Evil Dead – Review

Jeder Horrorfilm-Fan weiß es: Pfoten weg von einsamen Hütten im Wald. Der Urlaub oder die Sauftour bleiben dort selten ungestört. Schon werden die pubertierenden Teenager dort einer nach dem anderen dezimiert, sei es von Zombies, Dämonen, folternden Rednecks oder gerne auch mal alles zusammen. Die einsame „Cabin in the Woods“ (zuletzt eindrucksvoll persifliert in dem gleichnamigen Film) ist nun mal ein dankenswertes Setting für viele Horrorfilme – darunter auch einer der Urväter des Genres, The Evil Dead.

The Evil Dead aus dem Jahr 1981 – hierzulande unter dem Titel „Tanz der Teufel“ erschienen und bis heute indiziert – kann man getrost als einen der Urväter des „Hütte im Wald“-Genres bezeichnen. Die düstere Geschichte um das Necronomicon ex mortis Der Low-Budget-Klassiker des späteren Spider Man-Regisseurs Sam Raimi gilt heute als DER Kultfilm schlechthin und zog zwei in Fangemeinden noch fanatischer verehrte Sequels nach sich. In Deutschland sorgte der Film seinerzeit aufgrund seiner exzessiven Gewaltszenen für Kontroversen, was in einer typisch deutschen Überreaktion dazu führte, dass das gute Stück in Deutschland bis heute indiziert ist. Trotzdem zog der Film und seine eher auf Comedy ausgelegten Fortsetzungen „The Evil Dead 2“ und „Army of Darkness“ eine große Fangemeinde mit sich und begründete die Karriere des B-Movie-Schauspielers Bruce Campbell, das wohl markanteste Kinn in der Geschichte des Horrorfilms. Nach „Army of Darkness“, der seinen Protagonisten von der angesprochenen Waldhütte ins Mittelalter (!!!) schickte, wurde es lange Zeit ruhiger um das Franchise. Bis, ja, bis sich Mister Raimi gemeinsam mit Mister Campbell und Produzent Rob Tapert dazu entschlossen, der Serie ein Reboot zu verpassen, das den Geist des ersten Films wieder auferstehen lassen sollte. Engagiert wurde der Regie-Debütant Fede Alvarez, der der Schlachtplatte einen frischen Anstrich verleihen sollte. Aber ist ihm das tatsächlich gelungen?

Eine Gruppe von Freunden trifft sich in einer alten Hütte im Wald. Ihr Ziel: Die drogensüchtige Mia (Jane Levy) auf Entzug zu setzen, um ihre Abhängigkeit ein für alle Mal in den Griff zu kriegen. Die Gruppe, bestehend aus Mias Bruder David (Shiloh Fernandez), seiner Freundin Natalie (Elizabeth Blackmore), Eric (Lou Taylor Pucci) und Olivia (Jessica Lucas), wird in dem verfallenen Gebäude schnell auf einen versteckten Keller aufmerksam, in dem sie neben von der Decke hängenden Tierkadavern und einer doppelläufigen Shotgun ein in Menschenhaut gebundenes und mit Stacheldraht umwickeltes Buch finden, das Naturom Demonto. Eric ist besonders fasziniert von dem düsteren Wälzer und liest allen handgeschriebenen Warnungen in dem Buch zum Trotz eine Passage laut vor – damit entfesselt er einen Dämonen, der den Waldtrip für die fünf Freunde zu einem Höllentrip auf Erden mutieren lässt.

Ich muss gestehen: Meine erste Reaktion auf die Meldung, dass ein Evil Dead-Remake gedreht wird, fiel etwas…sagen wir etwas extrem aus und war von dem einen oder anderen Schimpfwort geprägt. Ich würde mich nicht als Die-Hard-Fan des Franchises beschreiben, aber ich mag die Originalfilme sehr gerne und hasse die gegenwärtige Remake-/Reboot-/Sequelwelle, die sich seit einigen Jahren durch Hollywood bewegt. Aber schlussendlich musste ich doch meinen Ärger und meine Skepsis herunterschlucken und dem Film eine faire Chance geben – wie schlägt sich der selbsternannte „schockierendste Film, den du jemals sehen wirst“ (grrrrgh)? Nun, um ehrlich zu sein, Evil Dead ist gleichzeitig positiver und negativer als vorab gedacht.

