Zardoz – Review

 

Ich muss das jetzt aus dem Weg kriegen. Ich hab’s ja immerhin versprochen. Ein Review-Wunsch ist ein Review-Wunsch und den will ich ja auch erfüllen. Aber…echt mal, man hätte es mir auch etwas einfacher machen können. Gut, ihr hättet euch auch einen David Lynch-Film wünschen können, möglicherweise sollte ich froh sein…aber Zardoz??? Das kann man sich doch nur gewünscht haben, um mit schadenfrohem Grinsen dabei zuzusehen, wie ich mir das Fleisch vom Oberschenkel nage bei dem Versuch zu diesem…äh…Kunstwerk eine vernünftige Kritik zu schreiben. Also bitte, dann reviewe ich eben Zardoz. Aber was schreibt man zu einem Film, den vermutlich kaum eine Sau kennt?

Tja, vielleicht indem man einfach mal hiermit anfängt.

Den lasse ich jetzt einfach mal eine Runde sacken. Wieder da? Also, muss man noch mehr zu Zardoz wissen, als in diesem Bild ausgedrückt wird? Ja, natürlich, eine ganze Menge mehr, aber für einen ersten Eindruck reichts. Vor allem, weil es ab hier erst kompliziert wird. Wenn man den ersten ungläubigen Lachanfall über den Anblick von Sir Sean Connery in einem Borat-Mankini-Verschnitt inklusive Rotzbremse unter der Nase und Mongolen-Frise überlebt hat, wirds nämlich kompliziert. Zum Beispiel wenn es darum geht, den Plot zu beschreiben:

Wir schreiben das Jahr 2293. Die Gesellschaft ist zersplittert in die „Brutalen“ und die „Ewigen“. Die so genannten „Ewigen“ (Eternals im Englischen) sind unsterblich und leben in einem abgeschirmten Bereich namens Vortex, der sie von den „Brutalen“ trennt. Ach ja, und telepatisch begabt sind sie auch noch…warum auch nicht? Die „brutalen“ hingegen leben in ärmlichen Verhältnissen und werden darüber hinaus noch von den Jüngern des Gottes Zardoz gejagt, vergewaltigt und getötet. Dieser erscheint seinen Jüngern in der Form eines gigantischen fliegenden Steinkopfes und stattet sie mit Waffen aus. Einer dieser Jünger mit dem Namen Zed (Sean Connery) beschließt, das Geheimnis der „Ewigen“ zu lüften, versteckt sich im fliegenden Zardoz-Kopf und gelangt so in den Vortex, wo er eine ungeheuerliche Entdeckung macht.

Bereits verwirrt? Bitte, Freunde, das war noch gar nichts. So „simpel“ die Ausgangssituation auch sein mag, so zerfahren wird der Plot spätestens im zweiten Drittel von John Boormans Rätsel von einem Film. Leider ist Boorman kein David Lynch, sein Film lebt nicht von komplexen Storywendungen, surrealistischen Bildern oder düsterer Rätselhaftigkeit. Seinen einzigen Unterhaltungswert bezieht Zardoz einzig und allein aus seiner Absurdität und unfreiwilligen Komik. Hier wären wir dann auch wieder bei meiner These aus meinem Trashfilm-Plädoyer angelangt: Wir lachen den Film und seine Macher, vor allem aber Sean Connery aus. Es gibt Ansätze, in denen die surrealistischen, anderweltlich anmutenden Bilder tatsächlich wirken, aber ein Großteil wird, nicht zuletzt dank des verschwindend geringen Budgets einfach nur lächerlich. Ich habe ja die Theorie, dass ein Großteil des tatsächlichen Budgets dafür draufgegangen sein muss, um Connery davon zu überzeugen, in sein berüchtigtes Schwimm-Outfit und später sogar in ein Hochzeitskleid (JA!!!!! DAS HABE ICH MIR NICHT AUSGEDACHT!!!!!!) zu hüpfen.

Bereits in den ersten Sekunden erweist sich Zardoz als Mindfuck-Trash oberster Kajüte: Zunächst ist da Zardoz selbst – beziehungsweise sein Kopf, der in bester Windows-Bildschirmschoner-Manier von der einen Ecke des schwarzen Bildschirms in die nächste hüpft. dazu erhalten wir etwas, was man vielleicht Exposition nennen könnte, würde man es denn verstehen. Dieser Einschub ist übrigens nicht vom Regisseur selbst so gewollt, vielmehr wurde er vom produzierenden Studio eingefügt, weil es irgendwie das gefühl hatte, dass das Publikum andernfalls der „Story“ des Films nicht würde folgen können. Es gestaltet sich allerdings als erste echte Herausforderung, dem fliegenden Zardoz-Kopf überhaupt zuzuhören, da man die ganze Zeit über damit beschäftigt ist, herauszufinden, warum dieser Eric Idle für Arme ein Handtuch auf seinem Kopf trägt und sich einen Bart auf sein Gesicht gemalt hat. Und das ist jetzt kein Witz, Zardoz hat sich tatsächlich einen Bart auf sein Gesicht gemalt. Seht es euch selbst an, wenn ihr es mir nicht glaubt. Und wenn das noch nicht verwirrend und lächerlich genug klingt, gibt es (neben Connerys Outfit…sorry, aber über sowas kommt man so schnell nicht weg), dann darf sich der geneigte Filmfreund über einen fliegenden Steinschädel freuen, der gegenüber Sean Connery und seinen Horde von Badehosen-Mongolen ohne auch nur den Anflug von Ironie oder Scham skandiert: „THE GUN IS GOOD! THE PENIS IS EVIL!!!“

