Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 – Review

 

Puh, aus welcher Sichtweise bewerte ich den Film nun? Ich war erst gestern Abend im Kino und bei Harry Potter-Filmen ist die Objektivität nach der ersten Sichtung nur schwer einhaltbar, da man die erste kindliche Begeisterung über das Gesehene überwinden muss. Hinzu kommt, dass dies der letzte Potter-Film ist – der entgültig LETZTE. Vor zehn Jahren war ich das erste Mal in einem Harry Potter-Film im Kino, die Bücher habe ich von Anfang an mitverfolgt und verschlungen – es ist also ein großes Stück Kindheit, das hier für mich endet, so melodramatisch das hier auch klingen mag. Entsprechend wehmütig bin ich aus dem Kino gegangen – die gemeinsamen Ausflüge nach Hogwarts mit der ganzen Familie haben nun ein Ende.

Genug geheult, betrachten wir den zweiten Teil der Verfilmung des siebten Harry Potter-Bandes als Film an sich. Dazu zunächst ein paar Worte zu den bisherigen Filmen: „Harry Potter und der Stein der Weisen“ und „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ trafen den Ton der Bücher sehr gut. Ich war damals vollauf und uneingeschränkt begeistert, aber ich war damals auch noch ein neunjähriger Knirps; in einem solchen Alter ist man auch von Reflektorstickern auf bunten Regenjacken noch vollauf und uneingeschränkt begeistert. Heute sehe ich mir die Filme nach wie vor gerne an, da sie die Magie der ersten beiden Bücher sehr gut einfangen – aber es sind eben noch „Kinderfilme“, die man dem Nostalgiefaktor wegen schaut – für die geniale Story greift man lieber noch einmal zu den Büchern. Zudem hatten die quietschbunten niedlichen Filme (die im Verlauf der Filmreihe den Buchvorlagen entsprechend immer düsterer, härter und packender wurden) das Problem, das auch viele spätere Potter-Filme teilten. Sie konnten nicht jeden Einzelaspekt der zunehmend komplexer werdenden Story mit einbringen (verständlich) – und sparten an den falschen Enden. Mal mehr, mal weniger essenzielle Storyparts wurden weggelassen, was zu Verständnisproblemen bei den Nichtkennern der Bücher sowie eklatanten Logiklücken in den Filmen führte – absoluter Tiefpunkt: die desaströse Verfilmung von „Harry Potter und der Feuerkelch“, die die einzelnen Handlungselemente wie am Reißbrett ansatzweise abhandelte und den Rest mit einem Haufen CGI-Sequenzen zuschmierte. Erst die Filme unter der Regie von David Yates (also Film Fünf bis Sieben, Teil 1 und 2…Gott, klingt das kompliziert) schafften es, die Brücke zwischen akkurater Buchverfilmung und filmtauglicher Umsetzung zu schlagen. Darüber hinaus fädelte Yates immer wieder eigene Ideen ein, die – unfassbarerweise – sogar besser waren als im Buch (der Fight zwischen Voldemort und Dumbledore in Teil 5 sowie die fast schon schwertkampf-/ Kung Fu-artigen Zauberstabduelle). Und genau da setzt auch Film Nummer 8 an.

Vorweg: Wer Teil 1 der „Heiligtümer des Todes“ nicht gesehen hat bzw. das Buch nicht kennt, hat hier schon verloren – der Film macht nahtlos da weiter, wo sein Vorgänger aufgehört hat. Es werden keine neuen Storyfäden mehr eröffnet, sondern alle offenen Fragen geklärt. Hier erwartet einen endlich das, was Yates in den vergangenen Teilen bewusst ausgespart hat – sei es um nichts vorweg zu nehmen oder sich zu wiederholen, oder auch weil er auf die diffizile Charakterentwicklung der Figuren wert gelegt hatte. Die letzte Schlacht, „es endet alles“ heißt es in den Trailern und auf Kinoplakaten vollmundig und klar, hier wird aus den Vollen geschöpft.

