The Dark Knight Rises – Review

 

Ich bin doch auch nur ein Mensch. Und wenn ich mir noch so sehr einzureden versuche, dass ich an jeden Film mit einer neutralen Haltung herangehen will (ganz der professionelle Reviewer)…es gibt einfach Filme, da funktioniert das nicht. Ob nun Twilight in negativer oder einem neuen David Fincher-Film in positiver Hinsicht. Und ich weiß, es entlockt mittlerweile so gut wie jedem von euch ein lautes Gähnen, wenn ich mal wieder betone, wie sehr ich Christopher Nolan liebe (nur als Filmemacher natürlich…*hust*), deswegen lasse ich es. Nur so viel: Nach seinen beiden Meisterwerken Batman Begins und The Dark Knight, die beide das Genre der Comic-Verfilmungen revolutionierten, indem sie Anspruch, Komplexität und eine düstere, realistisch gehaltene Atmosphäre mit spektakulärer Action in einem Mainstream-Blockbuster verbanden, war es verdammt noch mal unmöglich, nicht auf den Hype-Zug für das große Finale der Trilogie aufzuspringen. So astronomische Erwartungen hatte ich an keinen Film in diesem Jahr (nein, auch nicht für den Hobbit) und angesichts der Tatsache, dass schon Inception meine turmhohen Erwartungen tatsächlich übertraf, war es klar, dass The Dark Knight Rises extrem gut werden musste, um mich zufriedenzustellen.

Acht Jahre sind in Gotham City seit den Geschehnissen von The Dark Knight vergangen – Bruce Wayne (Christian Bale) hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und meidet, sichtlich gealtert und gesundheitlich angeschlagen, den Kontakt zu anderen Menschen. Tatsächlich scheint es, als würde die Stadt keinen Batman mehr brauchen; es herrscht Frieden. Ein Zustand, den Commissioner Gordon (Gary Oldman) nur durch eine Lüge stützen kann. Als dann der kriminelle Muskelberg Bane (Tom Hardy) mit seinen Schergen auf den Plan tritt, mit dem Ziel sämtliche Bewohner Gothams als Geisel zu nehmen und die Stadt mit gezielten, meisterhaft geplanten Anschlägen ins Chaos zu stürzen, entschließt sich Wayne dazu, seinen Ruhestand abzubrechen. Doch  Batman ist angeschlagen und Bane hat den festen Vorsatz, die Fledermaus nicht nur zu besiegen, sondern zu „brechen“. Und welche Rolle spielen die mysteriöse Diebin Selina Kyle aka Catwoman (Anne Hathaway) und der engagierte Jungpolizist John Blake (Joseph Gordon-Lewitt) in der letzten, entscheidenden Schlacht um Gotham City?

Es ist das Ende einer Ära. Christopher Nolan hat verkündet, dass dies sein letzter Batman-Film ist (und ja, Hollywood macht sich bereits Reboot-Gedanken, wie könnte es auch anders sein). Und was für ein Ende das ist. War The Dark Knight noch ein weitesgehend für sich stehender Film, den man auch ohne Kenntnis von Batman Begins sehen konnte, werden im großen Finale, unglaublich viele lose Enden und Storyfäden aus beiden Filmen (besonders aber aus dem ersten) wieder aufgegriffen. Und allein für einen fantastischen, von mir unglaublich gefeierten Cameo-Auftritt eines bestimmten Charakters lohnt es sich, noch mal Batman Begins zu gucken.

Perfekt ist The Dark Knight Rises nicht. Es gibt Fehler und Plotlöcher, von denen einige so groß sind, dass sie sogar mich kurzzeitig aus dem Film gerissen haben, während mir andere in meinem Filmgenuss kaum gestört haben oder mir gar nicht erst aufgefallen sind. Spoilern werde ich sie nicht, zudem gibt es bereits genug Nolan-Hasser und Kritiker, die den Film anhand dieser eher zweitrangigen Fehler in der Luft zerreißen. Aber man kann kaum bestreiten, dass Nolan dieses Mal in Detailfragen heftig patzt, was wohl hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, das Rises das Problem seines Vorgängers teilt: Trotz nahezu drei Stunden Laufzeit ist der Plot so vollgestopft, dass viele Elemente der Geschichte geradezu gehetzt oder nur oberflächlich behandelt werden können. Insbesondere am Anfang werden viele Entwicklungen, die Nolans Universum in acht (!!!) Jahren durchlaufen hat, sehr beiläufig erklärt. Dass Bruce Wayne sein Einsiedlertum so schnell aufgibt und wieder in das Batman-Kostüm schlüpft, wirkt gerade in den geerdeten Nolan-Filmen wenig plausibel. Und auch das in meinen Augen epische Ende wird wohl für einige Kontroversen sorgen – zumindest aber muss man sich dieses Mal viele Erklärungen selbst zusammenbasteln, wobei sich die Frage stellt, ob das so beabsichtigt war oder schlussendlich doch ein gewisses Schönreden ist (ich tendiere aber angesichts der unbestreitbaren Drehbuch-Finesse in bislang allen Nolan-Filmen optimistisch zu ersterem).

