The Grand Budapest Hotel – Review

Oh Wes Anderson! Fernab von aktuellen Hollywood-Trends, Genrekonventionen und Studioeinschränkungen gibt es da noch immer diesen einen amerikanischen Regisseur, der ganz einfach sein eigenes Ding durchzieht. Und das sehr erfolgreich. Trotz minimaler Budgets schafft er es dabei irgendwie immer, seine Filme mit renommierten Hollywood-Stars zu füllen. Von dem aus einem Kurzfilm entstandenen Erstling „Durchgeknallt“ über das stargespickte „Royal Tennenbaums“ und dem Stop Motion-Werk „Der fantastische Mr. Fox“ bis hin zu dem skurril-liebenswürdigen „Moonrise Kingdom“ – nicht nur unter Filmkennern ist der Name Wes Anderson nach sieben hochwertigen Spielfilmen ein Garant für Qualität. Jetzt liegt Film Nummer Acht vor, „The Grand Budapest Hotel“ – wohlgemerkt weder ein Remake noch eine Fortsetzung oder eine Buchadaption. Erneut gespickt mit Stars, erneut Hit auf sämtlichen Filmfestivals. Aber schafft es Anderson wirklich, seinen selbst hoch angelegten Qualitätsmaßstab zu halten?

Ein junger Schriftsteller (Jude Law) versucht im Grand Budapest Hotel in der Republik Zubrowka seine Schreibblockade loszuwerden. Während er bei einem heißen Bad vor sich hingrübelt, lernt er den alten Stammgast des Hotels, Zéro Moustafa (F. Murray Abraham) kennen. Dieser erzählt ihm von seiner Zeit als Lobbyboy im Jahr 1932, als er von Concierge Monsieur Gustave H. (Ralph Fiennes) als Lehrling und Protegé aufgenommen wurde. Nach dem Tod der Witwe Céline Villeneuve (Tilda Swinton) erbt Gustave unerwartet das überaus wertvolle Gemälde „Jüngling mit Apfel“. Das wiederrum ruft Sohn Dmitri (Adrien Brody) auf den Plan, der das kostbare Stück ebenfalls haben will und kurzerhand einen Killer (Willem Dafoe) auf Gustave und Zéro ansetzt. Eine turbulente Verfolgungsjagd durch ganz Österreich-Bulgarien nimmt ihren Lauf.

Mittlerweile kommt man ja nicht umhin, sich zu fragen, was in Wes Andersons Schädel eigentlich vorgeht. Ein weiteres Mal kommt in seinem Film ein überbordendes Maß an Fantasie und Einfallsreichtum zum Vorschein. Das Tempo ist unfassbar hoch, die brillant geschriebenen Wortwechsel schnell und auf den Punkt. Realismus ist hier nicht das Ziel, das macht Anderson von Anfang an klar und bei einer skurrilen Ski-Verfolgungsjagd wird der Film sogar zwischenzeitlich zum Cartoon und erinnert mehr als nur einmal an Andersons Stop-Motion-Film „Der fantastische Mr. Fox“.

Auch die Sets explodieren quasi vor kleinen Details. Dieses Mal setzt Anderson häufig auf kleine, klar als solche erkennbare Miniaturmodelle und gemalte Hintergründe, was dem Film eine ganz eigene Ästhetik verleiht. Besonders auffallend ist der Wechsel der Bildformate: In diesem Film arbeitet der Regisseur mit unterschiedlichen Seitenverhältnissen, was die einzelnen Zeitebenen voneinander abgrenzt und die eigenwillige Ästhetik Andersons nur nochmal unterstreicht. Schließlich sei noch die temporeiche Musik von Alexandre Desplat erwähnt, die ordentlich Stimmung macht, sich nahtlos in die Szenen einfügt und dafür sorgt, dass man das Kino mit einem breiten Grinsen verlässt.

Kommen wir zu den Schauspielern, denn da ist immerhin einiges abzudecken. Dies ist ein Wes Anderson-Film, die weiter oben beschriebene Fülle an Charakteren sollte also niemanden mehr überraschen. Naja, vielleicht doch, denn in „The Grand Budapest Hotel“ übertrifft sich Anderson quasi selbst, denn hier tauchen so viele verschiedene Figuren auf wie in bislang keinem Anderson-Film. Diese werden von einer Star-Riege verkörpert, die ihresgleichen sucht, selbst die kleinste Nebenrolle ist mit einem bekannten Gesicht besetzt. Darunter sind natürlich die üblichen Anderson-Verdächtigen wie Jason Schwartzman, Owen Wilson oder der obligatorische Stammgast Bill Murray. Auch Jeff Goldblum, Harvey Keitel oder Edward Norton tauchten schon in dem einen oder anderen Film des Regisseurs auf. Neu in der Riege ist unter anderem F. Murray Abraham und ich muss sagen, es hat mich sehr glücklich gemacht, den „Amadeus“-Star endlich mal wieder in einer vernünftigen Rolle aufblühen zu sehen.

