The Expendables – Review

 

Ich gestehe frei heraus, dass ich nicht der angenehmste Mensch auf Filmabenden bin. Gute Filme sehe ich mir konzentriert und ernsthaft an, während es bei Filmen, die mir nicht gefallen durchaus schwer werden kann, meine Klappe zu halten.  Doch bei bestimmten Schauspielern schaffe ich es einfach nicht ernst zu bleiben: Sylvester Stallone ist einer davon. Für mich der Archetyp der übertriebenen Action-Streifen der 80er-Jahre. Seine Figuren des John Rambo oder Rocky Balboa erlangten schnell Kultstatus, ebenso wie seine Rollen, in denen er sich  zum unfreiwillig komischen Klischee der tumben Ein-Mann-Armee mit nahezu unverständlichen wie ikonischen One-Linern (erinnern wir uns nur an das unvergessliche „I AM THE LAAAAW!“ aus Jugde Dredd) machte.  Doch das ist fast 30 Jahre her. Was damals im Action-Genre gefeiert und bis zum Erbrechen von Ikonen wie Dolph Lundgren, Van Damme oder Chuck Norris durchexerziert wurde, ist heute maximal Kult auf DVD-Thrash-Abenden, wo sich gestörte Persönlichkeiten wie meine Wenigkeit über die Over-the-Top-Attitüde eines „Rambo 2“ totlachen können.  Aber was machen all diese abgehalfterten Action-Stars einer vergangenen Ära in einer Zeit von intelligenten Actionfilmen à la Bourne und Co? Nun, Stallone und seine Spießgesellen haben den Vorteil, dass sie nach wie vor den angesprochenen Kultstatus besitzen. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis Rambo Balboa auf die geniale Idee kam, all die alten Action-Pferde um sich herum zu versammeln und in einem Gipfeltreffen der Gigantomanen gemeinsam mitspielen zu lassen. Aber kann ein 80er-Revival auch heute noch funktionieren?

Wie es sich für einen typischen kompromisslosen Actioner gehört, ist die Story absolut nebensächlich, nichtsdestotrotz gibt es tatsächlich eine Rahmenhandlung: Nach einem erfolgreichen Geiselnahme-Einsatz im Golf von Aden erhält die Söldnertruppe um Barney „The Schizo“ Ross (Sylvester Stallone) vom undurchsichtigen Mr. Church (Bruce Willis) den Auftrag, dem südamerikanischen Dikator Garza das Handwerk zu legen. Dazu versammelt Ross seine Haudrauf-Spezialisten, genannt „The Expendables“, bestehend unter anderem aus dem Messerexperten Lee (Jason Statham), dem Kampfkünstler Yin Yang (Jet Li) sowie dem instabilen Psychopathen Gunnar Jensen (Dolph Lundgren). Im Verlauf ihrer Mission verliebt sich Ross in die Tochter des Diktators, der sich jedoch als Marionette für einen weitaus gefährlicheren Drahtzieher herausstellt.

Ich habe ein ganz grundlegendes Problem mit diesem Film und das ist nicht die Tatsache, dass ich zuviel nachdenke, um ihn zu genießen. Ich mag dumme, hirnlose Actionfilme, ebenso wie ich diese herrlich übertriebenen 80er und 90er-Filme liebe und immer wieder gerne gucke. Das Problem ist, dass ich nicht weiß, was „The Expendables“ sein will. Er scheitert nämlich dummerweise auf allen Ebenen: Wollte Stallone eine Hommage an die alten Filme aus einer Ära schaffen (was ja nahe liegt, immerhin hat er ja einige seiner Mit-Opas mit in den Streifen gestopft)? Dem steht die Inszenierung der Action völlig im Weg: Statt altmodischer Haudrauf-Action, für die ich immer etwas übrig war, packt Stallone tatsächlich die Paul-Greengrass-Gedächtnis-Wackelkamera aus. Ein Problem, das viele heutige Filme teilen und mittlerweile fast schon selbst zum Klischee geworden ist. Wo bei den Bourne-Filmen noch die Dynamik und Hektik der Handlungen des Protagonisten durch dieses Stilmittel transportiert werden konnten, ist hier nahezu gar nichts mehr von der brachialen Action zu erkennen. Dazu sind die Schnitte viel zu schnell, wird die Shaky-Cam viel zu wild hin- und hergerissen, sodass von dem eigentlichen Finalkampf zwischen Stallone und Wrestler Steve Austin nicht mehr viel übrig bleibt. Dazu das offensichtlich CGI-generierte Blut, das jedem Shootout jegliches Anthentizitäts-Feeling nimmt – Da bleibt vom nostalgischen 80er-Feeling nicht mehr viel übrig.