Ich meine, der Film hat Ambitionen. Das sieht man. Boorman wollte ganz offensichtlich ein surrealistisches Kunstwerk kreieren. Immer wieder scheinen Anleihen an distopische Klassiker wie 1984 oder Fahrenheit 451 sowie (mit viel gutem Willen) philosophische Anspielungen auf den utopischen Geist der 60er Jahre durch, außerdem gibt es einen Storytwist, der nicht nur an den Haaren herbeigezogen, sondern an Sean Connerys Mongolenzopf förmlich hereingerupft wurde. Er ist allerdings irgendwie auf faszinierende Weise dumm und clever zugleich. Und für alle Freunde des Schlüpfrigen unter uns: An Phallus-Symbolik mangelt es Zardoz definitiv nicht. Es gibt genug Vergewaltigungen und all das Zeug, was die Magie des Mediums Film eben so besonders macht. Nichtsdestotrotz: Sämtliche Zugeständnisse, die man Zardoz machen kann, seien es die teilweise tatsächlich sehr faszinierenden visuellen Elemente, sei es seine absurde Konsequenz: Allein der bereits erwähnte Satz „THE GUN IS GOOD! THE PENIS IS EVIL!!!“ verhindert bereits, dass man den Film jemals ernst nehmen kann. Und die Lächerlichkeit hört nicht da oder bei Connerys Bekleidung auf: Es gibt eine Szene, in der die „Ewigen“ ihre telepathischen Fähigkeiten demonstrieren…

…indem sie ihre Arme ausstrecken und mit den Fingern wedeln. Ja, genau: Pantomime auf dem Niveau eines Drittklässlers. Das wichtigste bleibt jedoch immer noch die handlung: Eine Zeit lang kann man ihr sogar einigermaßen folgen, da der Plot bis zu einem gewissen Punkt gradlinig bleibt; irgendwann ist dann allerdings der Moment erreicht, in dem man den Faden verliert – ab da wird es verwirrend, selbstverliebt und ein großes Chaos von einem Film. Wer in all das Chaos einen Sinn für sich finden kann – ich freue mich für euch. Ich habe es auch nach mehrfacher Sichtung nicht geschafft.

Was sollte man noch zu Zardoz sagen? Ach ja, vielleicht das: Sean Fucking Connery!!! Was diesen Weltklasse-Schauspieler dazu bewegt hat, in diesem Stuhlgang des Mindfuck-Genres mitzumachen, kann man nur erahnen: Offensichtlich wollte der gute Sir Schotte zu James Bond-Hochzeiten auf keinen Fall in die Typecast-Falle tappen und nahm jede Rolle an, solange sie sich hundertprozentig von der Bond-Rolle unterschied. Selbst auf die Gefahr hin, mit Tom Selleck-Schnäuzer und knallroter Badehose herumzustampfen, wie es aussieht. Seine Performance tendiert zwischen unspektakulär, befremdet und Trashfilm-Niveau. In vielen Szenen erkennt man deutlich an Connerys Gesichtsausdruck, dass er selbst nicht genau versteht, worum es gerade geht (gleichzeitig scheint es ihn auch nicht zu kümmern – sein Blick scheint in manchen Sequenzen förmlich zu sagen „Ash long ash I get paid for thish…“). Filmkenner wird es zudem besonders schmerzen, zu erfahren, dass Charaktermimin Charlotte Rampling ebenfalls mitspielt. Ihre Performance bleibt absolut ausdruckslos – selbst als sie in den letzten drei Minuten des Films von der Antagonistin zur Geliebten von Connery mutiert.

Ich liebe Mindfuck-Filme. Und manchmal ist gerade das Nicht-Verstehen Teil des Reizes, den diese Filme ausüben. David Lynch ist da das beste Beispiel. Zardoz ist nicht diese Art von Film. Zardoz ist kein Lost Highway. Zardoz ist auch kein 1984. Zardoz ist nicht einmal ein Trashfilm der Kategorie „So schlecht, dass er dadurch wieder gut wird“. Zardoz ist einen Film, den man einfach aufgrund seiner Absurdität sehen muss. Manchmal ist er faszinierend und voller Potential, oft ist er einfach nur langatmig, aber insgesamt ist es einfach ein bizarres Stück Filmgeschichte, das man allein deshalb gesehen haben muss, um zu bestätigen, dass es existiert. Es ist billig, bizarr, bescheuert. Aber vielleicht ist es auch ein verkanntes Meisterwerk, das mir verschlossen blieb. Und auch das übt ja wiederum eine gewisse Faszination aus.

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