Die Vielzahl an Cameos, seien sie noch so groß oder klein, machen sehr viel Spaß, lenken aber gleichzeitig ein wenig von der Story ab, da es sich eben um Gesichter mit großem Wiedererkennungswert handelt. Da reißt so ein Owen Wilson oder Harvey Keitel schnell mal aus der Story heraus. Gleichzeitig sei aber auch angemerkt, dass Anderson jeden seiner Darsteller, sei seine Rolle noch so groß oder klein, passend in den Film einbaut. Besonders hervor sticht dabei Tilda Swinton, die unter dem Make-Up einer 84 Jahre alten Dame kaum mehr wiederzuerkennen ist. Und, es tut mir leid, aber eine perfektere Besetzung für Willem Dafoe wird es in diesem Millenium nicht mehr geben. Der Schauspielveteran hat so viel sichtbaren Spaß an seiner Rolle als Auftragskiller, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als jedes Mal Tränen zu lachen, wenn er auf der Leinwand auftaucht.

Im Kern ist „The Grand Budapest Hotel“ allerdings mehr als ein bloßes Starvehikel. Hauptsächlich folgt der Zuschauer nämlich dem Concierge Monsieur Gustave und seinem Lobbyboy. Die beiden verbindet eine fantastische Chemie, was natürlich vor allem den Darstellungen von Ralph Fiennes und Tony Revolori, der den jungen Zéro verkörpert, zuzuschreiben ist. Gerade Zéro erdet das Geschehen deutlich und bietet so den nötigen Kontrast zu Fiennes, der als poetischer und eigenwilliger Concierge auftrumpft und für einen Lacher nach dem anderen sorgt.

Ein wenig ins Leere führt hingegen der Nebenplot um Zéros große Liebe Agatha (Saoirse Ronan). Zwar spielt auch sie eine wichtige Rolle in der turbulenten Handlung, aber die Beziehung zwischen ihr und Zéro bleibt dann doch etwas blass. Zumal Agatha als Figur auch nicht besonders interessant ist. Das ist sehr schade, denn gerade Moonrise Kingdom hatte gezeigt, wie gut Anderson im Erzählen von kauzigen Liebesgeschichten ist. Ebenfalls nicht ganz erschließen will sich mir der Einsatz von den verschiedenen Zeitebenen. Die Haupthandlung ist im Wesentlichen eine Rückblende in einer Rückblende, was etwas unnötig ist. Als Rahmen hätte das Gespräch zwischen Jude Law und F. Murray Abraham nämlich völlig ausgereicht.

Ein guter Freund von mir äußerte erst kürzlich die Sorge, dass Wes Anderson in seinem Stil Gefahr läuft, sich zu wiederholen. Da fällt schnell schonmal der Name Tim Burton, der mittlerweile in seinem eigenen Filmstil gefangen zu sein scheint und in Selbstzitaten schwilgt. Der Vergleich ist nicht allzu weit hergeholt, schließlich setzt auch Anderson auf die immer gleichen Schauspieler und auch sonst lassen sich immer wieder Ähnlichkeiten zu älteren Wes Anderson-Filmen finden.Dieses Mal gibt es ein, zwei schwarzhumorige Gewalteinlagen, die extrem unerwartet daherkommen, ansonsten sollte jeder Fan des Regisseurs wissen, was ihn hier erwartet.

Was Anderson jedoch grundlegend von Burton unterscheidet, ist sein purer Enthusiasmus. Wie alle bisherigen Filme sprüht auch „The Grand Budapest Hotel“ nur so vor Energie und Freude. Zumal sich die Ähnlichkeiten auf den Stil beschränken, denn sowohl Setting als auch Figuren und Story unterscheiden sich massiv von seinen anderen Filmen. Es passiert einfach zu viel und alle Beteiligten haben viel zu viel Spaß, als dass es redundant wird. Wes Anderson will genau diese Geschichte erzählen und zwar so und nicht anders, keine Kompromisse. Sein Stil kann einfach nicht kopiert werden, er hat ihn über die Jahre hinweg weiterentwickelt und perfektioniert. Das hat einfach Respekt verdient. Ich freue mich schon auf das nächste Bill Murray-Cameo!

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