Alles beginnt mit einem düsteren Auftakt mit aufmarschierenden Schülerscharen im Gleichschritt, bewacht von Todessern und Dementoren. Kann man im Wesentlichen nicht drüber meckern, mich allerdings hat schon im letzten Film die etwas ZU offensichtlichen Dritte-Reich Parallelen gestört. In den Bücher waren diese Allegorien eher subtil und selbsterklärend – sie entstanden aus dem Kontext der Unterrückung heraus. In den letzten Filmen war mir das ganze doch etwas mit dem Presslufthammer vermittelt: Wachen in Uniform und mit Kappe – NAZI-ALLEGORIE!!!!!1111elf Ein weiterer Punkt, der mich schon in „Harry Potter und der Halbblutprinz“ gestört hat, ist, das für meinen Geschmack Snapes wahre Rolle schon etwas zu früh angedeutet bzw. fast schon vorweggenommen wird. Davon abgesehen ist die Atmosphäre des Buches erneut hervorragend transferiert und wird im Kino regelrecht spürbar.

Ein Manko, das diesem Film, wie auch den bisherigen anhaftet, sind die Hauptdarsteller. Es ist für einen Film gelinde gesagt unvorteilhaft, wenn diese nicht wirklich schauspielern können, da mit ihnen ein Film gerne mal steht und fällt. Optisch ist die Darstellerriege perfekt und originalgetreu und man hat es hier mit vielen sehr sehr guten Schauspielern zu tun. Neben denen gerade Daniel Radcliff (Harry) total abstinkt. Emotionen wie Trauer, innere Zerrissenheit oder Liebe bekommt der Junge einfach nicht hin; er stiert eher mit einem Standard-Gesichtsausdruck in der Gegend umher und essenzielle Schlüsselmomente in der Story mag man ihm einfach nicht abkaufen. Emma Watson (Hermine) macht ihre Sache schon etwas besser, aber sie muss im Wesentlichen auch nur besorgt gucken oder heulen. Rupert Grint (Ron) hat schon in den vergangenen Teilen gezeigt, dass er schauspielerisch einiges auf dem Kasten hat – vorausgesetzt man lässt ihn; in vielen Teilen litt er unter chronischer Unterforderung, da er nur als Harrys Stichwortgeber und Weggefährte agieren durfte.

Damit wären die Negativpunkte allerdings bereits abgehakt, denn abgesehen von diesen Kleinigkeiten haben wir es hier mit einem wuchtigen, ergreifenden und vor allem in sich stimmigen Film zu tun. Die Action ist gigantisch, die Story schlüssig und erneut schafft es Yates gewisse Sequenzen des Buches so zu verändern, dass sie tatsächlich besser werden – ohne hier zu viel spoilern zu wollen, der Endfight zwischen Harry und Voldemort…Yammyammyamm.  Auch das Ende ist weitaus weniger theatralisch, sondern deutlich dreckiger und realistischer. Alan Rickman (Snape) und Helena Bonham Carter (Bellatrix Lestrange) liefern absolute Glanzleistungen ab und katapultieren sich mit diesem Film in die Liste meiner Lieblingsschauspieler. Die Geschichte von Snape ist so ergreifend und traurig, dass ich fast schon selbst angefangen hätte, meine Schleusen zu öffnen und zu heulen.

Mehr will ich hier auch gar nicht vorwegnehmen, es bleibt das Fazit: Wer die bisherigen Potter-Filme, besonders die letzten drei von Yates mochte, wird diesen Film lieben; der perfekte Abschluss einer großartigen Fantasy-Reihe und eines Stücks Kindheit *auf einer imaginären Violine spiel*

Ach ja, zu 3D: In diesem Film ganz nett, aber unnötig. Man merkt, dass der Film nachkonvertiert wurde, da zu keiner Zeit die räumliche Tiefe vom „Avatar“ Kaliber erreicht wird. Auch Zeugs fliegt einem nur selten in die Fresse, insofern kann man sich das Extra-Geld auch sparen.

Und für alle, die mit dem Potter-Universum noch nicht so vertraut sind oder auch für diejenigen, die ihre Erinnerungen noch einmal auffrischen wollen: Hier ist ein, wie ich finde, mehr als gelungener Rückblick auf die bisherigen sieben Filme und den letzten achten Film von iTunes.

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