Attack the Block – Review

 

Was macht man mit zur Genüge abgefrühstückten Genres, die bereits Legionen von Regisseuren deutlich besser ungesetzt haben und in denen bereits jegliches erdenkliche Klischee aufgetreten und breitgewalzt wurde. In diesem Fall das Science Fiction/Horror-Genre, Unterkategorie Alien-Invasion. Ich zähle einfach mal bis drei und ihr geht im Kopf alle Filme durch, die euch dazu einfallen. Tja, das kann dauern. Von Krieg der Welten bis Independence Day kann man aus einer riesigen Palette an mehr oder weniger qualitativen Invasionsfilmen wählen. Was also tun, wenn man nicht gerade Asylum Productions heißt und Filme einfach billig mit No Budget kopiert und in dem außerirdischen Salat irgendwie auffallen will? Entweder man versuchts mit Geballer und failt (Battle: Los Angeles) oder man versucht etwas Innovation und frischen Wind in das Genre zu bringen (zuletzt demonstriert in Jon Favreaus „Cowboys and Aliens“). Wenn man nun hört, das die Briten nun auch noch einen neuen Alien-Invasion-Film drehen wollen, dann denkt man zuerst an eine zünftige Genre-Parodie à la Shaun of the Dead oder an schwarzen Humor à la Monty Python. Auf jeden Fall etwas mit Blut. Tja, die Antwort liegt in Attack the Block mal wieder irgendwo in der Mitte.

London, irgendwo in einem südlichen Ghetto. Während der Guy Fawkes-Nacht rauben Moses (John Boyega) und seine Gang die junge Krankenschwester Sam (Jodie Whittaker) aus. Plötzlich kracht ein Feuerball in ein Auto neben ihnen. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich dieser als fieses Alien, das Moses und Co auch direkt mal seine schön leuchtenden Beißerchen zeigt. Der Gang gelingt es, das Biest zu töten und die Leiche als Trophäe in das Apartment des Drogendealers Ron (Nick Frost) zu bringen. Doch schon bald zeigt sich, dass das Alien nicht alleine gekommen ist, sondern viele viele Freunde mit fluoreszierenden Zähnen mitgebracht hat. Moses Freund Pest (Alex Esmail) wird schwer verletzt, woraufhin sich die Gang an Sam wenden muss; die Krankenschwester, die sie zuvor noch heftig attackiert hatten. Gemeinsam müssen sie versuchen, sich gegen die Attacken der blutrünstigen Aliens zur Wehr zu setzen und ihren Block zu verteidigen. Doch dann machen sie eine Entdeckung, die alles verändert…

Vorweg: Das ist keine Parodie. Der Film ist ernst, düster und teilweise blutig. Trotzdem finden sich immer wieder Momente der Auflockerung, sei es durch Sprüche, sei es durch die Figuren oder durch Dialoge. Vor allem Nick Frost, der hier eine erstaunlich kleine, dafür sehr witzige Rolle hat, trägt dazu bei. Nicht umsonst ist hier Edgar Wright (Shaun of the Dead, Hot Fuzz) einer der ausführenden Produzenten. Das alles verhindert, dass sich der Film zu ernst nimmt und lockert die Atmosphäre auf, aber insgesamt ist Attack the Block doch ein düsterer Action-/Horror-Streifen. Und er macht Spaß. Langeweile tritt hier ebensowenig auf wie Action-Overkill, der Film findet genau die richtige Dosis zwischen Ruhe und Krawall, ist straff inszeniert und gut getimed. Die Aliens selbst sehen (wahrscheinlich budgetbedingt) etwas billig aus, aber dafür haben sich die Filmemacher eine coole Alternative einfallen lassen, um die Viecher trotzdem gruselig aussehen zu lassen: Fluoreszierende Zähne. Das klingt lächerlich, eröffnet dem Regisseur allerdings durch den hohen Wiedererkennungswert die Möglichkeit zu einigen coolen inszenatorischen Kniffen. Sobald man es im Hintergrund leuchten sieht, weiß der Zuschauer: It’s Alien-time,was für einige beeindruckende Spannungsmomente sorgt. Lediglich das Ende driftet (trotz cooler Zeitlupen) doch etwas zu sehr in heroische Klischees ab und verzichtet nicht einmal auf oberkitschige Massen-Sprechchöre. Das hatte der Film beim besten Willen nicht nötig. Trotzdem: Humor wie auch Action und Spannung stimmen (für besonders beeindruckende Atmosphäre sorgt eine Sequenz in einem nebligen Korridor – einfach, aber wirkungsvoll, da hier sehr geschickt mit Kamera und Licht gearbeitet wird).

Natürlich steht und fällt ein Film über Aliens mit seinen menschlichen Hauptcharakteren. Schließlich nützt das schönste Gemetzel und die heftigste Spannung nichts, wenn der Zuschauer emotional nicht involviert ist, im Klartext also wenn er nicht mit den Protagonisten mitfiebert. Insofern ist es von Regisseur Joe Cornish eine mutige Entscheidung, seine Invasion in ein Londoner Ghetto zu verlegen und eine kriminelle Jugendgang zu den Hauptprotagonisten zu machen. Dadurch dass die Krankenschwester Sam als Counter-Part eingebaut wird, gelingt es Cornish, dass der Zuschauer die Gang teilweise durch „ihre Augen“ sieht beziehungsweise kennenlernt und die Gang selbst (bzw. Moses als Hauptcharakter) so nach und nach zu charakterisieren und sympathischer zu machen. Ein Nachteil: Es sind recht viele Charaktere (fünf Gangmitglieder), dadurch kann von einer vielseitigen und aufwendigen Charakterisierung von jedem einzelnen natürlich keine Rede sein. Cornish übergeht das Problem, indem er Moses zur Zentralfigur erhebt. Dieser wird durchaus charismatisch dargestellt von John Boyega. Als Ghettokind und Kleinkrimineller wirkt er sehr überzeugend, auch wenn die Charakterwandlung gegen Ende doch etwas zu schnell vonstatten geht. Auch den anderen Kids, die der Einfachheit halber zu skurrilen Nebenfiguren und Stichwortgebern degradiert werden, kauft man ihre Herkunft ab, was keine Selbstverständlichkeit ist, da grade in Filmen die Realität auf den Straßen verklärt oder als pseudo-hip und -cool dargestellt wird. Mein persönliches Highlight bleibt allerdings Nick Frosts Figur Ron. Nur wenig Screen Time, keine Auswirkungen auf die Story oder die Charaktere, einfach nur da, um ein paar blöde Sprüche abzulassen – herrlich. Zuletzt gibt es da noch den Gangster-Boss Hi-Hatz (Jumayn Hunter), der als Subplot-Element eingesetzt wird. Und er macht seinen Job als Zweitbösewicht (neben unseren Elmex-Freunden vom anderen Stern) sehr gut und bedrohlich – verfällt allerdings beizeiten für meinen Geschmack etwas zu sehr in Schwarzer-Gangster-Klischees und wirkt dadurch unfreiwillig komisch (wer nicht weiß, was ich meine: Ziemlich Marlon Wayans-mäßig). Wenn Hi-Hatz dann allerdings mit abgründigem Blick blutverschmiert in einem Aufzug steht, dann relativiert sich diese Komik recht schnell wieder.

Also, Attack the Block. Ein durchaus spaßiger Film mit intelligentem Storytelling und originellem Schauplatz. Zwar nur an manchen Stellen witzig, dafür düster und spannend und mit der ordentlichen Dosis Selbstironie ausgestattet ist der Film ein mehr als beachtliches Regiedebüt und ein unterhaltsamer Streifen allemal.

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