Surrogates – Review

 

Ginge es nach Hollywood, dann sähe unsere Zukunft verdammt düster aus: Sei es Matrix, I Robot, Gattaca oder die Terminator-Saga – beinahe immer läuft unser Schicksal auf Vernichtung, Katastrophe oder Herrschaft der Maschinen hinaus. Locker-flockige Utopien, in denen Mensch und Cyborg ein buntes Trallala-Leben in inniger rosafarbener Harmonie führen, scheinen kein großer Publikumsmagnet zu sein. Düstere Distopien sind nicht erst seit „Der Omega-Mann“ angesagt, der Charme des Überlebenskampfes in einer „schönen neuen Welt“  wurde schon in Büchern von Philipp K. Dick, Ray Bradbury oder George Orwell erkannt und ausgereizt. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die Action-Raiffeisenbank Bruce Willis in die Zukunft zum Aufräumen geschickt wird.

Wir schreiben das Jahr 2045.  Surrogates, ferngesteuerte Roboter, die wie ein idealisiertes Abbild der Menschen aussehen, sind der letzte Schrei. Durch sie  bleibt jeder im eigenen Zuhause mit ihnen vernetzt und kann so gefahrlos aus dem Haus gehen. Jedenfalls so lange, bis ein College-Student zusammen mit seinem Surrogate auf offener Straße ermordet wird, was technisch eigentlich unmöglich sein sollte.  Besonders heikel: Das Opfer war der Sohn des Erfinders der Surrogate-Technik, Dr. Lionel Canter (James Cromwell). Die FBI-Agenten Tom Green (Bruce Willis) und Jennifer Peters (Radha Mitchell) werden auf den Fall angesetzt. Bei ihren Ermittlungen stoßen die beiden schnell auf eine Sekte unter der Führung des Gurus Prophet (Vingh Rhames), die sich einem Leben ohne Surrogates verschrieben haben und die Roboter-Kopien aus tiefsten Herzen verabscheuen. Green und Peters werden immer weiter in eine gewaltige Verschwörung verwickelt, in der immer die Frage besteht, wer echt ist und wer nur Kopie.

Das Plakat von „Surrogates“, das einen gewohnt raubeinigen Bruce Willis mit Lederjacke und Action-Glatze zeigt, liefert schnell eine falsche Vorstellung von dem Film; das hier ist kein Stirb langsam in der Zukunft. Vielmehr weist Jonathan Mostows Werk deutliche Parallelen zu Sci Fi-Klassikern wie Minority Report oder I, Robot auf, ohne dass die Graphic Novel-Verfilmung an die Intensität oder das Tempo dieser Klassiker heranreicht. Dabei scheinen die Voraussetzungen zu stimmen: Die Story um menschliche Ersatzkörper ist vielleicht nicht neu, aber der Ansatz hier ist durchaus interessant und bietet Raum für mitreißende philosophische Ansatzpunkte. Als Rahmen wird dabei die klassische Form des Krimis gewählt – auch das geht klar. Nur leider weiß „Surrogates“ keines der guten Ansätze wirklich auszuspielen. Stattdessen erhalten wir einen unausgegorenen Misch-Masch, der für 90 Minuten unterhält und danach direkt wieder aus dem Gedächtnis verschwindet.

