Aliens: Die Rückkehr – Review

Franchises sind für Hollywood nicht erst seit gestern vermeintlich sichere Garanten für schnelle Kohle. Das Verfahren ist simpel: Ein Film wird aus welchen Gründen auch immer enorm populär und spielt eine Menge Geld ein – zack, schon werden Sequels bestellt, die den Erfolg ausbauen sollen. Der Traum eines jeden Filmstudios. Meistens wird versucht, die Erfolgsformel des Ursprungsfilms zu kopieren, nur mit noch größeren Schauwerten und mehr Budget (ein gutes Beispiel dafür: die „Fluch der Karibik“-Reihe), eine Rechnung die mal aufgeht, mal eben nicht.

Ich habe bereits an anderer Stelle geschrieben, wie sehr ich die „Alien“-Reihe verehre. Der erste Film von Ridley Scott aus dem Jahr 1979 ist in meinen Augen ein Meisterwerk des klaustrophobischen Horrors und einer meiner absoluten Lieblingsfilme. In meinem Prometheus-Review gehe ich näher darauf ein, was diesen im Kern recht simplen Film so genial macht. Aber wie gesagt, ich halte nicht nur Alien für einen der besten Filme aller Zeiten, für mich ist die gesamte Alien-Reihe (beziehungsweise die ersten vier Filme) eines der besten Franchises aller Zeiten. Was die nachfolgenden Filme nämlich so faszinierend und spannend macht, ist die Tatsache, dass hier eben nicht wie üblich einfach der selbe Film nochmal gedreht wurde: Stattdessen kam in jedem Alien-Film ein anderer Regisseur zum Zug, der dem jeweiligen Streifen seinen eigenen Stempel aufdrückte und seinen ganz eigenen Stil mit einbrachte. Und wir reden hier von den denkbar einflussreichsten Regisseuren der 90er, James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet. Die Meinungen über die einzelnen Filme gehen weit auseinander, für mich ist der ultra-düstere Alien 3 von Fincher (im Director’s Cut) bis heute einer der unterbewertetsten Filme überhaupt und selbst der recht misslungene Alien – Die Wiedergeburt von Jeunet hat seinen eigenen surrealen Charme und einige tolle Sequenzen, die dem Franchise frischen Wind verliehen.

Aber wenn heute von dem Alien-Franchise geredet wird, taucht vor allem ein Name immer wieder auf: James Cameron. Ja, der eine oder andere hat vielleicht mal von dem Regisseur solcher kleiner Indie-Filme wie „Titanic“, „Terminator“ oder „Avatar“ gehört. Der Name James Cameron ist bis heute ein sicherer Garant für bombastische Action, große Gefühle und erschreckend plumpe Charakterzeichnungen. Mit dem Horror-Genre bringt man so jemanden erst einmal nicht in Verbindung – was kann man also erwarten, wenn einer der finanziell erfolgreichsten Regisseure der Filmgeschichte sich an ein Sequel zu einem der einflussreichsten Vertreter des Sci-Fi-Horrors wagt? Zu genau dieser bahnbrechenden Konstellation kam es 1986. Aber kann Aliens – Die Rückkehr mit seinem übermächtigen Vorgänger mithalten?

Ellen Ripley (Sigourney Weaver) ist die einzige Überlebende der Crew des Raumschiffs „Nostromo“. Nach über 50 Jahren Kälteschlaf nimmt sie ein Bergungsschiff auf. Dort will zunächst niemand ihrer Geschichte über das mörderische Alien, das ihre gesamte Crew dezimiert hat glauben. Als jedoch der Kontakt zu einer Kolonie auf dem Planeten LV-426 abreißt – der Planet, auf dem die Nostromo damals die Alien-Eier fand – wird Ripley gemeinsam mit einer bis an die Zähne bewaffneten Marine-Einheit losgeschickt, um die Lage zu untersuchen. Unter ihnen: Corporal Dwayne Hicks (Michael Biehn), der Androide Bishop (Lance Henriksen), der großmäulige Private Hudson (Bill Paxton) und der zwielichtige Carter Burk (Paul Reiser) der Weyland-Yutani-Corporation. Auf der Kolonie angekommen merkt die ungleiche Truppe schnell, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht – was eine ganze Horde blutdürstiger Aliens wenig später unter Beweis stellt. Ein weiteres Mal muss sich Ripley – die nebenbei noch auf die kleine Newt (Carrie Henn), die einzige Überlebende  auf der Kolonie, aufpassen muss – gegen ihre Nemesis, die Aliens, stellen…sowie etwas weitaus größeres…

