Ein Plädoyer für Trashfilme

Vorab: Es tut mir wirklich leid, dass ich umzugsbedingt so lange nichts von mir hab hören lassen. Allen, die noch treu drangeblieben sind, widme ich zur Entschädigung für die lange Wartezeit in dieser Woche gleich zwei Artikel. Das bereits in den Kommentaren angekündigte Trashfilmspecial sowie ein Review zu einem Trashfilm der ganz besonderen Art. Danke, dass ihr immer noch meine Seite besucht und meine Artikel lest; das Blog lebt von euch 🙂 .

Zunächst einmal die Frage: Was sind überhaupt Trashfilme? Eine eindeutige Definition gibt es dafür nicht. Das englische Wort „Trash“ heißt übersetzt „“Müll“. Das ist in der Regel eher kein Qualitätsmerkmal für Filme, denn Müll stellt man sich nicht gerne ins Zimmer und sieht ihn sich in seiner Freizeit generell auch nicht so gerne an (hier mag es sicherlich auch Ausnahmen geben…). TrashFILME sind also per Definition grundsätzlich schlechte Filme – Müll eben. Mit einem solchen Attribut will sich generell kein Film schmücken, oder? Oder??? Wieso gibt es so viele Fans, wieso hat sich der Trashfilm mittlerweile als eigenes Subgenre etabliert?

Vielleicht muss man erst einmal differenzieren, welche Filme überhaupt als Trashfilme gelten. Ich pflege da grundsätzlich in zwei Abstufungen zu klassifizieren. Ausschlaggebend ist nämlich nicht zuletzt das Selbstverständnis des Films: Zunächst sind da die Filme, die gerne ernst genommen werden wollen. Sie wollen kein Trash sein und fühlen sich einem bestimmten Genre zugehörig (vorzugsweise im Horror/Splatter oder Action-Bereich finden sich besonders viele Trash-Filme), weshalb sie die Versatzstücke des jeweiligen Genres mit absolut stoischem Bierernst durchziehen, ohne zu merken, dass sie sich damit lächerlich machen. Was diese Filme dann zum ungewollten Trash macht, ist letzten Endes die Machart: Schlechte Effekte, Schauspieler mir dem Talent von nassem Sand, hahnebüchene Drehbücher oder dümmliche Dialoge. Unfreiwillige Komik statt Filmpreise oder Erfolg.

Ihr wollt konkrete Beispiele? Wie wäre es damit? Mega Piranha (aus dem Hause Asylum, die auch Filme wie Mega-Shark vs. Giant Octopus verbrochen haben) wäre gerne ein harter Tierhorrorfilm mit gesellschaftskritischen Ansätzen und einem coolen Helden im 80er-Style. Die absolut grottige FX (ich glaube, ich habe in keinem anderen Film SO schlechte Effekte gesehen), schlechte Schauspieler, die ihre Rollen bemerkenswerterweise komplett ohne Emotionen durchziehen – muss eine neue Art von experimenteller Kunst sein), Logik- und Anschlussfehler und zum Teil mehrfach verwendete, absolut IDENTISCHE Szenen und Sequenzen (!!!) machen Mega Piranha jedoch eher zu einem Lach- anstelle von einem Schlachtfest.

 

Hercules in New York liest sich wie eine Fantasy-Culture-Clash-Komödie mit amüsanten Konflikten und eingefädelter Love-Story. Brüllend komisch (oder, wer nicht so darauf steht, zum Fremdschämen schlecht) sind hier allerdings nicht die schlechten Gags oder der sich ständig wiederholende Synthesizer-Pseudo-Griechen-Konserven-Soundtrack (ich glaube, das Wort lasse ich mir patentieren 😀 ), nein, es ist schlichtweg sein Hauptdarsteller: Arnold Schwarzenegger. Und nein, ich rede nicht von dem Actionstar und Gouvernator mit Vorliebe für Knarren und Putzfrauen – zumindest noch nicht. Denn hier haben wir es mit der jungen Bodybuilder/Steroid-Version des späteren Mega-Stars zu tun. Sein Spielfilmdebüt. Die völlige Abwesenheit von Talent oder Schauspielerei in denkbar jeder Szene und sein grottiges Österreich-Englisch („Ai ämm Hörcjuliihs, Zann of Zuhs“) verhindern im Alleingang jegliche ernste oder unvoreingenommene Herangehensweise an den Film.

