Daniel der Zauberer – Review

 

So, da habters. Euer zweiter Teil des Trash-Specials. Vorsicht, weiterlesen auf eigene Gefahr 😉 .

In der Regel bedient man sich als Film-Reviewer nur zu gerne gewisser Vergleiche zu anderen Filmen. Das erlaubt es dem Leser schließlich, die Meinung und die Aussagen des Kritikers anhand eines konkreten Beispiels nachzuvollziehen. Gleichzeitig hat der Reviewer  die Möglichkeit, anhand seiner Vergleichsreferenzen zu verdeutlichen, was der besprochene Film besser oder schlechter (oder einfach anders) als seine Genre-Kollegen macht.

Jetzt stehe ich hier nicht nur im Regen, nein, ich stehe in einem taiwanesichen Monsungewitter. Denn dieser – in Ermangelung eines passenderen Wortes nenne ich es einfach mal „Film“ – entzieht sich jeglichem mir bekannten Vergleich. Es ist diese Art Fassungslosigkeit, die einen nach der Sichtung dieses Machwerkes überkommt. Der Abspann läuft bis zum Ende durch – nicht etwa wegen Begeisterung, toller Musik oder weil man auf eine versteckte „After Credits“-Szene wartet (Gott bewahre!!!), sondern weil man schlicht nicht in der Lage ist, den Stop-Knopf oder den Ausschalter zu drücken. Man verhält sich plötzlich wie ein Reh, das in die Scheinwerfer eines heranrauschenden Autos starrt und sich nicht mehr bewegen kann – mit dem Unterschied, dass hier das Auto bereits über den arglosen Filmegucker gerauscht ist. Vielleicht eine postmortale Schockstarre – man ist entsetzt über seinen eigenen Tod.

Wovon rede ich eigentlich? Nun, der Titel sagt es ja bereits: „Daniel der Zauberer“. Das Spielfilmdebüt des einstmaligen DSDS-„Stars“ und polarisierenden Boulevard-Kermit (ja, der mit dem Gurkenlaster, richtig!). Jener Film, dessen Weltpremiere fünf Hardcore-Fans beiwohnten. Über die Kritiken und Rezensionen zu diesem „Film“ müssen wir nicht reden. Jetzt könnte man berechtigterweise fragen: Warum im Namen von ____________ (frei für beliebige heilige Instanz) guckt man sich einen solchen Film an??? Nun, alle, die mein Trashfilm-Plädoyer gelesen haben, wissen, dass ich Spaß an unfreiwillig schlechten Filmen habe. Und wenn ein deutscher Film sich über Jahre in der Top 100 der schlechtesten Filme aller Zeiten der Imdb (Internet Movie Database, also INTERNATIONAL) auf einem ungeschlagen auf Platz 1 halten konnte (wurde erst kürzlich von Baby Geniuses 2 überholt), dann werde ich neugierig. Eine Neugier, die ich euch im Folgenden aller Wahrscheinlichkeit nach sofort wieder nehmen werde.

Zunächst zum Inhalt (so gut es geht): Schon das Filmplakat macht klar, dass diese Bombe in einer Fantasy-Welt spielen muss, denn die Tagline „von Millionen geliebt, von Vielen gehasst“…ähm…in welcher Parallelrealität sah’s denn SO aus?!?! Nun gut, stilgerecht, wie es sich für solch eine Berühmtheit gehört, beginnt der Film mit einem Konzert des Eggenfeldeners in gruseligen Kostümen (über den erotisch gehauchten Song reden wir mal lieber überhaupt nicht). Die Halle kocht über, die Fans sind begeistert. Ein Gefühl, das die gefrusteten Teenager mit Goth-Schlagseite, Rike (Adele Eden) und Tom (Oliver Möller), nicht teilen, im Gegenteil: Ein sinistrer älterer Herr namens Baltazar (Rudolf W. Brem) ermutigt die beiden, den unliebsamen Sängerknaben zu töten. Was sie nicht wissen: Daniel hat eine Art Schutzengel, den geisterähnlichen Einarmigen mit Zylinder (…genau!!!) und Horn (…GENAU!!!) Johnny (Ulli Lommel), der Daniel die wahren Werte des Lebens lehren will, also zeigen will, wie er ein „echter Zauberer“ wird. Diverse Mordanschläge von Tom und Rike scheitern an dem Zögern der beiden. Werden sie auf dem Spezialkonzert in Eggenfelden, um das ihn die junge Petra (Marina Lommel) gebeten hat, Erfolg haben? Geichzeitig kündigt sich für Kübi selbst ein Karrieresprung sondergleichen an, denn Hollywood lädt zu einem Screentest ein.  Und Baltazar wie auch Johnny sind weit mehr als normale Sterbliche…

