ein meiner Meinung nach eher unterdurchschnittlicher Film) reinziehe, einfach damit ich mal wieder ein paar echte Vampire zu sehen bekomme, dann ist in dem Genre eindeutig etwas schiefgelaufen.

Aber zum Glück muss man nicht den kompletten Vampir-Buchmarkt verdammen, denn nach wie vor versuchen Autoren, frischen Wind in die Blutsaugerangelegenheit zu bringen. Neben meinem absoluten Liebling „Kinder des Judas“ von Markus Heitz hat dabei nun auch ein relativ aktuelles Buch meine ungeteilte Aufmerksamkeit erhalten: „Die Saat“ von Chuck Hogan und Guillermo del Toro. Ja genau, DER Guillermo del Toro, der Regisseur von „Pans Labyrinth“ oder dem „Hellboy“ Franchise.

Zur Story: Auf dem New Yorker JFK-Flughafen landet ein Flugzeug, welches ohne jeden Funkkontakt abrupt mitten auf der Landebahn zum Stehen kommt. Die Fenster sind verdunkelt, kein Lebenszeichen von Pilot oder Passagieren. Als Ephraim Goodweather (ja, der heißt so!!!), Chef der Seuchenschutzbehörde, und seine Assistentin Nora (zukünftige Lovestory, anyone?) das Geisterflugzeug betreten, finden sie…nun ja, keine Geister, aber zumindest einen Haufen Leichen, der äußerlich unversehrt scheint, abgesehen von der Tatsache, dass das Atmen und Leben nicht mehr so recht funktionieren mag. Aber schnell wird klar, dass dieses Flugzeug noch etwas anderes mit sich bringt – etwas deutlich älteres und gefährlicheres.

Gut, es geht um Vampire, so viel habe ich schon gespoilert. Das darf ich aber auch, immerhin ist es der Grundaufhänger des ganzen Buches. Dieser Vampirismus äußert sich jedoch nicht in schwermütigen tranigen Dialogen über wahre Liebe – hier verbreitet sich das Maleur wie eine Seuche und verwandelt die armen Seelen in wild mordende Raubtiere. Der Grundgedanke ist hier für meinen Geschmack etwas albern (hier wird nicht gebissen, sondern eine Zunge mit Dornfortsatz aus dem Schlund geschleudert….ähm, ja….), davon abgesehen ist jedoch besonders die erste Hälfte des Buches unfassbar spannend und gruselig. Der Filmhintergrund eines der Autoren wird hier zwar zu jedem Zeitpunkt deutlich – man fühlt sich gewissermaßen wie in einem überdimensionalen Blockbuster – aber das ist ja nichts schlechtes. Einzelne Szenarien sind hochspannend geraten, der Spannungsgrad wird von Kapitel zu Kapitel immer weiter angeschraubt. Die Protagonisten sind zwar leicht klischeehaft (ein besorgter Vater, ein alter von seiner Jagd besessener Mann…), aber detailiert und man kann durchaus mit ihnen mitfühlen. Die Fülle der Charaktere ist zunächst etwas verwirrend und natürlich bleibt die Charakterzeichnung hier etwas oberflächlich, doch nach einiger Zeit hat man sich auch daran gewöhnt. Auch die ruhigen Momente sind überzeugend und dienen zum Luftholen vor dem nächsten Sturm. Einen flexiblen Magen sollte man schon haben, denn an blutigen Details wird hier nicht gespart.

Aber wie auch bei vielen Blockbustern fällt die Spannung nach der großen „Enthüllung“ und Aufklärung der Geheimnisse ab. Ab da setzt das Buch auf Action und eine groß angelegte Monsterhatz. Das ist kurzweilig geschrieben und weiß durchaus noch zu interessieren, kann aber nicht mit der Atmosphäre des ersten Teils mithalten. Der Showdown wirkt dann aber doch etwas zu sehr auf „Boss-Gegner“ getrimmt. Zudem zeigt das offene Ende, dass eine Fortsetzung ansteht (bzw. schon erschienen ist), was mich sehr skeptisch stimmt, da eigentlich schon alles erzählt ist, und die Gefahr, sich zu wiederholen, sehr groß ist. Aber lassen wir uns überraschen.

Fazit: Ein packender, unterhaltsamer Pageturner mit leicht abflauendem Mittelteil, der das Vampirgenre endlich mal wieder in die richtige Richtung schubst und der sich wie ein epischer Fantasy/Horrorfilm liest. Sehr empfehlenswert für alle Vampirfreunde der deftigeren Art.

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