Godzilla (2014) – Review

 

Hach ja, Godzilla. Seit 60 Jahren trampelt die japanische Riesenechse bereits auf Wolkenkratzern und Riesenmotten herum. Über 30 Filme lang kämpfte er gegen King Kong, Mothra, Destoroyah und Co. Nicht mal Roland Emmerichs Gurke von Film konnte verhindern, dass Godzilla mittlerweile so tief in unserer Popkultur verwurzelt ist, dass dem schuppigen Kollegen sogar einen eigenen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame verliehen wurde. Und nur um das direkt mal zu klären: Ich kenne mich nicht wirklich mit Godzilla aus. Abgesehen von Emmerich habe ich, wenn es hochkommt, gerade mal zwei bis drei Godzilla-Filme gesehen, mein Hintergrund-Wissen ist also limitiert.

Was ihr also hier findet, ist eine Kritik aus der Perspektive eines Kinogängers, der den Film als eigenständiges Werk beurteilt – für die Perspektive eines echten Fans mit Kontextwissen seid ihr mit dem Kollegen von Kopf & Kino besser beraten. Am besten, ihr lest beide Kritiken, dann sind alle Beteiligten glücklich.

Der frisch aus dem Krieg heimgekehrte Ford Brody (Aaron-Taylor Johnson) wird nach Japan gerufen, um seinen Vater Joe (Bryan Cranston), der unerlaubt in militärisches Sperrgebiet eindrang, abzuholen. Dieser ist nach dem tragischen Tod seiner Frau (Juliette Binoche) von einer Reihe mysteriöser Erdbeben nahezu besessen. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass Joe Recht hat: Aus den Tiefen des Untergrunds erwachen M.U.T.O genannte Monster, die sich von radioaktivem Material ernähren und dabei eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Doch die Natur hat ihre eigenen Wege, die Balance wiederherzustellen und schickt ein urzeitliches Alpha-Raubtier mit dem altbekannten Namen Godzilla ins Rennen. Während Godzilla sich auf den Weg macht, um ein paar M.U.T.O.-Hintern zu treten, liegt es an Ford, seine Frau und sein Kind in Sicherheit zu bringen und einen gefährlichen Nuklearsprengkopf im Nest der M.U.T.O.s zu entschärfen.

Eine der am häufigsten auftretenden Beschwerden über Gareth Edwards Godzilla-Interpretation ist gleichzeitig eine der offensichtlichsten: Für einen Film mit dem Titel „Godzilla“ bekommen wir erstaunlich wenig Godzilla zu sehen. Über die meiste Zeit bekommen wir nur kurze Einblicke, Andeutungen und Ausschnitten des Monsters zu sehen. Erst nach einer Stunde bekommen wir die glorifizierte Eidechse in all ihrer Pracht zu sehen und selbst dann dauert es noch eine Weile, bis sich die volle Monster-Action in einem krachenden Finale entlädt…das dann verhältnismäßig knapp ausfällt. Wurden Godzilla-Fans hier also um ihr hart verdientes Eintrittgeld betrogen? Nope, nope und Doppelnope! Wir bekommen in „Godzilla“ sehr wenig Godzilla geboten, das ist richtig – und eine vollkommen richtige Entscheidung.

Gareth Edwards scheint bei den alten Monster-Meistern gelernt zu haben: Wenn uns die großen Klassiker à la Alien, Der weiße Hai und Konsorten eines gezeigt haben, dann dass der Spannungsaufbau mehr als nur die halbe Miete ist. Wenn man sein Monster direkt zu Beginn von oben bis unten zeigt, bleibt dem Film keine Steigerungsmöglichkeit mehr. Dann haben wir nämlich bereits alles gesehen. Edwards tut das Richtige und lässt uns auf Godzilla warten. Wir sehen das Viech in Ausschnitten, wir sehen seine beträchtlichen Rückenschuppen, wir sehen seinen gewaltigen Schwanz (bitte reiß diese Aussage nicht aus ihrem Kontext, Internet!), wir sehen die monströsen Stampfer, aber bis wir Godzilla mitsamt seinem hinreißenden Schulbubengrinsen sehen, dauerts eben. Das steigert die Erwartung, das steigert die Spannung und es verleiht den Szenen, in denen wir „Gojira“ höchstdaselbst endlich beim feisten Monsterkicken beobachten dürfen, so viel mehr Wirkung.