All das ist durchaus problematisch, aber es reicht nicht aus, um mich von der Meinung abzubringen, dass es sich bei The Dark Knight Rises um den perfekten Trilogie-Abschluss handelt. Auch wenn die Ausgangssituation nicht ganz so faszinierend ist, wie die Konstellation Batman – Gordon – Dent (für mich fast noch spannender als der Joker selbst), macht das Finale in seinem Grundkonzept alles richtig: Der Einsatz, die Ausmaße der Action und die Vielschichtigkeit des Films werden erhöht, was die Falltiefe für die Protagonisten nur erhöht. Das zugegebenermaßen etwas einfallslose MacGuffin-Element der Atombombe rückt dabei in den Hintergrund und macht einem zunehmend apokalyptischen Szenario Platz: Gotham ist im Krieg, das System bricht zusammen, sowohl Bruce Wayne als auch Batman verlieren alles und müssen versuchen, wieder aufzusteigen. Der ganze Film ist dem Titel entsprechend von dem zentralen Grundthema „Rise“ geprägt. Subtile Bezüge zum aktuellen Tagesgeschehen und gesellschaftspolitischen Zusammenhängen, die in den Filmen immer wieder aufgegriffen wurden, sind hier stärker als je zuvor präsent: Wurden in Batman Begins noch Korruption und in The Dark Knight Terrorangst und politische Doppelmoral thematisiert, so spielt Nolan in diesem Film mit der Finanzkrise, der Gefahr eines Systemzusammenbruchs und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Seitenhiebe auf die Occupy-Bewegung in den USA werden in den Angriffen Banes auf die Börse überdeutlich und fügen sich trotzdem nahtlos und plausibel in die Story und das Universum, in dem die drei Filme spielen, ein. Gleichzeitig wird auch die Gefahr eines auf Lügen basierenden Friedens nicht ausgespart, was ganz dem Kanon der Nolan-Saga entspricht: Niemand hat hier eine weiße Weste.

Aber trotz der bombastischen Action, der epischen Story und den gesellschaftlichen Bezügen bleibt The Dark Knight Rises im Kern ein Charakterdrama. Der Fokus liegt auf Bruce Wayne und seinem Kampf gegen eine fast schon übermächtige Bedrohung, aber auch gegen sich selbst. Großartig porträtiert von Christian Bale (all meine Zweifel, die ich noch in The Dark Knight bezüglich seines Spiels hatte, sind hier endgültig verflogen) ist Wayne wie auch sein Alter Ego gebrochen und muss versuchen, sich erneut zu erheben und Gotham entgegen aller Widerstände zu retten. Im Kontext aller drei Filme durchläuft der Charakter dabei eine runde und nachvollziehbare Entwicklung: Vom jungen Krieger, der lernen muss, seine Angst zu überwinden, über den Helden, der begreifen muss, dass er ein Symbol werden muss, um seine Stadt zu retten bis hin zur gebrochenen Figur, der seine Angst zurückgewinnen muss, um gegen die ultimative Bedrohung zu bestehen.

