Teaser-Trailer oder: Die Appetithäppchen des Kinofilms

Generell geht man nur recht selten blind ins Kino, ohne zu wissen, mit was für einem Film man es zu tun hat. Klar, man kann auf gut Glück einfach ins Kino gehen und zur Kassiererin sagen: „Holde Maid, gebt mir ein Billet zu einem beliebigen Film, völlig egal welchen!!!“, in vergangenen Jahrzehnten war das sicherlich auch noch öfters der Fall; aber heute ist es eben nicht, wie in den guten alten Zeiten, wo ein Kinoticket mal eben „ein, zwei Pfennich, und dafür krichste noch Eiscreme und nen Lutscher“ kostete; heute latzt man in der Regel 6 bis 7 Ocken für einen Film und wenn das Kleinod in 3D gezeigt wird, landet man sogar bei knapp 13 Euro.  Da kann das „auf gut Glück“-Prinzip schnell teuer und frustrierend werden. Nein, wenn man sich schon mal ins Kino bewegt, dann muss der Film stimmen und interessant sein.

Aber wie soll es ein Filmemacher schaffen, mich ollen Stubenhocker von den Floßen zu heben und für seinen jeweiligen Film zu begeistern? Tja, ganz einfach: Bei mir reicht ein genial konzipierter Teaser-Trailer:

Dieser einminütige Clip reichte völlig aus, um mich für einen Film, von dem ich bis dato noch überhaupt nichts gehört hatte (ich kannte Dark Knight noch nicht), nicht nur zu begeistern, sondern regelrecht zu hypen. Der Aufbau, das geschickte Zeigen von einzelnen Bildern, ohne dass klar wird, worum es wirklich geht, die dazugehörige Musik…Epik durch minimale Mittel, ein absolut geschicktes Anheizen durch das Spiel mit der Fantasie (man überlegt sich anhand der wenigen Bilder sofort, worum es geht)…

Gut, bevor ich mich hier endlos in der Genialität von einzelnen Clips ergehe, sollte ich vielleicht erstmal erklären, was ein Teaser überhaupt ist. Der Begriff „Teaser“ stammt ursprünglich  aus der Werbebranche und bezeichnet einen „Anreißer“, der die Neugier des Kunden auf ein bestimmtes Produkt wecken soll. Im Falle des Films ist das nicht anders – ein kurzer Clip, der im Gegensatz zu dem regulären zweiminütigen Trailer nicht die Standard-Plotpoints zeigt, sondern nur einen kurzen Einblick gewährt – meist sogar ohne die Story auszuführen. Eines der frühesten Beispiele (und bis heute eines der besten) ist der Clip zu dem kongenialen Original-Alien-Film von Ridley Scott (1979). Auch wenn ihr den Film schon kennt, versucht den Teaser mal so zu sehen, als hättet ihr noch nie von dem Film gehört und wüsstet nicht worum es geht.

Seht ihr? Man bekommt nur ein paar Schnipsel verbunden mit zur Atmosphäre passender Musik. Nichts wird über die Story verraten, auch das eigentliche Alien bekommt man nicht einmal zu sehen. Trotzdem stellt sich direkt die Beklemmung und chaotische Panik ein, die auch der Film selbst transportiert. Oder nehmen wir ein anderes Genre: Der erste Teaser-Trailer zu Stanley Kubricks Klassiker Dr. Seltsam oder Wie ich lernte die Bombe zu lieben. Hier wäre eine klausthrophobische Atmosphäre natürlich absolut fehl am Platze, immerhin ist es eine schwarze Komödie und Kriegssatire. Deshalb wurde hierfür ein kurzer, höchst experimenteller Clip zusammengeschnitten, der exakt den Ton des eigentlichen Films vorwegnimmt, ohne irgendwelche Handlungselemente vorwegzunehmen:

Mit der Zeit wurden die Teaser-Trailer immer aufwendiger und geheimnisvoller. Die Schnitte wurden immer schneller, oftmals wurden die Clips mit geheimnisvollen Web-Kampagnen auf vieldeutigen Websites verknüpft, um die Spannung weiter anzuheizen. Wie das funktionieren kann, zeigt das Beispiel des Sci-Fi-Hits Matrix.

Natürlich kann man argumentieren, dass diese kurzen Teaser-Trailer nichts anderes sind als kleine Werbehäppchen, die einen Film besonders geschickt und wohl kalkuliert vermarkten sollen. Na sicher. Und das funktioniert sehr gut. Nicht selten gibt es Fälle, wo der erste Teaser eines Films besser ist, als der gesamte Film. Der allenfalls mittelmäßige vierte Teil der Reihe Terminator: Die Erlösung erhielt einen sehr geschickt aufgebauten, verzerrten Teaser inklusive Störfrequenzen, die nicht zufällig in dem exakten Stakkato-Rhythmus des Terminator-Scores gipfeln:

Gegen den Film lässt sich vieles sagen, aber der Teaser ist EPIC!!!

Und natürlich kann ich nicht von Teaser-Trailern oder Film-Marketing-Kampagnen reden, ohne eines der absoluten Meisterstücken des viralen Werbens für einen Film zu erwähnen. 2008 realisierte die Produktionsfirma um Lost-Schöpfer J.J. Abrams einen ersten Teaser zu einem Film, der zu diesem Zeitpunkt noch keinen Titel erhalten hatte, sondern nur mit dem Erscheinungsdatum „1-18-08“ betitelt war. Ein kurzer, realistisch anmutender Handkamera-Clip gefolgt von einem der ikonischsten Bilder des späteren Filmes:

Die Rede ist von Cloverfield, dem sehr erfolgreichen POV-Blockbuster im „Blair Witch Project“-Style. Kein besonders guter Film, fand ich (eher unfreiwillig komisch und ein schwacher Abklatsch von Blair Witch und REC, aber das ist eine Einzelmeinung, der Film erhielt sehr gute Kritiken), aber die virale Kampagne (verbunden mit geheimnisvollen Websites und gestreuten Gerüchten) war ein Meisterstück. Was zeigt, welchen Einfluss geschickt aufgebaute Teaser-Trailer auf den Erfolg eines Films haben kann. Binnen einer Minute kann ein Film mehr gehyped werden als der krachendste und eindeutigste 2-Minuten-Trailer. Denn es ist das was wir nicht sehen und nicht wissen, was unsere Fantasie beflügelt, was unsere Neugier an einem Film weckt. Ein geschickter Aufbau, wenige Bilder und eventuell Musik – mehr braucht es nicht, um einen Film zu vermarkten.

Und welcher aktueller Teaser-Trailer schafft es mich absolut zu hypen. Nun, da gibt es derzeit nur einen:

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