The Dark Knight – Review

 

Ich war nie der allzu große Superhelden-Fan. Bin ich auch bis heute nicht. Meine Kindheit wurde nicht durch Marvel- oder DC-Comics, sondern durch Asterix- oder Tim und Struppi-Hefte versaut. Die späteren Hollywood-Verfilmungen waren also nicht besonders interesssant für mich. Naja gut, Spider-Man ging klar, auch wenn ich mittlerweile sagen muss, dass die Trilogie viele Szenen beinhaltet, die unfreiwillig komisch oder einfach nur dämlich sind („Green Goblin“, hahahahahahahahaa). Der Release von Batman begins ging ziemlich an mir vorbei und erst der Hype um The Dark Knight, der durch Heath Ledgers Joker und seinen nur wenig später eintreffenden Tod durch die Decke schoss, weckte in mir überhaupt das Interesse an The Dark Knight (mit dem namen Christopher Nolan war ich Naivling damals noch nicht vertraut). Als er dann in Amerika, während meines Austauschtrips lief und eine größere Gruppe sich den reinziehen wollte, dachte ich mir: Naja gut, versuchs mal. Das Ergebnis: Mal eben katapultierte sich ein Superhelden-Film in meine Top 10 der besten Filme aller Zeiten…what the hell just happened?

Die Story zu beschreiben ist nicht so einfach, da sie weit über das übliche Gut gegen Böse Schema hinausgeht. Jedenfalls setzt sie direkt da an, wo Batman Begins aufgehört hat: Bruce Wayne alias Batman (Christian Bale) hat gemeinsam mit Lieutnant James Gordon den Kampf gegen das organisierte Verbrechen aufgenommen. Vor eine besondere Herausforderung stellt sie ein geheimnisvoller Krimineller, der sich als „Joker“ bezeichnet (Heath Ledger) und Gotham City in unkontrolliertes Chaos stürzen will. Batman und Gordon beschließen, den aufstrebenden Anwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart), der mithilfe eines beeindruckenden Coups große Teile der Mafia festnehmen konnte, mit in ihre Zweckallianz aufzunehmen. Für Bruce besonders problematisch: Dent ist mit seiner Jugendliebe Rachel (Maggie Gyllenhall) zusammen. Trotzdem werden die drei zu einer immer größer werdenden Bedrohung für Gothams organisiertes Verbrechen, woraufhin sich die Gangsterbosse in ihrer Not widerwillig an den undurchschaubaren Joker wenden. Dieser verkündet öffentlich im Fernsehen, Batman solle seine Maske abnehmen und sich stellen, ansonsten werden jeden Tag Menschen sterben (was er prompt anhand mehrerer hochgestellter Persönlichkeiten demonstriert). Um mehr Tode zu vermeiden und dem Joker eine Falle zu stellen, gibt sich Harvey Dent als Batman aus und lässt sich zum Schein verhaften. Infolge eines gescheiterten Attentats auf den Gefangenentransport mit Harvey, schaffen es Batman und Gordon, den Joker zu verhaften. Doch das gehört alles zum Plan des Jokers.

Das größte Urecht, das man diesem Film tun kann, ist, ihn auf den Joker zu reduzieren. Die Darstellung des posthum mit einem Oscar geehrten Heath Ledger ist für viele das einzige, woran sie sich in diesem Film erinnern. Von Ungefähr kommt das nicht: Ledgers Performance ist gewaltig. Er verleiht dem Joker eine undurchdringliche Bedrohlichkeit, er verkörpert die anarchie und das Chaos. Zwei der erinnerungswürdigsten Szenen des Films, die in ihrer Konzeption und Umsetzung richtiggehend Angst macht, sind nicht umsonst Joker-Szenen: Zum einen die berühmte Messer-Szene, in der der Joker erläutert, wie er zu seinen Narben gekommen ist und selbiges direkt demonstriert, zum anderen die erste Videobotschaft des Jokers an Batman. Sie sind erschreckend und skrupellos, auch weil die Figur selbst stets im Dunkeln bleibt. Man erfährt nichts über ihn oder seine Vergangenheit (die Narbenerklärung wird wenig später wieder relativiert), auch seine Motive bleiben rätselhaft. Im Gegensatz zu vergangener Joker-Interpretationen (u.a. Jack Nicholson) ist das hier kein durchgedrehter Clown, es ist ein düsterer Freak und Batmans grausame Nemesis. Das ist nicht nur dem Schauspieler geschuldet, sondern auch dem grandiosen Drehbuch, aber Ledger gelingt hierbei etwas, wovon andere Schauspieler nur träumen: Er taucht so perfekt in seine Rolle hinein, dass man den Schauspieler dahinter überhaupt nicht mehr wahrnimmt. Mal ehrlich, guckt euch eine Joker-Szene an: Erkennt ihr da auch nur im entferntesten den „Ritter aus Leidenschaft“? Das dachte ich mir.

Den Film allerdings allein darauf zu reduzieren, wird Nolans Werk nicht gerecht: Christopher Nolan zeigt hier einmal mehr sein gesamtes Talent für komplexe, actionreiche Stories, die hier eine neue Dimension erreicht. Die Grenzen zwischen Gut und Böse werden ausgehebelt, ein dunkler Ritter wird gebraucht, aber nicht gewollt. Die Reflexion über die Rolle der einzelnen Charaktere sind tiefgehend wie nie. Terrorangst, Selbstunsicherheit und Doppelmoral sind hier sehr große Themen. Die Angst vor dem Joker manifestiert sich in den Bewohnern Gothams wie auch im Zuschauer selbst und ist in dieser Form realitätsbezogen wie kein Superheldenfilm zuvor, zeigt er doch, wie verwundbar wir alle sind, angesichts der Gefahr durch das totale Chaos. Das grandiose Ende (in Verbindung mit einem brillanten Score von Hans Zimmer) verursacht meterdicke Gänsehaut, weil es von dunkler und nüchterner Konsequenz ist. Hier hat kein Charakter eine weiße Weste, um den Joker zu stoppen, überschreiten selbst Nebencharaktere wie Lucius Fox (Morgan Freeman), der sonst nur Batmans Ausrüstung entworfen hatte, die Grenzen der Legalität und der eigenen Moral, nur um letzten Endes festzustellen, dass alles vergebens war. Ob der Joker am Ende gewonnen hat, bleibt der Interpretation des Zuschauers überlassen. Die Komplexität und gleichzeitige Schlüssigkeit durch die geniale Konzeption übertrifft den Pseudo-Tiefgang eines Spider Mans um ein Vielfaches.