Zudem ist das Aufeinandertreffen der alten Actionhelden bei näherer Betrachtung nicht besonders spektakulär: Wir haben Stallone und Lundgren, ja, aber davon abgesehen? Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger tauchen lediglich in einem bemüht wirkenden saukurzen Cameo-Auftritt auf und Mickey Rourke ist zwar alt und hässlich, aber nicht wirklich eine Action-Ikone. Von Steven Seagal, Michael Dudikoff oder Chuck Norris (immerhin für ein Sequel bereits bestätigt) keine Spur. Ein bisschen Trivia hier: Stallone hatte ursprünglich auch alte Helden wie Steven Seagal, Jean-Claude Van Damme und Wesley Snipes gefragt, diese hatten jedoch allesamt aus unterschiedlichen Gründen abgesagt. Dass das Gipfeltreffen hier scheitert, ist also nur bedingt Stallones Schuld, trägt allerdings ebenfalls nicht zu dem Nostalgie-Gefühl einer Hommage an die alten 80er-Actioner bei.

Vielleicht wollte Stallone jedoch einfach einen modernen Actionfilm drehen, in dem er alte wie auch neue Actionhelden (Statham, Li, Austin…) aufeinandertreffen lässt (frei nach dem Motto: „Wir zeigen, was wir noch draufhaben!“). Nun ja, in diesem Fall kann man nur von maßloser Selbstüberschätzung reden. Stallone ist nunmal keine 20 oder 30 Jahre mehr alt und das Botox quillt ihm an manchen Stellen literweise aus den Poren. Fast schon mitleidserregend sind da seine reißerisch in Szene gesetzten Bizeps, die ihn als hartes Muskelpaket darstellen sollen, die aber alles andere als anatomisch korrekt, geschweige denn eindrucksvoll wirken lassen. Auch Dolph Lundgren, Steve Austin und Randy Couture sind alt geworden. Gut, dafür sind Jason Statham und Jet Li am Start, die dem ganzen Spektakel frisches Blut verleihen sollen, doch besonders letzterer wird (von den übrigen Expendables-Mitgliedern Terry Crews und Randy Couture ganz zu schweigen) in Sachen Screentime sträflich vernachlässigt. Sicher, vor dem Alter sind wir alle nicht geschützt und schließlich heißt das noch lange nicht, dass Sylvester Stallone keine Action-Filme mehr drehen darf. Das Problem ist, dass dieser sich ebenso wie seine Kollegen mit absolutem Bierernst durch den Film ballert und prügelt. Ich verstehe bis heute nicht, wie Kritiker diesen Film einen „selbstironischen Action-Film“ nennen können. Bloß weil Protagonist Barney Ross im finalen Fight gegen Steve Austin einmal stöhnt „I got my ass kicked“? Kurz darauf ist er ohnehin wieder auf den Beinen und rettet im Alleingang die Welt und killt alles, was nicht bei drei auf den Palmen sitzt. Und das Aufeinandertreffen mit Schwarzenegger? Reicht gerade mal für ein müdes Witzchen „He wants to be President“ Wenn das Selbstironie sein soll, dann ist „Alien“ hiermit offiziell eine verdammte Liebeskomödie!

