The Village – Review

 

Wisst ihr, Regisseure, die zu Wunderkindern hochgehypet werden – teilweise bereits nach ihrem Debüt-Film – gibt es oft. Dass einige diese Wunderkinder sich als One-Hit-Wonder herausstellen, ihrem Hype danach nicht gerecht werden und nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen können, ist auch nix neues im Staate Hollywood. Aber M. Night Shyamalan ist ein Kapitel für sich. Und ja, dieses Kapitel wurde bereits gut drölfzigfach besprochen, analysiert und untersucht. Aber wenn man sich einmal entschließt, einen Film von Shyamalan NACH The Sixth Sense zu rezensieren, dann bleibt diesem unglücklichen Otto-Normal-Reviewer von Nebenan gar nichts anderes übrig, als auf seine Karriere und seine anderen Filme einzugehen. Deshalb werde ich nun eine kleine Geschichtsstunde einbinden, bevor ich „The Village“ reviewe, denn für den Film braucht man Kontext-Wissen, jahaha, Kontextwissen. Naja, vielleicht braucht man es auch nicht, aber da müsst ihr jetzt durch, Freunde. Keine Sorge, ich halte es so kurz wie möglich.

Es war einmal ein junger Regisseur mit Namen Manoj Nelliyattu Shyamalan, der schon als Kind begeistert war vom Medium Film und mit zarten 22 Jahren seinen ersten selbigen drehte. Nach mäßigen Erfolgen seiner ersten Independent-Filme und diversen Engagements als Drehbuchautor folgte schließlich das Magnus Opus, das den kleinen Manoj unsterblich machen sollte: The Sixth Sense. Ein großartiger, spannender Gruselfilm mit brillanten Schauspielleistungen und einer cleveren und emotionalen Story inklusive einem mittlerweile zum Klassiker gewordenen Twist. Verdienterweise ging The Sixth Sense und Shyamalan durch die Decke, alle waren begeistert, alle feierten ihn, es schien als stände ihm die Welt offen. Dann folgte Unbreakable, ebenfalls ein sehr sehr guter Mystery-Film, der vielleicht nicht ganz an den Erfolg von The Sixth Sense heranreichte, der aber trotzdem bis heute unter Fans Kultstatus genießt. Erneut ganz großes Schauspielerkino mit einer ungewöhnlichen wie faszinierenden Geschichte und filmisch könnerhaft ungesetzt. Nicht perfekt (einige Logiklücken gibt es schon, gerade zum Finale hin) aber nichtsdestotrotz zementierte Shyamalan seinen Status als neues Regie-Wunderkind, das nichts falsch machen konnte. Der Nachfolgefilm Signs hingegen war der erste Flop. Und das mit Recht, denn Signs verdient einfach nur den Stempel „Dumm“. Ein dummer Film. Erneut setzte Shyamalan auf die Mystery-Schiene, dieses Mal halt mit Aliens. Leider trieft der Film nur so vor Logiklecks, hirnbefreiten Protagonisten und unfreiwillig komischen Momenten. Danach schien es nur noch abwärts zu gehen. Der endgültige Absturz folgte mit The Lady in the water und The Happening, die so schlecht waren, dass sie heute schon legendär dafür sind und eine Art Kultstatus genießen. Nicht zu vergessen Die Legende von Aang, der sich als Trauerspiel der übelsten Sorte herausstellte. Seitdem ist Shyamalan als Regisseur verschrien und wurde öfter als alle Michael Bay-Filme zusammen parodiert und verrissen. The Village liegt nun irgendwo in der Mitte dieser Abwärtsspirale. Die Kritiken zu diesem Machwerk sind gespalten. Schauen wir uns das doch mal genauer an.

In einem kleinen Dorf, zu einer Zeit, die nicht näher bestimmt ist, aber in Bezug auf Kleidung, Ausstattung etc. erstmal 18hundertirgendwas vorschlägt, haben die Bewohner einen Pakt mit den im Wald lebenden Wesen, genannt die Unaussprechlichen, geschlossen: Niemand aus dem Dorf nähert sich dem Wald, dafür verzichten die fiesen Gestalten auf Angriffe mit anschließendem Barbecue. Das geht natürlich nur so lange gut, bis der junge Lucius Hunt (Joaquin Phoenix) die Wälder durchquert, um in der Stadt Medikamente aufzutreiben. Sofort häufen sich Warnungen und Tierkadaver und es kommt zu ersten Angriffen der Unaussprechlichen. Zwar bleibt es vorerst bei kurzen Attacken, die opferlos bleiben. Doch als sich die blinde Ivy (Bryce Dallas Howard) in Lucius verguckt, sticht der geistig behinderte Noah (Adrien Brody) selbigen rasend vor Eifersucht ab. Damit Johnny Cash eine Chance zum Überleben bleibt, wagt sich Ivy selbst in die gefährlichen Wälder um die notwendigen Medikamente zu finden.