Handeln wir also Schritt für Schritt ab, wo Surrogates enttäuscht, obwohl er so viel besser hätte sein können. Zunächst ist da das Gesellschaftsmodell: Durch Surrogates wurde jede Form von Angst vor körperlichen Gefahren ausgeschaltet, die Menschen sind sicher auf den Straßen und können mit ihren Surrogates bequem von zuhause aus an verschiedene Orte reisen. Was aber geschieht mit menschlichen Empfindungen, dem Lebensgefühl, der Interaktion mit anderen Menschen? All das hätte Stoff für eine packende und beklemmende Sozialstudie sein können, doch werden all diese Punkte maximal oberflächlich angeschnitten und nie vertieft. Zwar sieht man, wie sehr die Menschen, die ihre Surrogates regelmäßig benutzen, ihr Äußeres vernachlässigen und träge werden, aber es lässt den Zuschauer völlig kalt, weil man nicht tiefer in diese soziale Struktur eintaucht, sondern diese Einblicke einem Standard-Krimi-Plot geopfert werden. So kann man als Zuschauer niemals wirklich nachvollziehen, welche Auswirkungen der Gebrauch von Surrogates tatsächlich auf die Gesellschaft hat; trotzdem zielt Jonathan Mostow in den Dialogen und (höchst vorhersehbaren) Wendungen auf genau diese Absicht ab. Was wir also erhalten, sind Standard-Phrasen à la „Wir sind nicht dafür gemacht, die Welt durch eine Maschine zu erleben.“ Auch die Idee einer Sekte, die das Konzept der Surrogates verdammen und sich von der Gesellschaft abkapseln, bietet so viel Potential – und was erhalten wir? Ein paar Glückskeksparolen, eine Hippie-Version von Vingh Rhames (…oh ja!), ein paar gewaltbereite Primitivlinge, die Bruce Willis angreifen und einen lahmarschigen Twist, der kaum Auswirkungen auf die Story hat.

Ein Problem, das sich durch den gesamten Film zieht: Permanent werden uns Zustände oder Zusammenhänge gesagt aber nie gezeigt. Genau das macht den Film jedoch so belanglos und oberflächlich. Stattdessen wird formelhafte Action eingestreut, die jedoch überraschenderweise nicht dominiert, sondern nur an ein, zwei Stellen sporadisch auftaucht. Besonders beeindruckend oder mitreißend ist sie leider auch nicht geraten, da kann nicht mal John McClane höchstdarselbst was reißen. Es ist nicht grottig (oder Michael Bay, was die Marke weit unter grottig wäre), aber generisch, austauschbar und unspannend, mal ganz davon abgesehen, dass die Effekte selbst für 2009 ganz schön antiquiert wirken. Dafür muss ich Mostow zugestehen, dass die Endsequenz meisterhaft inszeniert wurde. Ohne zuviel vorwegzunehmen: Die Schlussbilder sind Hammer – und werden im Trailer direkt gespoilert, also Finger weg davon, wenn ihr den Film noch sehen wollt.

Bruce Willis spielt in „Surrogates“ mal wieder Bruce Willis – hier die „abgehalfterter Cop“-Version. Naja, um ehrlich zu sein hat er durchaus noch ein Surrogätchen mitzureden, denn wir haben ja noch Willis den Roboter. Der ist, mal ehrlich, lächerlich. Nicht wegen Willis Performance, sondern wegen dieser bescheuerten blonden Perücke, die aussieht, als hätte man ihm einen gelben Fußabtreter auf den Kopf gepflanzt. Ansonsten macht Willis das beste aus seinem dürftigen Material und spielt solide. Radha Mitchell ist hier absolut verschwendet, denn sie bekommt hier als ausdrucksloser Surrogate kaum etwas zu tun, wenn man mal von ihrem Kurzauftritt in der Realität absieht, wo sie unter einer sehr gut gestalteten Maske immerhin Ansätze ihrer schauspielerischen Fähigkeiten zeigen darf. Der Rest der Garde – u.a. Vingh Rhames, James Cromwell, Rosamund Pike… – spielt so, wie es der jeweilige Charakter verlangt und liefert solide Performances ab, denen man keinen Vorwurf machen kann.

Ich weiß, das Review macht den Eindruck, dass „Surrogates“ (oder auch „Surrogates – Mein zweites Ich“ – ach, scheiß doch auf deutsche Titelergänzungen!) ein sauschlechter Film wäre. Das ist er nicht, die knapp 90 Minuten sind zumindest nicht langweilig und der Krimi-Plot geht auch klar – es ist nur so ärgerlich, dass der Film so austauschbar, generisch und unter seinen Möglichkeiten bleibt. Potential für eine geile Story war da, aber Mostow kratzt nur kurz an der Oberfläche und schafft es nicht einmal, das durch spektakulär inszenierte Action zu überspielen. Ich habe das Graphic Novel leider nicht gelesen, kann sein, dass es besser ist. Man kann sich „Surrogates“ angucken und sich sogar leicht unterhalten fühlen – spätestens nach einer Viertelstunde hat man ihn längst wieder aus seinem Gedächtnis gestrichen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s