Der Hobbit: Smaugs Einöde – Review

Ein Jahr ist es her, seitdem unser aller Lieblings-Kiwi Peter Jackson die breit ausgewalzte Rückkehr nach Mittelerde mit Der Hobbit – Eine unerwartete Reise einläutete. Drei Filme im Jahrestakt wurden uns versprochen und pünktlich wie ein Uhrwerk erwartet uns also zur Weihnachtszeit der zweite Teil der Buchverfilmung von J.R.R. Tolkiens niedlichem 300 Seiter „Der kleine Hobbit“. Die Kritiken zu Teil 1 fielen eher gemischt aus, aber wen kümmert das schon, Teil 2 stellte sich trotzdem schon in seinem Startwochenende wenig überraschend als Kassengold heraus. Und das nicht ohne Grund, immerhin verspricht Smaugs Einöde titelgebend endlich das, was die Buchvorlage eigentlich ausgemacht hat und was die Zuschauer die ganze verdammte Zeit sehen wollten: THE MOTHERFUCKING DRAGON!!!! Das Warten hat (mal wieder) ein Ende, also wo waren wir das letzte Mal stehen geblieben?

Nach ihren wilden Abenteuern im Nebelgebirge setzen Bilbo Beutlin (Martin Freeman) und die Zwergengruppe ihre Reise zum Berg Erebor fort. Nach wie vor werden sie von dem rachsüchtigen Ork Azog und seiner Horde Soldaten gejagt. Doch diese sollen nicht die einzige Bedrohung für die Truppe bleiben, denn der Weg nach Erebor ist mit bösartigen Kreaturen und zwielichtigen Gestalten nur so gepflastert. Als wäre das nicht genug, beschließt Gandalf (Ian McKellen) auch noch, sich von den Zwergen zu trennen, um den düsteren Gerüchten über den Necromanten nachzugehen – eine Falle, wie sich für den unglückseligen Zauberer zu spät herausstellt. Mit der Hilfe des Seestadt-Bewohners Bard (Luke Evans) erreichen Bilbo, Thorin (Richard Armitage) und Co. schließlich und endlich den Berg, wo sie den Arkenstein aus den Fängen des legendären Drachen Smaug (gesprochen und gemotioncaptured von Benedict Cumberbatch) stehlen müssen.

Zusammengefasst war Der Hobbit – Eine unerwartete Reise ein sehr unterhaltsamer, wenn auch viel zu vollgestopfter Film. Man merkte Jackson häufig an, dass er das wirklich nicht besonders lange Ausgangsmaterial recht unbeholfen irgendwie auf drei überlange Filme strecken wollte. Überwiegend funktionierte das auch, aber andere Teile waren leider ziemlich überflüssig und waren eindeutiges Füllermaterial. Ähnlich geht es nun auch in Teil 2 zu. Nach einem recht zwecklosen Flashback-Einstieg kommt der Film im Düsterwald zu einem frühen Höhepunkt, in dem eine Spinnenattacke Spannung erzeugt. Handwerklich zeigt sich Peter Jackson hier von seiner besten Seite. Der direkt aus dem Buch entnommene Charakter Beorn (Mikael Persbrandt) hingegen wird viel zu eilig abgefertigt, sodass er schlussendlich überhaupt nichts zur Handlung beiträgt und genauso gut hätte rausgelassen werden können.

Genau diese Gradwanderung zwischen wirklich gut und überflüssig zieht sich durch den gesamten Film. Während der für die Handlung später noch enorm wichtig werdende Charakter Bard (Luke Evans) zwar etwas langweilig aber immerhin glaubwürdig und sympathisch rüberkommt und der von Stephen Fry verkörperte Meister von Esgaroth zwar eine recht sinnfreie, aber einfach unterhaltsame und abwechslungsreiche Figur ist, erweisen sich besonders die Elben als zweischneidiges Schwert.

Tauriel (Evangeline Lilly) taucht nicht im Buch auf, sie ist der bislang einzige Charakter in der Serie, der komplett aus Peter Jacksons Feder stammt. Leider haben die Studio-Produzenten bei ihr mal wieder ihre zum Himmel schreiende Unfähigkeit bewiesen und Peter Jackson gezwungen, ihr eine Liebesdreieck-Story zwischen ihr, dem Zwerg Kili (Aidan Turner) und Legolas (Orlando Bloom) auf den Hals zu schreiben. Anstatt also eine interessante Komponente für die Handlung zu sein, ist der Charakter vollkommen verschwendet und im Wesentlichen wieder Kate aus der Serie Lost. Evangeline Lillys Performance macht dieses gewaltige Manko durch ihre sehr sympathische Performance jedoch zumindest teilweise wieder wett; sie verleiht den gemeinsamen Szenen mit Kili oder Legolas zumindest ein klein wenig Herz.

