Insidious – Review

 

Ich liebe Horrorfilme. Wow, hammer Ansage, da hatters uns aber gezeigt, der Schurke…Nein, bleiben wir seriös. Ich kann mich grundsätzlich für sehr viele Filmgenres begeistern, ich mag gute Action-Filme, genauso wie ich auch an einem Drama oder einer Komödie Gefallen finden kann. Hauptsache der Film an sich überzeugt mich, bringt mich zum Lachen, Weinen oder Mitfiebern. Mein kleiner persönlicher Geheimfavorit bleibt jedoch der Horrorfilm. Wobei ich hier klarer definieren muss, da Horror ein weit dehnbarer Begriff ist. Heutzutage werden nämlich gerne überbordende Splatter-Infernos oder diese sehr kurzlebige „Torture-Porn“ Filme als Horror gefasst. Das kann man durchaus machen, ist schließlich auch eine Art von Schrecken (wobei die Zahl der Stinker hier überdurchschnittlich hoch ist), aber wenn ich von Horrorfilmen rede, dann meine ich Filme, die mir Angst machen. Spannung, Dunkelheit, Schrecken, eine gute und hochspannende Story, Charaktere zum Mitfiebern, optimalerweise ohne Happy End 😛 . Schlicht und ergreifend, ein echter Horror-Film ist für mich ein Film, der mich permanent dazu drängt, wegzusehen und sich am liebsten unter der Decke zu verkriechen. Das muss nicht extrem sein, gerade subtiler Horror ist oft der effektivste.

Das Problem ist: Es gibt SO WENIG gute Horrorfilme. Ein Großteil des Genres besteht aus billigen Pseudo-Grusel, der Jumpscares mit Atmosphäre und Blutsuppe mit Schock verwechselt. Absolute Highlights wie A Nightmare on Elm Street oder Evil Dead haben auch schon das eine oder andere Jährchen auf dem Buckel und neuzeitliche Horrorfilme (abgesehen von japanischen Geisterhorrorfilmen – DIE haben echt was) leiden unter der Knechtschaft von Michael Bays Platinum Dunes, die jeden Klassiker remaken, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Vielleicht habe ich mich deshalb so sehr auf Insidious, der neuste Film von James Wan und Leigh Whannell, gefreut.Immerhin hat dieses Duo uns neben dem ersten Saw-Film (dem einzigen wirklich guten) Dead Silence beschert, ein Film, der trotz seiner allgemein eher schlechten Kritiken für mich zu den absoluten All-Time Horror-Favoriten zählt. Und der Trailer zu Insidious versprach genau dieses erneut: Ein Horrorfilm alter Schule mit unerträglicher Atmosphäre, gut platzierten Schocks und spannender Story.

Worum geht es? Die Familie Lambert (Vater Josh, Mutter Renai, sowie drei Kinder; die Namen habe ich vergessen, der wichtigste ist Dalton, alle anderen sind eigentlich egal 😀 ) ziehen in ein neues Haus. Schnell merken sie, dass dort etwas nicht stimmt: Mysteriöse Geschehnisse, die Alarmanlage geht ohne Grund los, Schritte auf dem Dachboden, grausige Geräusche aus dem Babyphone, seltsame Erscheinungen, das volle Programm. Dann fällt Dalton aus unerfindlichen Gründen ins Koma und der Terror nimmt immer mehr zu. Schließlich hält die geplagte Familie den Blödsinn nicht mehr aus und ein neuer Umzug wird in die Wege geleitet. Als dort jedoch der Budenzauber weiterhin ungehindert seinen Lauf nimmt, wird ein Spezialisten-Team für Paranormales herbeizitiert. Und diese stellen, wie der Trailer bereits gewitzt zu spoilern wusste: Nicht das Haus ist verflucht, sondern Söhnchen Dalton.

Wie so einige Filme lässt sich auch dieser in zwei Hälften einteilen. Die erste Hälfte bietet neben der Charaktereinführung (die ein bisschen lieblos geraten ist, finde ich; nicht allzu dramatisch, aber so viel Mühe wurde sich hier nicht gegeben, Vater wie auch Mutter sind etwas…nun ja, langweilig) einen exzellenten Spannungsaufbau, der sich langsam steigert und dabei eine erstklassige Atmosphäre kreiert. Einige Passagen sind absolut nervenzerreißend und sogar sehr innovativ (das tanzende Kind im Haus…), man greift zwar auf altbewährtes wie knarrende Türen oder Schritte zurück – was aber nichts schlechtes ist. Im Gegenteil: Phasenweise stellt sich tatsächlich ein schöner Nervenkitzel ein, der vorbildlich langsam aber sicher gesteigert wird.