The Dark Knight ist nicht ohne Fehler: Die laufzeit von 152 Minuten ist zunächst mal eine lange Zeit, doch es scheint, als wäre sie für Nolan nicht lange genug. Der Plot ist unfassbar vollgestopft mit Details und Storyelementen und spätestens mit der Transformation von Harvey Dent in sein Alter Ego Two-Face wird der Film etwas gehetzt und überladen. Aus dem Stoff des Filmes hätte Nolan besser zwei Filme gemacht und stattdessen einige Sequenzen nicht so gehetzt und rasch abgehandelt. Es sind so viele Story-Aspekte darin, dass der Zuschauer zeitweise richtig Mühe hat, dem Geschehen noch richtig zu folgen.

In den Action-Szenen bleibt sich Nolan selbst treu: Er bietet keine uninspirierten oder unrealistischen tausendfach gesehenen Action-Sequenzen, sondern stattdessen ungeschönt harte Fights und Verfolgungsjagden. Realistisch wäre hier zu viel gesagt, allerdings verzichtet Nolan wie üblich weitesgehend auf CGI und Computereffekte, was dem ganzen einen rauen und harten Ton gibt. Spektakulär und spannend sind sie allemal und niemals wirken sie deplatziert oder gewollt; stattdessen ist die Action immer sinnvoll in die Story integriert (wie später auch in Inception).

Christian Bale als Batman…ich weiß immer noch nicht genau, ob er gut schauspielt oder nicht. Es ist so eine seltsame Art Distanz zwischen ihm und seiner Figur. Ich kann das nicht genau beurteilen. Nicht dass wir uns falsch verstehen, Christian Bale ist ein großartiger Schauspieler; American Psycho, The Machinist…(gut, Terminator 4 lassen wir mal großzügig unter den Tisch fallen, ne, Chris 😉 ), aber hier weiß ich einfach nicht genau, ob er zum Charakter passt. Vor allem wenn er in diesem Film trauern muss – so richtig überzeugen tut mich das nicht. Aber es ist trotzdem keine schlechte Leistung und diese wirklich etwas sehr übertriebene raue Raspelstimme als Batman schieben wir mal auf das Drehbuch.

Gary Oldman und Morgan Freeman liefern wie schon im Vorgänger durchweg überzeugende Leistungen ab und verleihen ihren Charakteren mehr Tiefe, Michael Caine (als Bruce Waynes Butler Alfred) ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Bleiben die beiden Neuzugänge: Maggie Gyllenhall übernimmt in diesem Film den Part von Rachel, der im Vorgänger noch von Katie Holmes verkörpert wurde. Gut, Katie war nicht der Bringer, eher schwache Leistung, aber gerade bei einer direkten Fortsetzung bringt so eine Umbesetzung durchaus so seine Probleme mit sich – vor allem wenn die neue Schauspielerin weder aussieht noch handelt wie die Vorgängerin. Im Wesentlichen wirkt es, so solide Maggie auch spielt, als wäre Rachel ein völlig neuer Charakter. Das ist er hier aber nicht, im Gegenteil, es wird genau das aufgegriffen, wo Bruce und Rachel im letzten Teil aufgehört haben. Aaron Eckhardt hingegen darf Harvey Dent spielen und diesem seine eigene Note verleihen. Und er macht es sehr gut. Man könnte meinen, sein Charakter ist ZU nobel und ehrenwert für diese  kaputte Stadt, aber es erfüllt ja alles seinen Zweck: Harvey wird zu Two Face, womit Gotham seinen letzten Helden mit Gesicht zu verlieren droht. Und hier wird auch Eckhart bedrohlich und dunkel, was er wirklich sehr gut verkörpert (vor allem, weil er es technisch gesehen ja nur zur Hälfte darf 😛 ). Mein einziges Problem, und dafür kann der Schauspieler nichts, liegt in Two Face insgesamt: Seine Verunstaltung sieht klasse aus, ohne Frage, allerdings ist es für eine Verbrennung deutlich zu genau in der Mitte geteilt. Wie mit dem Lineal gezogen und ich bezweifle jetzt einfach mal, das ein Feuer so exakte Kanten schafft. Jaah, natürlich sah das in den Comics so aus und man ist nur der Vorlage treu geblieben…dann beschuldige ich halt die Comics.

Aber das sind alles nur kleine Dinge, die nichts an der Tatsache ändern, dass Christopher Nolan sich mit The Dark Knight selbst übertroffen hat (naja, solange bis Inception kam). Ein komplexer und tiefgründiger wie vielschichtiger Film voller Abgründe und Dunkelheit. Die Geschichte geht über das bloße Gut gegen Böse hinaus und liefert ein manchmal vielleicht etwas überfrachtetes Action-Drama mit einem fast schon apokalyptischen Joker, das bereits jetzt ein moderner Klassiker genannt werden kann. Bis zu The Dark Knight Rises dann 🙂

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Ein Gedanke zu “The Dark Knight – Review

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