Ach ja, übrigens, Legolas ist in diesem Film. Warum ist Legolas in diesem Film? Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung, warum Legolas in diesem Film ist. Sein Charakter ist vollkommen sinnlos und, man mag es kaum glauben, NOCH VIEL LANGWEILIGER als in den Herr der Ringe Filmen (darin waren wenigstens seine Interaktionen mit dem Zwerg Gimli unterhaltsam). Legolas darf Orks schnetzeln und dazwischen mal Tauriel anstarren. Irgendwas von wegen einer verbotenen Liebe wird da eingeräumt, aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Legolas wirklich nur aus reinem Fan-Service da ist. Hey Kinder, ihr mochtet doch alle Herr der Ringe, oder? Hier ist Legolas, der war voll so in Herr der Ringe und so und jetzt ist er hier!!! Wir hatten schon im letzten Film genug Cameos aus der Original-Trilogie, wir brauchen nicht noch mehr, vor allem nicht, wenn sie so faul in das Skript geschissen werden wie hier.

Der erste Hobbit war alles andere als fehlerlos und Peter Jackson hat diese Fehler in Film 2 leider nicht ausgemerzt, im Gegenteil, er setzt sie sogar noch fort. Die gesamte Ork-Bedrohung wurde schon in Eine unerwartete Reise etwas ermüdend, hier wird es nun einfach nur langweilig. Azog hat leider die letzte Konfrontation überlebt (SPOILER) und rennt den Zwergen nun von Anfang an wieder hinterher. Zumindest solange bis er vom Nekromanten gerufen wird und völlig ohne Erklärung von der Bildfläche verschwindet. Ersetzt wird er durch Otto-Normalork #32 (ich werde mir nicht mal die Mühe machen, seinen Namen nachzuschlagen), Azogs Sohn, der nun den Part des Anführers übernimmt. Wo der Sinn für diesen Subplot liegt? Sagt ihr es mir. Die Bedrohlichkeit der Orks ist mittlerweile vollkommen dahin und wie ich bereits in meiner letzten Review erklärte, die CGI- Orks sehen einfach viel zu künstlich aus.

Was sich völlig meinem Verständnis entzieht, ist die Frage, wie es Peter Jackson nach mittlerweile über 320 Minuten Film immer noch nicht geschafft hat, seinem Zwergen-Kollektiv auch nur den Ansatz von Persönlichkeit zu verleihen. Thorin als Anführer ist natürlich die Ausnahme und bei ihm hält sich Jackson sehr nah an die Buchvorlage. Balin (Ken Stott) ist der altehrwürdige Expositions-Zwerg und Kili bekommt immerhin in seinen Gesprächen mit Tauriel den einen oder anderen Charaktermoment geschenkt. Und Bombur (Stephen Hunter) ist…dick. Das wars. Peter, du hast DREI überlange Filme, um den Zwergen Persönlichkeit zu verleihen, warum nutzt du sie nicht?

Stattdessen liegt Jacksons Fokus wieder auf überlangen Action-Szenen, in deren Zentrum eine lange Verfolgungsjagd in einem reißenden Fluss mit den Zwergen und Bilbo in Fässern liegt. Die Szene ist unterhaltsam, aber für meinen Geschmack ist sie, wie schon der Kampf im Nebelgebirge, viel zu albern und cartoonig, was in einem Kinderfilm ja durchaus in Ordnung ist, aber es beißt sich schlicht und ergreifend mit dem epischen Unterton der Filme. Und sie dauert und dauert einfach viel zu lang. Hinzu kommen sehr austauschbare Kämpfe mit Otto-Normalork #32 und seinen Schergen, denen schlicht und ergreifend die Wucht der Kampfszenen aus Herr der Ringe fehlt.

Jetzt habe ich so viel über Smaugs Einöde hergezogen, Zeit für das Positive. Nach insgesamt vier Mittelerde-Filmen ist die Gefahr natürlich groß, dass sich die Schauplätze irgendwann zu wiederholen beginnen. Irgendwann hat man einfach jede Neuseeland-Panorama-Kamerafahrt gesehen. Aber nicht mit Jackson. Die neuen Schauplätze, sei es der Düsterwald, die Ruinenfestung Dol Guldur oder die Seestadt sind frisch und sehen fantastisch aus. Besonders letztere ist ein Meisterstück des Setdesigns, fügt sich aber wunderbar in die Welt von Mittelerde ein. Das Ringe-Feeling ist nach wie vor da und macht einen nicht geringen Teil des Unterhaltungswertes aus.

