Hangover 2 – Review

 

Okay. Das erste, was man bei einem so relativ kontrovers diskutierten Film wie Hangover 2 als Film-Reviewer machen muss, bevor man seinen eigenen Senf dazugibt, ist, zu erklären wie man zu dem Vorgänger steht. Hangover aus dem Jahr 2009 war eine der erfolgreichsten amerikanischen Komödien aller Zeiten, die seine Produktionskosten bereits am Eröffnungswochenende wieder eingespielt hatte. Auch international schlug der Film wie eine Bombe ein. Die Meinungen über der ersten Teil gingen auseinander, viele Kritiker warfen dem Streifen vor, eine pubertär-zotige Hollywood-Standard-Komödie ohne Ideen zu sein. Trotzdem ging Hangover durch die Decke und wurde von vielen Fans begeistert aufgenommen. Ich persönlich fand den Film klasse. Klar, viele Elemente waren sehr konventionell, natürlich gab es am Ende die großen Aussprachen, die emotionalen Momente und ein Happy End nach allen Regeln der Klischeekunst, aber davon abgesehen war Hangover ein sehr lustiger Film mit tollen Einfällen und genial-sympathischen Charakteren (die im übrigen den kompletten Film zu dem Stellenwert verholfen haben, den er heute hat, ohne den hohen Wieder erkennungswert und das Komikpotential der Figuren hätte der Streifen nicht funktioniert).

Und dann kam Teil 2. Dazu musste man kein Hellseher sein, alles was heutzutage einigermaßen erfolgreich ist, wird sofort mit mindestens drei Sequels zugeschissen. Und da Hangover mehr als nur erfolgreich, vielmehr ein absoluter Kassenschlager war, lag diese Fortsetzung auf der Hand. Erneut übernimmt Todd Phillips die Regie. Aber wie wiederholt man diesen unfassbaren Erfolg? Unser kleines Genie Phillips hat wohl kurz nachgedacht, sich in bester Wickie-Manier unter der Nase gerieben und PENG, „Ich habs!“ – machen wir den selben Film einfach nochmal. Wir ändern die Location und die Gags, Kassengarant.

Tja, hier also nochmal die selbe Storybeschreibung wie in Teil 1 für alle, die Teil 1 noch nie gesehen haben; Änderungen zu Teil 1 werde ich als solche kennzeichnen: Unsere altbekannten Spezies Phil (Bradley Cooper), Stu (Ed Helms) und Alan (Zach Galifianakis) machen sich gemeinsam mit Doug (Justin Bartha, wobei der dieses Mal wirklich nur Anhängsel ist und keine große Rolle spielt) mal wieder zu einer Hochzeit auf, denn Doug Stu will in Thailand den heiligen Bund der Ehe schließen . Man lernt ja aus den Fehlern der Vergangenheit, also beschränken sich die drei gemeinsam mit Teddy (Mason Lee), dem 16-jährigen Sohn von Stus zukünftigen Schwiegervater, zum Junggesellenabschied auf ein einziges Bierchen am Strand. Aber daraus scheint nichts zu werden, denn am nächsten Morgen erwachen Phil, Alan und Stu in einem schäbigen Hotelzimmer in Las Vegas Bangkok. Von Doug Teddy fehlt jede Spur, lediglich einer seiner Finger taucht auf. Stu fehlt ein Zahn hat ein großes Tattoo in seinem Gesicht, während Alan entdecken muss, dass er eine Glatze hat. Weiterhin überrascht ein Tiger Affe die drei Suffköppe. Auch Mr. Chow (Ken Jeong) aus Hangover 1 ist mit von der Partie, bevor er jedoch den Partyopfern erklären kann, was sie dieses Mal verbrochen haben, bricht er unter einer Überdosis Koks zusammen. Der Auftakt zu einer wilden Jagd durch Las Vegas Bangkok auf der Suche nach der Wahrheit.