Fangen wir mit dem offensichtlichen an: Evil Dead ist keine Horrorkomödie. Wir haben keinen One-Liner spuckenden Ash Williams mit Kettensägenhand und Badass-Attitüde – dieser Film ist, von dem einen oder anderen Spruch mal abgesehen, toternst (no pun intended). Das ist auch völlig legitim, schließlich war der Original „The Evil Dead“ nichts anderes, der Humor kam erst mit den Fortsetzungen nach und nach dazu. Das Problem ist ein ganz anderes: Die Charaktere sind gnadenlos uninteressant.Fede Alvarez bemüht sich sichtbar, ein klein wenig Variation in das Grundsetting zu bringen und der Drogen-Subplot hätte Potential gehabt – leider ist er schlussendlich für die Handlung völlig irrelevant und wird auch nicht durch die Figuren wieder aufgefangen. Diese haben so gut wie keine Persönlichkeit und sind extrem generisch angelegt. In dem Originalfilm war das anders: Vor seiner Transformation in Action-Ash war Ash Williams ein liebenswerter „Junge von nebenan“, der die Sympathien der Zuschauer auf seine Seite zog, während die restlichen Charaktere für den Bodycount zuständig waren. Dadurch hatte man einen Ankerpunkt in all den bizarren Horrorszenen, die Raimi auf uns hinabregnen ließ, man litt mit Ash mit, wollte, dass er dieses Inferno überlebt. In diesem Film konnte ich mich letztlich nicht einmal an die Namen der einzelnen Charaktere erinnern.

Hinzu kommt, dass die Charaktere nicht nur uninteressant, sondern – ganz Horrorfilm-konform – dumm wie scheiße sind. Nicht selten kann man nicht anders als wieder und wieder die flache Hand gegen die Stirn zu klatschen, obwohl man sie viel lieber dazu nutzen würde, den Protagonisten ihre Dummheit aus den Schädeln zu prügeln. Klar, der Film muss voran getrieben werden und gerade in einem Genre wie diesem, funktioniert das oft nur durch Figuren, die dämliche Entscheidungen treffen – aber hier reißt sowas eben unfassbar aus dem Film heraus und verhindert die gewünschte Terror-Atmosphäre. Auch die Schauspieler können das nicht auffangen – schlimmer noch, die meisten Schauspielleistungen sind sogar richtig schlecht. Sobald es an das große Gemetzel geht, ist das recht unerheblich, denn groß unter den Make-Up-Tonnen hervorgucken und in Agonie brüllen, das können sie. Sobald es aber an die dramatische Drogen-Ausgangshandlung geht, da verkacken sie leider auf ganzer Ebene. Da hilft es auch nicht, dass die Dialoge im Script von eindimensional bis unnötig pathetisch reichen. Immerhin, Jane Levy kriegt zwar ihre Darstellung als Drogenabhängige überhaupt nicht gebacken, schafft es aber die späteren Panikmomente gut zu vermitteln. Von der charismatischen Darstellung eines Bruce Campbell ist das trotzdem kilometerweit entfernt.