Dann folgt der zweite Part, der darunter leidet, woran viele Filme schon gescheitert sind: Die Erklärung. Dass diese ausgelutscht und altbekannt ist, kann man fairerweise nicht behaupten, im Gegenteil; bislang ist sie mir so in keinem Film untergekommen. Das Problem ist, dass die Story mit der Erklärung, die hier von zwei Geisterforscher-Nerds, die hier wohl für den „Comic-Relief“ sorgen sollen, und der Psycho-Tante aus „2001 Maniacs“ übernommen wird, in die Esoterik abrutscht. Das nimmt der Situation das Unheimliche, die Ungewissheit und somit auch den Nervenkitzel – denn so innovativ die Erklärung ist…sie driftet ins Alberne ab. Das reißt aus der vorher so perfekt aufgebauten Atmosphäre heraus und zumindest ich kam nicht umhin, mich zu fragen: „Muss das jetzt sein?“

Angesichts der heute im Internet üblichen Bewertungsart ist es nur logisch, dass sich sofort viele Flamer auf diesen Aspekt stürzen und den Film dahingehend hinrichten – Tatsache ist, dass James Wan und Leigh Whannell tatsächlich die Kurve kriegen. Sie schaffen es auch um ihr Eso-Storygeflecht herum erneut Atmosphäre und Spannung aufzubauen, auch wenn die Überzogenheit immer wieder durchschimmert. Was das ganze schließlich rettet, ist die Art, wie Spannung erzeugt wird. Natürlich ist der Film voll mit Jumpscares, so gut wie kein Horror-Film kommt mehr ohne aus (zur Erklärung: Jumpscares sind Schockmomente die durch plötzliche Geschehnisse verbunden mit lautem Musiktusch erzeugt werden – oder mit anderen Worten: BUUUUUUUH), auch wenn sie hier sinn- und wirkungsvoll (wenn auch manchmal etwas offensichtlich) platziert werden. Was James Wan hier von der Müllschmiede Platinum Dunes unterscheidet: Nicht allein die Jumpscares machen hier den Schrecken aus; es sind die Bilder, die sich hier ins Hirn brennen, die den Horror wirkungsvoll machen.

Auch der Einsatz von Musik ist  gelungen gruselig; nach diesem Film wird sich wohl niemand mehr Tiny Tims „Tiptoe through the tulips“ ohne entsprechende Hintergedanken anhören können, auch wenn die Idee, harmlose Songs als Gruselelemente einzusetzen nicht neu ist. Das Finale kann sehr zwiespältig gesehen werden. Die Szene, in der Josh auf den (ohne zu viel zu spoilern) Endgegner trifft, wirkt im Vergleich zum restlichen Film sehr billig und befremdlich. Mich hat sie nicht gestört; es kann sein, dass ich zu viel in den Film hineininterpretiere, aber mich hat die Sequenz wie auch der Gegner an diese unwirklichen Szenarien aus Kinderalpträumen erinnert. Im Gesamtkontext mag sie deplatziert und albern wirken, auf mich wirkte sich auf beuruhigende Weise verstörend. Aber vielleicht geht es nur mir so? Kommentiert ruhig, wenn ihr das anders seht 😉

Kommen wir zum letzten leidlichen Punkt: Der Endtwist. Ich weiß, heutzutage gehört es für Horrorfilme zum guten Ton, ein „überraschendes“, meist grausames Ende zu haben. Ein Happy End gibt es meist nicht, logisch, immerhin soll der Zuschauer ja schockiert und nicht mit einem fröhlichen Pfeifen entlassen werden. Spricht nichts gegen und Wan/Whannell haben mit Saw und Dead Silence gezeigt, wie gut sie im „WTF-Ende“-Erschaffen sind. Somit rechnet man hier bereits mit einem Twist, der dann auch kommt – und so vorhersehbar ist, dass es fast schon wehtut. Hier haben die Kritiker recht, wenn sie schreiben, dass das Ende meilenweit vorhersehbar ist. Es ist ein absoluter Klischeetwist, zwar makaber, aber offensichtlich, was die beabsichtigte Schockwirkung völlig verfehlt. Das können sie besser.

Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir es hier mit einem neuzeitlichen Horrorfilm-Highlight zu tun haben. Auf angenehm altmodische Weise steigert der Film die Spannung bis ins Unerträgliche. Die Schocks sind gut platziert und meist wirkungsvoll, lediglich die Story ist etwas zu abgefahren esoterisch und driftet etwas ab. Trotzdem schafft auch die zweite Hälfte überwiegend, auf dem Level der ersten zu bleiben und schafft viele Szenen, die im Gedächtnis bleiben. Undvielleicht sogar in dem einen oder anderen Alptraum.

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2 Gedanken zu “Insidious – Review

  1. Jap ja, in der Tat, dieses Ende war nicht nötig. Insgesamt ein solide Schocker, der sich leider selbst kaputt macht. Zeug in die Top 10 der besten Horrorfilme zu kommen hatte Insidious ohne Zweifel, aber die genannten Defizite sind zu groß:
    Schwacher Charakteraufbau
    Lächerliches Esoterikgetue
    Vorhersehbares Ende

    Nichts desto trotz hinterlassen Wan und Whannell einen beeindruckenden Horrorfilm der größtenteils ein unangenehmes Gefühl hinterlässt.
    Ich hoffe jedoch, dass das Duo sich an Neues wagt. Nach Paranormal Activity und Dead Silence, jetzt ein dritter Geisterfilm. Alle drei sind Spitzenklasse ohne Zweifel, aber man merkt, dass sie sich im Kreis drehn.
    SOOO genug gemeckert.
    Fazit: Starker Horrorfilm mit einigen Defiziten.. Absolut empfehlenswert!

  2. Kann in fast allen Punkten zustimmen 😉

    Deine Texte lesen sich informativ und unterhaltend gleichzeitig, bin gespannt, welcher film als nächster unter die lupe (oder brille 😛 ;)) kommt.

    Die angesprochene Kampfszene fand ich nervig, sie passt nicht zum rest des filmes. showdowns in horrorfilmen finde ich sowieso immer lästig^^

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