Ein Sequel zu „Alien“ zu machen, erscheint zunächst mal schwer, sehr schwer sogar – ist aber, wenn man genauer darüber nachdenkt, nur die logische Sequenz, denn der erste Film hinterließ viele offene Fragen. Gleichzeitig war die Gefahr groß, einfach den selben Film nochmal zu drehen, wie es bei anderen Horror-Franchises dieser Zeit gängige Praxis war. Deshalb zolle ich an dieser Stelle Cameron meinen Respekt, dass er sich nicht dazu hinteißen ließ, einfach nochmal Sigourney Weaver in ein Raumschiff mit einem Xenomorph zu stopfen und zur Jagd zu blasen. Nein, er setzte vielmehr alle Hebel in Bewegung, die ein Sequel auf dem Papier tun sollte: Cameron erweiterte das Universum, in dem der erste Film gespielt hatte, erzählte eine neue Geschichte, baute die Protagonistin aus und erhöhte Spannung und Schauwerte – klingt doch klasse, oder?

Nun, für einen Großteil der Zuschauer tut es das auch – bis heute gilt Aliens als eines der besten Film-Sequels aller Zeiten. Ich hatte von Anfang an meine Probleme mit diesem Film. Es sind nicht so sehr die Veränderungen, die mich stören; es ist die Art, wie diese Veränderungen umgesetzt werden und wie sie sich im Vergleich zum ersten Film halten. Cameron hat aus Alien einen Action-Film gemacht. Einen Action-Film mit Horror-Elementen, ja, aber es bleibt trotzdem ein Action-Film. Das wird ab dem Moment zum Problem, in dem nach einem recht effektiven Spannungsaufbau die ersten Aliens auftauchen. Ja, dieses Mal bekommen es Ripley und Co gleich mit einer ganzen Horde von den Biestern zu tun – und das ist ein Problem, denn es wertet die Bedrohlichkeit der Xenomorphs ab. Plötzlich sind sie eben nicht mehr ganz die übermächstigen Killermaschinen, die hinter jeder Ecke lauern könnten und nahezu unbesiegbar sind – nein, jetzt sind sie Kanonenfutter, die nur durch ihren Überraschungseffekt und die schiere Übermasse eine Bedrohung darstellen. Von Grauen und Angst ist da keine Spur mehr. Cameron schien das selbst erkannt zu haben, weshalb er im Finale völlig unnötigerweise noch ein „Boss-Monster“ einbauen muss. Und ohne zu viel spoilern zu wollen: Dieses letzte Finale  (technisch gesehen gibt es nämlich zwei davon) ist völliger Overkill. So ikonisch es für viele auch sein mag – sorry, für mich ist es einfach nur lächerlich.