Gut, vielleicht waren die Trailer zu The Village im Vorhinein etwas irreführend, gewann man da doch den Eindruck, es hier mit einem Horror-/Monsterfilm zu tun zu haben (was nach der Storybeschreibung ebenfalls naheliegt). So viel vorab: The Village ist kein Horrorfilm. Vielmehr ist es eine Art Drama mit Gruselelementen (was ja leicht an The Sixth Sense anknüpft). Grundsätzlich habe ich damit überhaupt kein Problem, The Sixth Sense war großartig und Unbreakable war trotz  einiger Schwächen ebenfalls ein sehr guter Film. Das Genre und enttäuschte Erwartungen spielen bei mir also schon mal keine Rolle, ich kann mich für so ziemlich alles begeistern, solange es nur gut gemacht und mitreißend ist. Leider ist The Village nichts von alledem…und wenn ich nichts sage, meine ich in diesem Fall NICHTS!

The Village ist NICHTS! Nichts als ein einziges gewaltiges Schnarchfest. Bis auf das Twist-Ende (jaaah, dazu kommen wir später noch, Freunde!) ist dieser Film einfach nur ein Haufen heißer Luft. Shyamalan begeht hier den riesigen Fehler, sich auf seinen Talenten als Regisseur nicht nur auszuruhen, sondern selbige völlig wirr und selbstverliebt zu verheizen. Die langen Kameraeinstellungen und das langsame Tempo, die The Sixth Sense und Unbreakable noch so intensiv gemacht haben, werden hier plötzlich zur Herausforderung für die Geduld der Zuschauer. Und das hat einen ganz elementaren Grund: Es gibt keine emotionalen Anknüpfpunkte. Weder haben wir es hier mit einer spannenden Story zu tun, noch sind die Charaktere mitreißend; vielmehr nervt besonders bei den Protagonisten ihre pseudosymbolische Aufladung (eine blinde Frau, die am Ende mehr sieht, als alle ihre sehenden Mitmenschen…COME ON!!!!!!!). An den Rest der Dorfbewohner erinnere ich mich nicht einmal (Sigourney Weaver hat mitgespielt? Wo??). Und es passiert einfach lange Zeit gar nichts. Sowas kann ja auch ein gutes Stilmittel in Filmen sein, wenn es denn Atmosphäre schafft (Stichwort Drive, 2001: Odyssee im Weltraum, Enter the Void, No Country for old men…soll ich fortfahren?). Aber einfach nichts passieren zu lassen, schafft noch lange keine Atmosphäre. Gefühlte drölfeinhalb Stunden lange, völlig bedeutungslose Dialoge oder Bilder vom einfachen Farmleben – da kann ich mir auch ein Testbild angucken, da hab ich mehr von (vor allem verhindert das Piepen wenigstens, dass ich einschlafe – vielleicht hätte Shyamalan seinen Film auch einfach mal mit einem langen, lauten Pfeifton unterlegen sollen, das hätte The Village bestimmt nur interessanter machen können).

Aber wirklich am schmerzhaftesten sind diese bedeutungsschwangeren Monologe und melodramatischen Elemente, mit denen Shyamalan dieses Werk (und auch seine späteren) vollstopft. Denn wenn mal etwas passiert in dieser drögen Pfütze aus Nichts, dann ist es entweder ein Horror-Element oder Monolog-Zeit. William Hurt, der den Vorsitzenden des Ältestenrats spielt, darf reden. Viel reden. Sehr sehr sehr viel reden. Und auch hier: Heiße Luft. Ohne Ende heiße Luft. Wo sind die emotionalen, brillant konzipierten Drehbücher von Shyamalans Vorgängerfilmen (minus Signs – der war Schrott) hin verschwunden? Oder wo kamen sie überhaupt her, wenn man sich so ansieht, was M to the Night hier fabriziert. Ich betone nochmals: Ich habe weder etwas gegen langsames Tempo, noch gegen lange Monologe, ich bin kein Transformers-Kid, das alle zwei Sekunden eine Explosion braucht. Aber ein so selbstverliebtes Suhlen in filmischen Mitteln und Pseudo-Atmosphäre, die nie da war, kann ich nicht ausstehen. Ich liebe William Hurt, aber jedes Mal, wenn er in diesem Machwerk den Mund aufmacht, möchte ich am liebsten Facepalm mit einer Wand spielen.

Ich gebe offen zu, dass nicht alles schlecht ist an The Village. Credit where credit is due: Die Nacht, in der die Monster angreifen, ist sehr sauber und spannend inszeniert. Hier wird das Tempo des Films dann wieder zum Vorteil, denn guter Horror lebt ja bekanntlich von seinem Aufbau. Wäre da nicht dieses nervtötende Geigengefiddel im Soundtrack, hätte das sogar eine richtig gute Szene werden können (vielleicht nehmen wir tatsächlich lieber den Testbild-Pfeifton). Zwar sehen die Monster aus wie überdimensionale Stachelschweine auf nem Rotkäppchen-Cosplay-Trip, aber da sie ja nie vollständig oder nur unscharf gezeigt werden, kann man das durchgehen lassen (wenn man das Twist-Ende mit in Betracht zieht – keine Angst, darauf gehe ich erst in der Spoiler-Kategorie ein – macht das sogar Sinn; im Gegensatz zu anderen Elementen zumindest). Weiterhin muss man Herrn Shyamalan ja einfach zugestehen, dass er hier nach wie vor ein Händchen für Kameraeinstellungen an den Tag legt. Das kommt dem Film ebenfalls in den Spannungsmomenten zugute (besonders als Lucius erstochen wird – großartig!). Leider gibt es in den restlichen Momenten nichts zu sehen, aber das hatten wir ja schonmal. Schauspielerisch gibt es nicht viel zu sagen, nahezu alle Qualitätsschauspieler aus dem Cast machen das Beste aus dem, was ihnen gegeben wird (mit Ausnahme von Adrien Brody, der mich hier etwas an Ben Stillers Parodie aus Tropic Thunder erinnert – „You never go full retard“, Adrien 😉 ).