Kommen wir nun aber mal endlich zu dem, auf das eigentlich alle gewartet haben: Den MOTHERFUCKING DRAGON!!! Smaug war das Kernstück des Buches und wurde im letzten Film bereits effektiv angeteast. Und war die Gollum-Szene das Highlight aus Film 1, so ist hier das Aufeinandertreffen von Bilbo und Smaug unbestritten das absolute Highlight. Und ja, allein diese Szene ist schon der Preis für eine Kinokarte wert. Sie ist so gut. Jackson vereint in den Dialogen alle Stärken aus der Buchvorlage und sorgt in dem ständigen Katz-und-Maus-Spiel zwischen Bilbo und Smaug die spannendsten, intensivsten Momente des gesamten Films. Das Wichtigste jedoch: Der Drache sieht fantastisch aus. Mögen die Orks noch so künstlich aussehen, bei Smaug hat WETA ganze Arbeit geleistet. Die gesamte majestätische Größe und Bedrohlichkeit von Smaug wird voll ausgespielt und enttäuscht wirklich kein bisschen.

Nicht zuletzt ist das auch Benedict Cabbagepatch … Cumberbunch … Thunderpants … Dunderbland …. Benedict Cumberbatch zuzuschreiben. Der britische Sherlock-Schauspieler hat Smaug nicht nur gemotioncaptured, sondern ihm auch seine charakteristische tiefe Stimme verliehen. Und ja, sein donnernder, dröhnender Bass passt wie die Faust aufs Auge. Jackson begeht leider den Kardinalfehler, die brillanten Szenen zwischen Bilbo und Smaug immer wieder mit dem Angriff von Otto-Normalork #32 auf Seestadt zu unterbrechen, was zumindest mich immens gestört hat. Die Orks interessieren niemanden, wir wollen mehr Drachen. Wer auf den ikonischen Angriff Smaugs auf Esgaroth gewartet hat, der wird hier leider enttäuscht, denn Jackson entscheidet sich dafür, Smaugs Einöde auf dem gemeinsten Cliffhanger überhaupt enden zu lassen – nur um dann im Abspann mit einem sowas von deplatzierten Song die komplette aufgebaute Atmosphäre wieder komplett zu zerstören.

Über die verbleibenden Schauspielleistungen lassen sich nicht allzu viele Worte verlieren. Martin Freeman – immer noch eine großartige Leistung, auch wenn er als titelgebender Hobbit in diesem Film kaum etwas zu tun bekommt, was etwas schade ist. Zudem bleibt seinem Charakter nach dem letzten Film keine große Möglichkeit zur Weiterentwicklung mehr, was ihn beizeiten ein klein wenig überflüssig wirken lässt. Ansonsten gibt es schauspielerisch keine Ausfälle: Ian McKellen, Richard Armitage, Lee Pace, Sylvester McCoy, Luke Evans…mit Ausnahme von Orlando Bloom sind das alles mehr als saubere und glaubwürdige Performances.

Lohnt es sich also, sich erneut 160 Minuten Sitzfleisch anzutrainieren für Der Hobbit – Smaugs Einöde? Antwort: Ja – mit Abstrichen. Der Film ist vollgestopft und hat viele Füller, aber die lohnenswerten Szenen sind einfach zu lohnenswert. Smaug ist das unbestrittene Highlight, aber auch die Düsterwald-Sequenz, Seestadt, die Konfrontation in Dol Guldur etc etc…das alles reicht für mich, um eine eindeutige Empfehlung auszusprechen. Es gibt viel negatives zu schlucken, aber das Positive überwiegt. Und nächstes Jahr werden wir aller Kritik zum Trotz ja doch wieder alle in Teil 3 stürmen. Wir sehen uns also 2014 im Hobbit – Hin und wieder zurück. Die Reise ist noch nicht vorbei.

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2 Gedanken zu “Der Hobbit: Smaugs Einöde – Review

  1. Tja David, nach langer Zeit mal wieder deine Filmkritik gelesen. Ich glaube ich warte bis der Film auf DVD ist und spare mir die Kinokarte. Schade das du ernst zu nehmende Rezensionen immer noch mit pubertären Schlagworten garnieren mußt…das hast du doch nicht nötig, und ist nicht sehr professionell.

  2. Pingback: Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere – Review | gerry42

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