MacGruber – Review

 

Über den Einfluss von „Saturday Night Live“ auf die amerikanische Schauspiel- und Comedy-Szene muss man nicht diskutieren. Die legendäre Sketch-Show hat seit 1975 Maßstäbe gesetzt und solche Legenden wie Chevy Chase, Bill Murray, Eddie Murphy oder Dan Akroyd zu internationaler Bekanntheit verholfen. Namen wie Ben Stiller, Adam Sandler, Will Ferrell oder Sarah Silverman würde man ohne das Comedy-Format überhaupt nicht kennen; noch heute erfreut es sich größter Bekanntheit und glänzender Einschaltquoten. Aber der große Sprung vom kleinen Sketch zum 90-minütigen Hollywood-Film erweist sich als nicht zu unterschätzende Hürde. Wenige gelungene Beispiele (Blues Brothers, Wayne’s World) stehen einer Reihe von Misserfolgen (Was ist Pat, Blues Brothers 2000) gegenüber. MacGruber ist der jüngste Versuch, eine erfolgreiche Sketchreihe aus SNL als Film zu vermarkten.

Eigentlich wollte der ehemalige Elitesoldat und Meisterbastler MacGruber (Will Forte) nur seinen inneren Frieden als Mönch finden und nie mehr eine Waffe in die Hand nehmen. Doch als sein Erzfeind Dieter von Cunth (Val Kilmer), der für den Tod seiner Geliebten verantwortlich ist, einen nuklearen Sprengkopf stiehlt und droht die State of the Union Address zu bombardieren, lässt sich MacGruber reaktivieren. Gemeinsam mit seiner Jugendliebe Vicki St. Elmo (Kristen Wiig) und dem jungen Lieutenant Dixon Piper (Ryan Phillippe) versucht er von Cunth zu stoppen und hinterlässt dabei eine Schneise der Zerstörung.

Der Inhalt der Sketche zu MacGruber ist recht kurz und simpel: Ein MacGyver-Verschnitt hat noch wenige Sekunden, bis eine Bombe hochgeht und alle im Raum tötet. MacGruber versucht daraufhin, aus verschiedenen Alltagsgegenständen etwas zur Entschärfung der Bombe zusammenzubasteln, wobei ihm seine Geliebte und diverse Gaststars helfen wollen. Am Ende scheitert er jedoch grundsätzlich und der Sketch endet in einer gewaltigen Explosion. Das alles klingt nicht wirklich nach geeignetem Stoff für einen ganzen Film, weshalb Will Forte und Co das Konzept notgedrungen erweitern mussten. Aus Sicht der Kinogänger war es wohl trotzdem nicht geeignet genug, denn MacGruber teilte das Schicksal seiner SNL-Vorfahren und floppte an den Kinokassen (in Deutschland war’s dann ein drect-to-DVD-Release). Und auch die Kritiken fielen sehr gemischt aus. Aber lasst mich da mal meinen eigenen Senf dazugeben.

MacGruber hat in Amerika ein R-Rating (freigegeben ab 17 Jahren) erhalten, ergo erhalten wir auch genau das, was man von einer amerikanischen R-Rating-Komödie erwarten darf: Toiletten-Humor, Sex-Gags, Schimpfwörter und Blut. Das macht den Film jedoch nicht schlecht, im Gegenteil: Der Grund, aus dem MacGruber funktioniert und tatsächlich extrem witzig ist, ist die Gagdichte: Will Forte und seine Co-Autoren feuern unfassbar viele Gags pro Sekunde heraus. Dabei wird sich so ziemlich jede Art von Humor bedient: Von subtilen Anspielungen und Parodien (allein der Titelcharakter ist mit seinem Vokuhila-Haarschnitt und seiner Kleidung das perfekte 80er-Jahre Relikt in bester MacGyver-Tradition), über flache Wortspiele bis hin zum tiefschwarzen Humor; Vom etwas deplatziert ernsten Anfang einmal abgesehen bekommt der Zuschauer keine Pause. Bei so vielen Witzen funktioniert natürlich bei Weitem nicht jeder, es entstehen zwangsläufig Rohrkrepierer. Trotzdem ist die Trefferquote erstaunlich hoch und viele Momente bleiben in Erinnerung, weil sie zum Brüllen komisch sind. Ganz wird die Genialität von ähnlich gearteten Filmen wie Black Dynamite nicht erreicht, aber einen soliden zweiten Platz erhält MacGruber allemal.

Für schwache Nerven oder Freunde seichter Kinounterhaltung ist der Film nicht zu empfehlen, denn die Umschreibung „grober Humor“ ist hier noch untertrieben. Neben MacGrubers „Special Move“, der hier nicht weiter gespoilert werden soll (nur ein Stichwort: Splatter…) macht der Film keinen Halt vor extrem merkwürdigen, urkomischen Sexszenen oder dem bereits angesprochenen Toiletten-Humor (wer schon immer mal wissen wollte, was ein „Upper Decker“ ist, sollte sich diesen Film ansehen). Unbedingt zu empfehlen, ist hier mal wieder die englische Originalversion, da in der synchronisierte Fassung viele Feinheiten und Sprachwitze verloren gehen (um ehrlich zu sein: sie ist verdammt miserabel). Das Finale fällt dann leider gag-technisch etwas ab, doch das Gesamtpaket ist nichtsdestowenigertrotz verdammt lustig.

Dass viele der unzähligen Gags so gut zünden, liegt zu nicht geringen Anteilen an Will Forte. Ich habe nicht viele andere Filme mit ihm gesehen (lediglich ein hervorragender Cameo-Auftritt in der neuseeländischen Comedy-Serie „Flight of the Concords“), aber ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass MacGruber seine Parade-Rolle ist. Allein seine überzogene Mimik oder die Art, wie er  gewisse Lines ausspricht bzw. betont, sind Lacher für sich. Fabelhaft ergänzt wird er dabei von Kristen Wiig, über deren Talent wir ja schon seit Paul nicht mehr reden müssen. Richtig glänzen kann sie hier in einer unvergesslichen Szene in einer Bar, in die sie sich verkabelt einschleicht. Ryan Phillippe zeigt in MacGruber nicht allzu viel, bietet in seiner ernsten, professionellen Rolle ein gutes Gegengewicht zum vertrottelten und hirnverbrannten Hauptcharakter. Val Kilmer (der mittlerweile eine körperliche Metamorphose, auf die unser Lieblingsschwamm Steven Seagal stolz sein könnte, hingelegt hat) hat zuletzt in „Kiss Kiss, Bang Bang“ gezeigt, dass ein Talent für Komödien in ihm schlummert. Hier macht er als Antagonist einen soliden, wenn auch nicht herausragenden Job.

Natürlich ist MacGruber kein Vergleich zu SNL-Perlen wie die bereits mehrfach zitierten Blues Brothers oder Wayne’s World (gepriesen seien sie), aber für einen großen Haufen Lacher reicht der Film allemal. Die Gagdichte ist sehr hoch und die schnell ausgelutschte Parodie von MacGyver ist glücklicherweise nicht der Fokus des Films, sodass auch Nichtkenner der 80er-Serie diesen Film genießen können. Eine sehr gute Komödie, die perfekt für DVD-Abende mit Kumpels geeignet ist. Auch wenn man seinen Selerie-Konsum nach diesem Film unter Umständen hinterfragen könnte…(*ZWINKER* SUBTILER INSIDER *ZWINKER*).

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