Auch viele kleinere Mängel verhindern, dass „The Expendables“ auf irgendeinem Level funktioniert. Dass die Story nicht der Überhammer ist – nu gloar, geschenkt, eine vielschichtige Arthouse-Geschichte hat wohl kaum jemand erwartet, der diesen Film sieht. Eine stereotype Liebesgeschichte (auch wenn es überraschenderweise niemals zum Kuss zwischen Barney Ross und der Diktatoren-Tochter, mir doch egal wie sie heißt, kommt) –  die „Damsel in Distress“, also das arme Mädchen, das vor dem Bösewicht gerettet werden muss, hat beinahe jeder Actionstreifen aus den 80ern gehabt. Der fiese Bösewicht ohne Charakterentwicklung oder Grundmotivation – immer her damit, wir sind hier nicht bei „The Dark Knight“ oder „The Wire“. All das sind Zutaten eines tumben, unterhaltsamen Action-Films, die wir kennen und lieben. Allerdings scheint Stallone (der als Regisseur ja schon Rocky 2-4 verbrochen hat) mal wieder mehr zu wollen und baut völlig überflüssige Charakter-Gimmicks ein, wie die Trennung Lees (Statham) von seiner Freundin, ein einfallslos dahingerotztes Vater-Tochter-Drama bei General Garza und ein zum Kotzen rührseeliges gespräch von Barney Ross mit dem „gebrochenen“ Charakter des von Mickey Rourke gespielten Tool. Diese Momente erweisen sich als absolute Füller, die leider weder mitreißend oder berührend, noch unfreiwillig komisch sind (wie beispielsweise gewisse Pausen-Dialoge in Rambo 2). Man kann eindimensional angelegten und stereotypen  Charakteren nun mal keine Tiefe verleihen, besonders nicht auf so halbgare Art und Weise. Dadurch pendelt „The Expendables“ immer wieder zwischen bewusst  hirnlos und pseudo-tiefgängig. Eine Mischung, die schlicht nicht funktioniert, tut mir leid.

Über die schauspielerischen Fähigkeiten zu reden, ist bei dieser Art Film recht müßig, trotzdem verliere ich mal ein paar Worte darüber: Stallone inszeniert sich ganz klar und wenig überraschend als ungeschlagenes Zentrum des Spektakels. Er verzichtet auf lächerliche Over-the-Top-Gimmicks (leider) und setzt stattdessen auf die bewährte Ausdruckslosigkeit, die nicht nur aber auch seinem massiven Botox-Einsatz geschuldet sind. Jason Statham schlägt sich als Vertreter der neuen Generation der Action-Ikonen recht tapfer, bietet zwar keine Glanzleistungen, schafft es jedoch, in dem Testosteron-Spektakel sehr sympathisch und glaubwürdig zu bleiben. Dolph Lundgren schafft es noch am ehesten, mich in „The Expendables“  zum Lachen zu bringen. Das wortkarge Schwedenpaket darf hier sogar einen psychopatisch angehauchten Charakter mimen – ein Fest für jeden Lundgren-Fan und das klare Highlight des Films für mich, auch wenn auch er unter deutlich zu wenig Screentime leidet. Eine absolute Verschwendung ist dagegen Jet Li, wofür dieser selbst jedoch am wenigsten kann. Da haben die Filmmacher einen absoluten Meister der Martial Arts im Gepäck – und dann kommt er kaum zum Einsatz? Ein, zwei Salti, ein paar Kicksprünge (die durch die Wackelkamera ohnehin kaum zu sehen sind) und ein megaenttäuschender Kampf gegen Lundgren, bei dem der Schweden-Opa sogar noch ÜBERLEGEN IST??? Wollt ihr mich verarschen? Lundgren schneller als Li, JET FUCKING LI? Wer hier auf beeindruckende Kampfmanöver gehofft hat, wird hier herbe enttäuscht.

Der Rest der Mannschaft (Randy Couture, Terry Crews, Steve Austin und all die anderen Nebendarsteller) sind kaum der weiteren Erwähnung wert, da sie lediglich ein bis zwei Szenen Spielzeit zugestanden bekommen und auch in diesen nicht besonders hervorstechen. Insgesamt bleibt „The Expendables“ eine nahezu lupenreine One-Man-Show eines stark gealterten Stallones, der nicht erkennen kann oder will, dass er nicht mehr der Haudrauf von 1980 ist. So wird aus dem hochgehypeten Gipfeltreffen hier leider nur ein mickriges miserabel inszeniertes Hügelgrüßen, das als 80er-Hommage weder von Nostalgie noch von Selbstironie lebt und als moderner Action-Film nicht mehr mit heutigen Action-Standards mithalten kann.

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