Ich gebe zu: Als Christopher Nolan das erste Mal Bane als Batmans Gegner in The Dark Knight Rises vorstellte, fiel meine Reaktion ähnlich aus wie bei vielen anderen Nichtkennern der Comics: Wer? Bane gehört im Batman-Kanon nicht unbedingt zu den bekanntesten aller Villains, zu deren beachtlicher Riege immerhin Figuren wie der Joker, der Riddler, Poison Ivy und viele mehr stecken. Doch wenn man sich ein wenig in den Comic-Hintergrund einfuchst, steigt der Hype-Faktor umso mehr: In der „Knightfall“-Saga nimmt der vom Venom-Gift abhängige Koloss eine mehr als zentrale Rolle ein, da er Batman sowohl mental als auch wortwörtlich bricht. Dazu soviel: Nolan kreiert hier seinen eigenen Bane. Es werden zwar Elemente aus den Comics aufgegriffen – besonders ein spezieller Story-Wendepunkt, der den Charakter berühmt gemacht hat – aber in diesem Film wird wie schon beim Joker eine eigene Interpretation der Figur geliefert. Anstelle des obsessiven, scheinbar unbesiegbaren Monsters, das Batman vernichten will, um über Gotham zu herrschen, gibt es hier einen Bane, der ein Zeichen setzen will und dessen Anschläge symbolischer Natur sind. Zudem enthüllt ein unvorhersehbarer Story-Twist gegen Ende, dass er lediglich Teil eines größeren Plans ist, was die Bedrohlichkeit seines Charakters leider ein wenig einschränkt, gleichzeitig aber auch sein Motiv vielschichtiger macht. Die Darstellung von Tom Hardy jedoch ist einfach nur brillant. Was ihm an schierer Muskelmasse fehlt (gegen den Koloss aus den Büchern wirkt er etwas schmächtig), macht er durch eine unvergleichlich bedrohliche Präsenz wieder wett. Eine Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass er die ganze Zeit einen Maulkorb vor der Kauleiste kleben hat. Trotzdem gelingt es Hardy durch sein pures Mienenspiel, mehr Emotionen und Spannung zu erzeugen, als es ein Loki jemals gekommt hätte. Wenn es zum Kampf zwischen Batman und Bane kommt, dann steht die Luft vor Anspannung und man kann sich nur schwer in den Sitzen halten. Leider wird diese grandiose Atmosphäre, die durch den Charakter entsteht, durch die grauenhafte deutsche Synchronisation geschmälert. Ich hatte bislang noch keine Chance den Film im Original-Ton zu sehen, aber von dem, was aus den Trailern ersichtlich war, scheint Bane in der OV entschieden besser zu sein. In der Synchro wird dagegen ein völlig falscher Ton angeschlagen, sodass die Figur teilweise unfreiwillig komisch klingt.

Anne Hathaway als Catwoman? Eine Nachricht, die im Vorhinein für Aufregung sorgte. Die „Plötzlich Prinzessin“-Tusse, die die Oscar-Verleihung versemmelt hat? Erinnern wir uns mal ein paar Jahre zurück: Heath Ledger als Joker? Der „Ritter aus Leidenschaft“-Schönling? Also, muss ich noch mehr sagen? Hathaway hat bereits im gelungenen Independent-Drama „Rachels Hochzeit“ gezeigt, wie gut sie schauspielern kann, wenn sie gefordert wird. Und The Dark Knight Rises macht da keine Ausnahme. Hathaways Selina Kyle aka Catwoman ist großartig. Auf ihre Art vielleicht sogar der interessanteste Charakter des gesamten Films, da Bane ja wie schon erwähnt durch den Twist etwas in den Hintergrund gerückt wird. Selina Kyle ist eine unberechenbare, manipulative und zu jeder Zeit gefährliche Diebin, die gleichzeitig einen nachvollziehbaren Background erhält. Sie stiehlt und betrügt, weil sie es muss; sie kommt aus ärmlichen Verhältnissen und passt sich den äußeren Umständen an, um zu überleben. Die Romanze mit Batman gegen Ende wirkt dann doch ein wenig aus dem Arsch gezogen, um die Fans nicht zu enttäuschen, aber weniger faszinierend macht das den großartig gespielten Charakter nicht.

Zu den Leistungen der alten Garde um Michael Caine, Gary Oldman und Morgan Freeman muss man nichts weiter sagen, hier sind einfach Meister am Werk, die all ihr Können in die Charaktere stecken und ihnen Herz und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Besonders hervorzuheben ist hier ein weiteres Mal Caine, dessen Alfred berührend wie selten ist. Joseph-Gordon Levitt ist neu in der Riege und führt mit dem jungen Polizisten John Blake einen interessanten, wenn auch etwas flach konzipierten Charakter ein, dem jedoch gerade zum Ende hin eine zentrale Bedeutung zukommt. Auch bei der von Marion Cotillard gespielten Miranda Tate wird die eigentliche Bedeutung der Figur erst am Ende deutlich. Trotzdem bleibt sie im Film etwas blass, sodass ihr eigentlicher Hintergrund etwas aus dem Nichts kommt. Ansonsten übertreibt es Nolan in diesem Film etwas mit seiner Figurenfülle. Besonders im ersten Akt des Films bekommen wir so viele Namen geliefert, dass man unweigerlich verwirrt ist. Zudem bleiben die unzähligen Charaktere zwangsläufig unausgereift und haben oft keine große Auswirkung auf die Story. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Ich dachte bislang, Hans Zimmers Musik in The Dark Knight wäre brillant. Dass sich der Gute in Rises aber noch übertreffen kann, hätte ich nicht gedacht. Der Score ist göttlich. Jedes Mal passend, immer eingängig, niemals störend oder in den Vordergrund drängend, trägt er entscheidend zur Epik des Films bei. Der im Film etablierte Sprechgesang „Deshi Basara“ (marokkanisch für „he rises“, also „er steigt auf“) fügt sich nahtlos in den Soundtrack ein und ist dabei verdammt noch mal einer der epischsten Sprechchöre, der jemals in einen Soundtrack implementiert wurde!!! Um das jetzt mal in aller Subjektivität anmerken zu dürfen: Ich hatte während des Kinobesuchs einen halben Orgasmus, als ich die Musik gehört habe, und dabei habe ich schon Zimmers Musik zu The Dark Knight und Inception so gefeiert damals.