 

Battlefield Earth (mit John Travolta – bekennender Scientologe – basierend auf einer Kurzgeschichte L. Ron Hobbard, der Gründer dieser „Religion“…klar, wohin die Reise geht?) soll bestimmt ein ernster Science Fiction Film mit Action-Anteilen sein – im Endeffekt haben wir hier jedoch nur schlechte CGI, Scientology-Nonsens und Travolta in seiner wohl schlechtesten Rolle, über die man sich weglachen kann.

 

Ich könnte fortfahren, aber im Endeffekt sind diese Filme allesamt Projekte, auf die der Spruch „So schlecht, dass sie schon wieder gut sind“ zutrifft (wenn auch nicht auf jeden). Im Klartext: Man guckt diese Filme und lacht die Macher aus. Spott über den Dilletantismus oder die grottigen Effekte sind der Grund, aus dem sich Trashfilmfans solche Filme angucken und sich gemeinsam totlachen. Dazu zähle ich mich auch und ich gebe zu, es ist asozial. Richtig asozial. Auslachen ist keine Tugend. Aber es macht Spaß, sich diese Filme anzugucken, gerade wenn sie das absolute Gegenteil von dem darstellen, was sie sein wollen.

Zudem sollte man die Popularitätswirkung von Trashfilmen nicht unterschätzen: Heutzutage kann man nicht mehr von Trash reden ohne den absoluten ungekrönten Papst der Disziplin „ungewollt schlecht“ zu nennen: Ed Wood. Wood (grandios verkörpert von Johnny Depp in dem schlicht „Ed Wood“ betitelten Biopic von Tim Burton) strebte immer eine große Hollywood-Karriere an, doch mangels Budget und Talent entstanden Filme wie Die Rache des Würgers oder Plan 9 from outer space, der heute Kultstatus genießt und Wood den Titel „schlechtester Regisseur aller Zeiten“ einhandelte. Seit Uwe Boll, der nicht nur vielen Spielefans (verhunzte Verfilmungen zu Alone in the Dark oder Far Cry) ein Begriff sein dürfte, wird jedoch häufig über eine Weitegabe dieses inoffiziellen Titels nachgedacht.

 

Das Stichwort „Kult“, das bei Ed Wood ( weniger bei Uwe Boll) häufig fällt, ist dann auch der Hauptantrieb für die zweite Art von Trashfilmen: Die Filme, die darauf angelegt sind, Trash zu sein. Einige schlaue Filmemacher erkannten, dass für Trash der billigsten Sorte tatsächlich ein Publikum existiert. Also wurden bewusst billige und lächerlich schlechte Filme gedreht, die sich ihrer Qualität zu jeder Zeit bewusst sind. Schließlich wurden sogar ganze Filmstudios gegründet, die sich auf Trashfilme spezialisierten. Berühmtestes Besipiel eines solchen Studios ist bis heute Troma (u.a. Toxic Avenger, Terror Firmer, Poultrygeist…). Die billige Ausstattung der Troma-Filme wird mit geschmacklosen Gags und hemmungsloser Over-the-Top Attitüde versehen, was mal mehr, mal weniger gut gelingt. Ich kann mich auch mit dieser Art von Trash durchaus anfreunden, manchmal jedoch stört der aufgezwungene Trash durch seine Gewolltheit. Wie ein schlechter Witz, der noch mal erklärt wird, damit jeder versteht, warum er lustig ist. Das ist jedoch Geschmacksache. Wie so denkbar jeder Trashfilm. Ich verurteile niemanden, der damit nichts anfangen kann und kann ihnen nur beipflichten: Zu 90% sind es einfach verdammt schlechte Filme. Aber diese Leute übersehen einfach den Unterhaltungswert von Filmen wie Hai-Alarm auf Mallorca. Ich kann Trashfilmabende mit Freunden, die ähnlich ticken, und einem kühlen Bier nur weiterempfehlen. Ich persönlich lache bei Trash oft mehr als bei regulären Komödien. Da ist doch auch nichts Schlimmes dran. Denn ein bisschen asozial sind wir doch alle.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Ein Plädoyer für Trashfilme

  1. Darauf ein Amen: Filme, die einfach schon unverschämt schlecht sind, sind einfach zum Brüllen komisch.. optimal für nen Filmabend mit ähnlich kranken Menschen die sowas lustig finden

    ein persönliches Highlight ist die Fortsetzung des bereits angesprochene Mega Shark vs. Giant Octopus

    –> Mega Shark vs. Crocosaurus :D:D
    einfach herrlich
    oder auch Titanic 2 <— wtf?! 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s