Also, wie man bereits ahnt: Den goldenen Pflasterstein für Innovation gewinnt Hangover 2 schon mal nicht. Das würde aber grundsätzlich nichts machen, wenn das Endergebnis denn ähnlich lustig wäre wie sein Vorgänger. Zunächst das Positive: Bangkok als neuen Schauplatz zu wählen, ist grundsätzlich ein  intelligenter Zug, verleiht er dem Film immerhin eine komplett andere Atmosphäre als Teil 1 in Vegas: Das Setting ist düsterer, dreckiger und verschlagener, was zumindest Teile der Plotkopie wieder wettmacht. Potential hat der Schauplatz jedenfalls und der Katerplot sorgt ja trotz allem immer noch für Überraschungsmomente – nur lustig sind sie nicht.

Tatsächlich mutet Hangover 2 immer wieder wie ein düsterer Thriller an und nimmt sich selbst überraschend ernst. Getreu dem Motto: Alles lauter, schneller, krasser erwarten den Zuschauer derbe Thrill-Momente und düstere Aufklärungen, die vielleicht krass, aber nicht unbedingt lustig sind. Beispiel? (Achtung SPOILER!) Stu schläft mit einer transsexuellen Prostituierten (den passiven Part, wenn ihr versteht). Witzig, wa? Brüller. Das ist dann auch schon alles, was aus diesem Handlungsstrang gemacht wird, die Schreiber vertrauen darauf, dass Anal-Sex mit einer Transe der eigentliche Witz ist, jucheeh! (SPOILER Ende).
Und genauso geht es dann halt weiter, eine Aufklärung jagt die nächste, keine ist wirklich witzig (erinnert ihr euch noch an Teil 1, wo plötzlich ein nackter Chinese aus dem Kofferraum sprang oder die Sequenz auf der Polizeistation – DAS war witzig!). Natürlich, ein paar müde Gags sind immer drin und ein zwei Lacher sind nach wie vor dabei. Das heißt nicht, dass der Film nur ein zwei Witze einbringt, nein, er bemüht sich viele Lacher zu produzieren und Gags wie auch Situationskomik aneinanderzureihen. Aber dieses Mal fehlen die Überraschungen, nicht nur im Plot, sondern sogar in den Gags. Es wird teilweise richtig vorhersehbar (Phil sagt zu Alan: „Deine Haare sind weg“, Alan greift sich entsetzt an den Bart, Phil: „Nein, oben“…Get it??? Das ist witzig, weil Alan total um seinen Bart besorgt ist, obwohl …lacht endlich, LACHT!!!) und faul. Ich kann trotz allem nicht sagen, dass der Film langweilig ist, da man ja irgendwie trotzdem wissen will, was in dieser Nacht geschehen ist – und wenn man noch so oft enttäuscht wird, man bleibt in der „Story“ drin, weil man alles wissen will. Das war eine große Stärke von Teil 1 und dadurch dass der Plot hier identisch ist, zwangsläufig auch von Numero Dos, auch wenn das daraus entstehende Potential hier nur selten genutzt wird.

Zwischendurch scheint Todd Phillips selbst etwas verzweifelt ob der drohenden Belanglosigkeit seines Films. Deshalb beginnt er zu experimentieren – was in eine der sinnlosesten Filmideen des Jahres gipfelt: Alan hat während seiner Meditation ein Flashback zu Teilen des Geschehens der letzten Nacht. Anstatt diesen Flashback jedoch normal zu zeigen, sind die drei Protagonisten in der Sequenz plötzlich als Kinder zu sehen – saufend und pöbelnd. Whaaaaat??? Soll das irgendwie witzig oder kunstvoll sein? Kommt mir jetzt nicht damit, dass ich die Szene nicht verstehe, ich verstehe sehr wohl: Alan ist wie ein kleines Kind (ein in diesem Film viel zu oberflächlich und lustlos behandelter Charakterzug) und sieht seine Freunde als allerbeste Freunde, die immer zusammenhalten, deshalb sieht er sie in seinem Kopf genau so. Macht nicht viel Sinn (warum zum Geier sollte ein erwachsener Mann, egal wie kindisch oder dämlich er ist, sowas denken), erhält auch im Film keine weitere Funktion und witzig? Nope, sorry. Bleibt die Auflösung: Ich werde sie nicht spoilern, aber solch eine geballte Ideenlosigkeit, die dann auch noch mehr als penetrant als absolut cleverer Twist verkauft wird, sieht man selten.