Auf technischer Seite gibt es nichts auszusetzen: Schnitt und die Kameraführung sind sauber und verhelfen dem Film zu beeindruckenden Bildern ohne von der Story abzulenken. Was die Action und die Effekte angeht, könnte ich einfach die entsprechende Passage aus meinen Dark Knight-Review kopieren, denn was ich dort geschrieben habe, trifft auch hier zu. Lediglich die Ausmaße wurden, wie es sich für ein Finale gehört, erhöht, ohne dabei zu einem generischen Krach-Bumm-Spektakel à la Avengers zu werden (auch wenn man beide Filme schlecht vergleichen kann; sowohl The Dark Knight Rises als auch The Avengers waren jeweils genau die Art von Film, die sie sein wollten. Nolans Verfilmungen treffen einfach eher mein Geschmack, das kann ich den Avengers aber nicht zum Vorwurf machen. Generisch war das Finale da trotzdem 😀 ).

Ich habe lange überlegt, ob ich auf die einzelnen Fehler und Logik-Lücken in The Dark Knight Rises in einer eigenen abgetrennten Spoiler-Kategorie eingehen soll. Denn die Fehler gibt es und teilweise sind sie auch problematisch, auch wenn ich andere davon widerlegen könnte. Ich habe mich dagegen entschieden. Der Grund ist, dass Rises als Filmerlebnis funktioniert. Die Fehler und Unzulänglichkeiten auf der Storyebene haben mich persönlich nicht genug gestört, um meine Begeisterung zu mindern. Das war bei Filmen wie High Tension oder The Village anders, da hat es mich gestört und aus dem Film herausgerissen. Ich kann hier nur mein subjektives Filmerlebnis schildern. Nochmal: The Dark Knight Rises ist kein perfekter Film. Aber seine Fehler stören mich nicht genug, als dass ich nochmal dezidiert jeden einzelnen davon auseinandernehmen möchte. Wer mit mir darüber diskutieren will: Gerne, in Kommentaren gehe ich gerne darauf ein. Aber in diesem Review möchte ich auch ein bisschen ein Zeichen setzen gegen all die Nolan-Hasser, die sich mit Freude darauf stürzen und The Dark Knight Rises daran aufhängen wollen (was nicht heißt, dass alle, die den Film nicht mögen, Nolan-Hasser sind).

Denn insgesamt ist The Dark Knight Rises als Gesamtpaket der perfekte Abschluss einer herausragenden Trilogie. Ein großartiger Villain, eine packende Atmosphäre und großartige Schauspielleistungen. Fehler gibt es einige, im Detail patzt Nolan an der einen oder anderen Stelle ungewohnt auffällig, an anderen lässt er jedoch das weg, was nicht gezeigt werden muss. Aber von der vielschichtigen, komplexen Story kann das nicht ablenken. Trotz vollgestopften, lückenhaften Plot und zu vielen Charakteren ist The Dark Knight Rises ein mitreißendes, emotionales und packendes Kinoerlebnis, das in seinem Anspruch im Blockbuster-Genre nach wie vor vergeblich seinesgleichen sucht. Am Ende bleibt einem nur übrig, mit einem flauen Gefühl im Magen begeistert zu applaudieren. Denn es ist das Ende einer Ära. Das Ende einer grandiosen Trilogie, die kein Reboot der Welt reproduzieren können wird.

Edit: Wer eine kompetente, gut begründete Gegenposition zu meinem Review lesen will, den verweise ich mal auf meinen geschätzten Review-Kollegen von Kopf & Kino. Anklicken, los

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3 Gedanken zu “The Dark Knight Rises – Review

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