Schlussendlich muss man aber auch sagen, dass diese Kritikpunkte stören, letztendlich aber zweitrangig sind. Denn Evil Dead ist kein Requiem for a Dream und will es auch nicht sein – der Film lebt von seinen Splatter-Effekten. Und heidewitzka, darin ist er wirklich wirklich gut. So eine heitere Blutorgie hat man selten auf der Kinoleinwand gesehen. Hierbei sei bemerkt, dass – abgesehen vielleicht von der Eröffnungsszene – so gut wie kein CGI zum Einsatz kommt; hier regieren die hangemachten Effekte. Er wird geschnetzelt, gerissen, gesägt und geschnitten, dass es eine wahre Freude ist. Das ist so hemmungslos übertrieben und kreativ, dass man (zumindest als Splatter-Fan) gar nicht anders kann, als den Film in diesen Momenten unglaublich zu feiern. Damit steht dieses Reboot ganz in der Tradition seines Vorgängers, die exzessive Gewalt von The Evil Dead wurde perfekt in ein neues Zeitalter übertragen. Und ich muss sagen, Respekt, denn der Film schafft es, in seinem Gore und Gemetzel nicht langweilig zu werden, die Schraube wird konstant weiter angezogen und Alvarez überrascht immer wieder mit neuen kreativen Ideen, bis das Ganze schließlich in einem absolut überbordenden Finale jenseits von Gut und Böse eskaliert. Unterbrochen wird das des öfteren von unnötigen Pathos-Einschüben, bei denen man nicht umhinkommt, mit den Augen zu rollen, die aber dankenswerterweise angenehm kurz ausfallen.

Der Spannungsaufbau ist grundsolide und effektiv. Fede Alvarez schafft es eine düstere Atmosphäre aufzubauen und diese überwiegend zu halten. Leider erreicht er nie diese ganz spezielle Raimi-Atmosphäre – dieses schwer zu erklärende bizarre Element, die zunächst deplatziert wirkende Komik, bei der man nicht sagen kann, ob sie unbeabsichtigt ist oder nicht. Diese hatten dem Originalfilm, verbunden mit dem Low-Budget-Charme, eine ganz eigenständige bizarr-beunruhigende Atmosphäre verliehen. Das Reboot gerät da deutlich konventioneller und durch die tausendfach gesehenen Hochglanz-Farbfilter auch etwas austauschbarer. Aber die Aufmerksamkeit wird gehalten, auch wenn die Jumpscares sehr vorhersehbar ausfallen. Dafür werden den Fans der Serie immer wieder kleine Wiedererkennungs-Happen vor die Füße geworfen, sei es der klassische Ford, die ikonische Halskette oder die manischen Kamerafahrten zwischen den Bäumen. Handwerklich ist das einwandfrei gemacht und spätestens wenn die besessene Mia anfängt, mit Beleidigungen, die sogar Reagan aus dem Exorzisten die Schamröte ins Gesicht getrieben hätte, sind zumindest Ansätze von Skurrilität (ist das überhaupt ein Wort?) zu erkennen.

Um abschließend also auf mein Originalstatement zurückzukommen: Evil Dead fiel sowohl positiver als auch negativer aus als erwartet. Die Story ist gut gemeint, schlussendlich aber miserabel umgesetzt und vollkommen unnötig. Die Charaktere teilen dieses Schicksal, denn sie sind uninteressant, dämlich und die Schauspielleistungen reißen ebenfalls nicht gerade vom Hocker. Der anspruchvolle Horrorfilmfan wird hier also nicht besonders zufriedengestellt. Wer darüber hinwegsehen kann, dem eröffnet Fede Alvarez einen Partyfilm, der mit seinen grandiosen Splatter-Effekten alles andere als geizt. Die Atmosphäre ist stimmig und sorgt für passablen Grusel, auch wenn man von einer Terror-Stimmung wenn überhaupt nur ansatzweise sprechen kann. Raimis Original hatte allen Unzulänglichkeiten zum Trotz eine einzigartige ihm eigene Atmosphäre, die hier nicht erreicht wird. Aber spannend ist es allemal und ein Heidenspäßchen macht Evil Dead aber mal sowas von. Das Blut fließt in Strömen und die Dämonen lachen sich dabei einen ab – mehr verlangen die meisten Fans ja gar nicht. Und das ist völlig okay so.

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