Wie man einen Film inszeniert, das weiß Cameron wie kein zweiter. Er hat ein Händchen für einen effektiven Spannungsaufbau und ein solides Pacing – darüber hinaus weiß er Bescheid, wie er seine Bilder in Szene setzen muss, um das Maximum aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln herauszuholen. Doch James Camerons entscheidender Schwachpunkt war und ist leider die Charakterzeichnung. Selbst in Titanic, lange Zeit der erfolgreichste Film aller Zeiten, setzte er auf fast schon beleidigend simple Figuren (Billy Zanes Bösewicht hätte im Wesentlichen nur noch der gezwirbelte Schnurrbart und eine weiße Katze zum Streicheln gefehlt). Und je weniger Worte wir über den eindimensionalen Militärgeneral aus „Avater“ verlieren, desto besser. Alien 1 hatte eine simple aber effektive Charakterzeichnung, denn sie verlieh der Crew der Nostromo Persönlichkeit. Die Marines aus Aliens hingegen sind reines Alienfutter. Ein bloßer Haufen eindimensionale Knallbirnen, die ein paar tumbe, zitierfähige One-Liner raushauen dürfen, bevor sie auf möglichst grausame Art das Zeitliche segnet. Die einzigen Ausnahmen bilden der offensichtliche Love-Interest für Ripley, Dwayne Hicks, der nervige Comic-Relief Private Hudson, der emotionslose Android Bishop sowie die nervige kleine Newt, die sich erstaunlich schnell von dem Trauma, dass ihre gesamte Familie von grauenhaften Monstern zerfleischt wurde, erholt. Weder sind diese Charaktere interessant noch in irgendeiner Form vielschichtig oder sympathisch. Das macht die Handlung an vielen Stellen extrem vorhersehbar.

Mit der erneut von Sigourney Weaver gespielten Ellen Ripley kann Cameron immerhin nicht viel falsch machen – sie bleibt glücklicherweise das charismatische Kernstück der Saga, was nicht zuletzt an Weaver selbst liegt, die sich mit einer ebenso resoluten wie auch verletzlichen Performance selbst übertrifft. Leider fällt auch sie dem Versuch Camerons, seinen Film massentauglicher zu gestalten, zum Opfer. Plötzlich hat sie einen Mutterkomplex – na, was für ein glücklicher Zufall, dass sie in Newt am Ende einen Tochterersatz findet. Eine Liebesgeschichte bekommt sie auch noch auf den Hals geschrieben – Hicks hat zwar die Persönlichkeit von nasser Pappe, aber im Gegensatz zu all den anderen knurrigen Marines lächelt er des Öfteren mal und stimmt Ripley ein, zwei Mal in ihren Plänen zu…hmm, das sollte reichen, SIE LIEBEN SICH!!! Beides hatte Film 1 nicht nötig gehabt. Versteht mich nicht falsch, ich bin grundsätzlich dafür, dass Charaktere weiter ausgebaut und vertieft werden – aber James Cameron greift hier viel zu tief in den Klischeebaukasten. Davon abgesehen mündet der Plot etwas zu oft in sehr gezwungenen Situationen (instabile Reaktoren als Plot-Element gehen eben immer) oder billigen Schocks (eine Traumsequenz, direkt am Anfang? Muss das sein? Dass Ripley unter den Erlebnissen auf der Nostromo leidet, kann man geschickter vermitteln).

Ich will hier nicht den beleidigten Hipster spielen und den Film zerreißen, es hat schon seine Gründe, dass „Aliens – Die Rückkehr“ so beliebt ist: Der Spannungsaufbau ist absolut gekonnt und so sehr ich auch den klaustrophobischen Horror des ersten Teils vermisse – Cameron weiß einfach, wie man Action-Szenen inszeniert. Zudem gibt es eine kreative und tatsächlich hochspannende Szene mit einem Facehugger. Die (ausnahmslos hangemachten) Effekte und Monster-Designs sind für die Entstehungszeit top und Sigourney Weaver schafft es sowieso, den ganzen Film zu tragen. Schlussendlich bleibt der Film dem Alien-Universum treu – verwässert aber viele liebgewonnene Elemente zugunsten der Massentauglichkeit und verschenkt damit viel von seinem Potential.

Also nochmal, Aliens ist ein völlig solider Film und ein Sequel, das der Vorlage überwiegend treu bleibt. James Cameron hat der Saga seinen eigenen Stempel aufgedrückt – lässt dafür aber die Subtilität der anderen Filme vermissen. Aber er geht neue Wege und riskiert, alte Fans dabei zu verschrecken – und das ist etwas, das ich von Hollywood gerne wiederhaben möchte.

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