Bei so einem Shitfest an Enttäuschungen, beizeiten mal durchbrochen von einzelnen tatsächlichen Lachern, können auch die Darsteller nicht mehr viel retten. Im Gegenteil sorgen sie sogar selbst für eine weitere Enttäuschung: Fast alle von ihnen wirken immer wieder etwas lustlos, als würden sie ihr „übliches Programm“ abspulen. Kann auch sein, dass es nur mir so geht, aber die unfassbare Spielfreude aus Teil 1 kommt einfach nicht mehr herüber. Die Luft ist raus. Bradley Cooper zieht sein Playboy-„Einen draufmachen“-Ding durch, ist auf der Katersuche wieder der ruhige, rationale Pol der Gruppe, so wie immer. Recht souverän, aber immer wieder schimmert eine gewisse Langeweile durch. Ed Helms Charakter wurde dieses Mal sämtliche sympathischen Charakterzüge genommen und stattdessen duch hysterisches Kreischen ersetzt. Sehr sympathisch, nicht wahr, so macht man das mit Ausnahmetalenten aus der Daily Show, stimmts? Und selbst Zach Galifianakis, das Herzstück des letzten Films, der begnadete Komiker mit seiner göttlichen Web-Serie Between Two Ferns, der größte Lachgarant des letzten Films, wirkt hier gelangweilt und müde, an manchen Stellen wirkte es auf mich sogar, als würde Zach nur das Skript rezitieren und sich nach Hause wünschen. Wie gesagt, vielleicht überinterpretiere ich das auch – aber auf mich wirkt das so, als hätten die Darsteller selbst keine große Lust auf Hangover 2. Vertragliche Verpflichtungen halt…Die einzige Person, der man einen gewissen Spaß an der Sache ansieht, ist Paul Giamatti, der in einem kleinen Cameo als Gangsterboss seine fiese Seite (die wir in Shoot them Up natürlich auch schon besser gesehen haben, aber wir wollen ja jetzt nicht drauflosbashen) herauskehren lässt. Und ganz ehrlich: Ich liebe seine Lache; ihr wisst schon, dieses hämische „Hähähä“ inklusive dazugehörigem Gesichtsausdruck.

Nun gut, das Review klingt, als wäre der Film eine einzige Katastrophe. Das ist er nicht, handwerklich und spannungstechnisch ist das Ding grundsolide und ordentlich – nur so eine verdammt gewaltige Enttäuschung. Man merkt Hangover 2 zu jedem Zeitpunkt an, dass er nur für’s große Geld gedreht wurde. Der Spaß und alles, was Teil 1 so witzig gemacht hatte, wurde durch einen lieblosen Abklatsch ersetzt. Das neue Setting ist erfrischend, weil es eine neue Atmosphäre hineinbringt, doch lustig ist er nur minimal, wenn Mr. Chow auftaucht, wird er sogar nervig und penetrant. Die Berechenbarkeit von Hangover 2 stinkt echt zum Himmel. Ich will durchaus einräumen, dass das an meinem Humorverständnis liegt – immerhin gibt es zu diesem Film gespaltene Meinungen: Neben Verrissen gibt es auch mindesten genauso viele Menschen, die Hangover 2 so gut wie 1 und teilweise sogar deutlich besser. Welcher Meinung ihr seid, müsst ihr im Endeffekt selbst entscheiden, hier würde es mich aber mal echt interessieren, was ihr davon haltet.

Hangover 2 war sogar noch erfolgreicher als Teil 1. In Hollywood-Sprache heißt das: Teil 3 ist schon in der Mache. Und in fünf Jahren haben wir dann ein Remake oder Reboot. Sind das nicht tolle Aussichten auf die Zukunft der Filmindustrie?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s