Dieser Film ist unfassbar. Unfassbar schlecht. Und ich habe viele schlechte Filme gesehen, aber Daniel der Zauberer toppt echt alles. Nach diesen 81 Minuten kommt man nicht umhin, sich zu fragen: Hab ich das gerade wirklich gesehen??? Es tut mir leid, aber eine objektive Bewertung ist hier echt schwer. Aber ohne Witz, die oben beschriebene Story ist tatsächlich die Story des Films. Und was soll man dazu sagen? Ein einziges Chaos mit Plotlöchern, Anschluss- und Logikfehlern ohne Ende. Diese einzeln aufzuzählen würde Tage in Anspruch nehmen. Was mir bis heute nicht klar ist, ist die Rolle von Johnny und Baltazar (was für ein Name ist das überhaupt?). Johnny wird in dem Film erklärt, ist (SPOILER, solltet ihr tatsächlich wert darauf legen) Daniels toter Opa, der vor Jahren bei einem nicht näher definierten Unfall auf dem Oktoberfest starb und seitdem offenbar Daniel seit dessen Kindheit zur Seite steht. Die Szenen mit Johnny (gespielt von seiner Hoheit, Regisseur Lommel himself) hätten meiner Meinung nach in einen Horror/Psychofilm gepasst, denn sie sind echt gruselig und…mjah,auf unangenehme Weise seltsam (ein Mann, der aussieht wie ein Zuhälter, im Garten mit einem Minderjährigen, in seiner Hand ein Horn…okay…). Aber es bleibt zumindest verständlich. Auch die übermenschlichen Kräfte, die es ihm erlauben, Baltazar kurzfristig in eine Kakerlake zu verwandeln (…kein Kommentar) bleiben zumindest bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehbar. Aber Baltazar selbst, der – wie aus Dialogen mit Johnny hervorgeht – das Böse oder den Belzebub zu verkörpern scheint, bleibt mir ein Rätsel.Vielleicht ist es Regisseur Ulli Lommels künstlerischer Anspruch, schließlich ist er ein ehemaliger Fassbinder-Schüler (auch wenn er vor Daniel der Zauberer bereits diverse C-Movies in Amerika hinter sich hatte), auch wenn ich mich frage, was Fassbinder Lommel wirklich auf den Weg mitgegeben hat, wenn DAS dabei herumkommt. Am Lachhaftesten wirkt jedoch ein abrupter Plottwist gegen Ende, wo Daniel mit einer besonderen Überraschung bei seinen Entführern aufkreuzt. Unbeschreiblich, schaut es euch an, nur so viel, es war der Moment, in dem mir die Kinnlade endgültig herunterklappte.