Jaaaahaha und nun kommen wir zum Twist des ganzen. Ich weiß, mein Herumreiten auf dem Ende von High Tension ist nicht so gut angekommen, aber ich bleibe dabei: Wenn man schon ein Twist-Ende in seinen Film einbaut, dann sollte man sich darüber im Klaren sein, welche Auswirkung er auf die Gesamtwirkung und die Story des Films hat. Und wenn der große Roger Ebert sich seitenweise über das Ende eines Films aufregen darf, darf ich das ja wohl schon lange! Deswegen warne ich hier nochmal ausgiebig, denn jetzt kommen wir zu dem Ende von The Village – ihr kennt das ja.

 

 

———————————————-SPOILER———————————————————————-

 

 

Auch The Village kommt nicht um den obligatorischen Shyamalan’schen Twist am Ende herum – der, der Sixth Sense und Unbreakable den letzten Schliff verlieh und Signs in den Untergang riss. Hier wird schockiert, indem sich herausstellt, dass die naiven Dorfbewohner überhaupt nicht im 19. Jahrhundert sondern in der modernen Welt gelebt hatten. In Wahrheit hatten die Dorfältesten, allen voran Chefmonologist Willian Hurt das gesamte Dorf von der Außenwelt abgeschnitten und isoliert. Die ganze Zeit. Und Monster gabs auch nie, alles nur Verkleidungen um die beschützenswerten Dörflinge von den Gefahren der grausamen Welt fernzuhalten (Moment, Verkleidungen? Wieso haben die Viecher denn dann die ganze Zeit so bösartig und abgrundtief fies gegrunzt? Alles Meister der Orkimitationen, sogar der geistig behinderte Noah?).

Gut, ich will nicht übertreiben, ganz so schlimm wie bei Signs oder High Tension (ich kann’s nicht lassen…) ist das Ende hier nicht ausgefallen. Aber ganz abgesehen davon, dass der Twist hier die billige Alternative zu dem Klischee-Twist schlechthin „Es war alles nur ein Traum“ darstellt, gräbt es wieder ein paar schöne Plot-Löcher: Was passiert denn bitte, wenn die Dorfältesten sterben (der Begriff „Älteste“ deutet ja bereits an, dass die Herren nicht mehr die Jüngsten sind…). Wer übernimmt denn dann den Job, sich als Stachelschwein zu verkleiden und alle aus den Wäldern rauszujagen? Die Kinder? Wird das Geheimnis an auserwählte Nachfolger abgegeben („Ach übrigens, wir haben euch über Jahrzehnte belogen und hier festgehalten, denn die moderne Welt ist böse. Noch Fragen? Wenn nicht, da ist dein Stachelschweinkostüm.“)? Nicht zu vergessen, dass man in der heutigen Zivilisation schlecht EIN GANZES DORF verstecken kann. Das klappt vielleicht in einem Vulkan, wo in der Regel nicht so viele Touristen vorbeikommen, aber in einem Wald? Übrigens, wusste die Regierung/der Bürgermeister/die Forstgewerkschaft überhaupt davon, dass in ihren vorgeblichen Naturschutz-Wäldern ein Haufen Möchtegern-Amisch leben? Naja gut, das wird etwas halbherzig als Reservat der Walker-Stiftung (also von William Hurts Charakter) verkauft. Aber das klingt alles viel zu gezwungen und unglaubwürdig, als dass man sich von diesem Twist gefangen lassen nehmen könnte.

 

 

———————————–SPOILER ENDE————————————————————————–

 

The Village ist trotz einiger weniger gelungener Ansätze leider zum plumpen Langweiler geworden, was nicht zuletzt daran liegt, dass M Night Shyamalan Langsamkeit mit Atmosphäre verwechselt und ansonsten einfach viel zu wenig passieren lässt. Es hagelt bedeutungsschwere Monologe und symbolisch aufgeladene Charaktere, aber interessanter macht das diesen Film nicht im Ansatz. The Village lässt die drehbuchtechnische Finesse und die interessante Art Geschichten zu erzählen, die Shyamalans vorherige Filme ausgezeichnet haben, vermissen. Da hilft auch der hineingezwungene billige Twist am Ende nicht. Mein Tipp: Lieber The Sixth Sense oder Unbreakable gucken. Oder The Happening. Der ist zwar noch schlechter als The Village. Dafür aber witziger.

 

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