Aber so überladen die Handlung von außen auch wirkt: Lommel erlaubt es sich tatsächlich, den Film durch überlange Gesangspassagen von Daniel künstlich aufzublasen. Diese schier endlos dauernden „Live“-Aufnahmen werden gerne auch mal durch sinnfreie Videoclip-Einwürfe (Daniel wälzt sich im Schnee, Daniel kuschelt mit Tigern, Daniel singt in einen Fön…) ersetzt, was diesen Film auch ohne die völlig abgehobene Story (die auf mich wirkt, als hätte sie ein Betrunkener geschrieben (oder ein Fassbinder-Schüler)), zu einer langwierigen und anstrengenden Session macht.  Hinzu kommen der wirklich grottige Look und die dilettantische Kameraführung, die dem Film den Eindruck eines schlechten Homevideos mit Digitalkamera vom Flomarkt verleihen. Vielleicht wollte Lommel dadurch Authenzithät erzeugen; dieser Kunstgriff geht hier jedoch voll in die Hose und lässt den Film wie einen schlechten Witz aussehen.

Wie gesagt, die Handlung vollständig auseinanderzunehmen würde den Rahmen sprengen; lasst mich euch einfach sagen, dass die Plotlöcher und -fehler hier ähnliche Dimensionen erreichen wie Star Wars Episode 1 – und diesen teilweise noch übertrifft. Dann sind da noch die Schauspieler…äh ja…nun gut, dass Daniel Küblböck kein besonderes Talent für’s Spielen hat, war abzusehen. Sein Spiel ist auch entsprechend schlecht, aber wenigstens verleiht die Tatsache, dass er sich selbst spielt, dem Ganzen eine gewisse Authenzität. Bitte versteht mich nicht falsch – es ist nicht gut, überhaupt nicht, aber auch keine Vollkatastrophe. Für die sorgen schon die anderen Schauspieler. Ulli Lommel zeichnet sich durch absolute Ausdruckslosigkeit aus. Deutlich schmerzhafter sind da schon die Performances der Schauspieler von Tom und Rieke. So schlecht, dass es wirklich wehtut. Emotionen wie Unsicherheit, Hass oder Selbstzweifel, die ihre (sehr schlecht ausgearbeiteten) Charaktere erfordern, kommen überhaupt nicht rüber. Auch der Rest der Küblböck und der Lommel-Familie (die ebenfalls an dem Film beteiligt waren) wird wohl niemals einen Bambi für herausragende Schauspielleistungen in Empfang nehmen.

Tja, was bleibt zu sagen? Ich könnte jetzt noch seitenweise Fehler und Unzulänglichkeiten dieses Filmes aufzählen. Aber ich glaube, ihr habt einen guten Eindruck von diesem Film bekommen. Er ist schlecht. Grottig schlecht. Von der Machart und der Umsetzung her der vielleicht schlechteste Film aller Zeiten. Schuld daran ist nur teilweise Küblböck; es scheint eher, als sei fast ausschließlich Ulli Lommel für dieses Tonnenprodukt zur Verantwortung zu ziehen. Küblböck wird hier gnadenlos hochstilisiert, so weit, dass er einem Opa als Engel erschienen und ihn so vorm Ertrinken gerettet haben soll (was man schon wieder so weit interpretieren könnte, dass betreffender Opa solche Angst davor hatte, im Jenseits auf so etwas Furchtbares wie Kübi zu treffen, dass er seine letzten Kratreserven mobilisierte um sich vor dem Ertrinken zu retten).  Die eingeschobene Metaebene über einen Kampf zwischen Gut und Böse ist einfach nur lächerlich.

Also: Der schlechteste Film aller Zeiten? Bestimmt, aber genau das macht ihn so sehenswert. Er ist so unfassbar schlecht, so absolut grottig, dass man ihn wenigstens einmal gesehen haben muss. Quasi das deutsche Pendant zu dem Thommy Wiseau-Stinker „The Room“. Nur noch schlechter. Man muss diesen Film sehen, um zu glauben. Also, guckt ihn euch an. Aber zum Selbstschutz empfehle ich Alkohol. Sonst seid ihr am Ende einem überfahrenen Reh auf der Autobahn nicht unähnlich.

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