Und ja, sobald der feine Überdino dann endlich in beeindruckend aus dem Low Angle gefilmten Einstellungen über die Leinwand fegt, dürften Godzilla-Fanboys wie Monsterfilmfans mehr als nur ein freudiges Quieken entfahren. Die Monster-Effekte sehen geil aus und können sich auf Großleinwand definitiv sehen lassen. Straßenzüge und Wolkenkratzer werden in gewaltigem Ausmaß zerlegt und Godzilla erhält mehr als nur einen Badass-Moment. Gareth Edwards weiß genau, was er seinen Fans zu bieten hat und er nutzt es voll aus. Ich muss gestehen, auch mir, der ich von Godzilla recht wenig Ahnung hat und auch sonst kein großer Freund des Bombastkinos ist, entfuhr ein breites Grinsen als der Schweif unseres Antihelden in ein verheißungsvoll glühendes Blau wechselte. Diese Momente machen Spaß und hätten ohne den von Edwards so effektiv eingesetzten Spannungsaufbau nicht dieselbe Wirkung gehabt.

Was aber macht ein Godzilla-Film, der sich bewusst dazu entscheidet, recht wenig Godzilla zu verwenden? Nun, er konzentriert sich auf die Charaktere. Und da hört mein Wohlwollen leider endgültig auf, denn hier zeigen sich ernsthafte Schwächen in „Godzilla“: Die Figuren in dem Film sind langweilig. Totenlangweilig. „Kick-Ass“-Darsteller Aaron-Taylor Johnson spielt hier die Hauptrolle, die einen Großteil des Films tragen und mit emotionalen Bezugspunkten versehen soll. Er scheitert. Kläglich. Weder Drehbuch noch Darsteller überzeugen hier, Johnson hat das Charisma von drei Metern Linoleum. Zugegeben, besser als Matthew Broderick aus der Emmerick-Version, der weitäugig auf eine Palette Fisch guckt und dumme Sprüche von sich gibt, ist das allemal, trotzdem spricht das nicht wirklich für Edwards Film und Johnsons Performance: Seine Figur hat nicht einen einzigen Charakterzug, er ist im Wesentlichen ein unemotionales Stück Holz, das durch die Gegend eiert, während um ihn herum Dinge passieren. Inwieweit das Johnson zuzuschreiben ist, darüber lässt sich sicherlich streiten. Aber das, was hier Spannung erzeugen soll – die Frage, ob Johnson auf seiner Mission Erfolg hat und seine Familie wiedersehen wird – verkackt hier auf ganzer Linie.

Auch der Rest der Figurenriege hat es da nicht besser. Am besten stellt sich noch Bryan Cranston an, auch wenn dieser auf die klischeebehaftete Rolle eines gebrochenen Wissenschaftlers, dem nach dem Tod seiner Frau niemand Glauben schenken will, dass eine Katastrophe unmittelbar bevorsteht, reduziert wird. Aber Cranston ist, das muss ich auch als jemand, der kein großer „Breaking Bad“-Fan ist, sagen, ein fähiger Schauspieler. Seiner mitreißenden Performance ist es zu verdanken, das der ebenfalls sehr klischeehaft gestaltete Einstieg durchaus emotional und bewegend ausfällt. Sobald Cranston dann von der Bildfläche verschwindet, kommt schnell Frust auf, denn das bedeutet, dass wir von nun an mit Linoleum McSteingesicht aka Aaron-Taylor Johnson festkleben.

Cranston ist nicht der einzige Qualitätsschauspieler, der hier unter seinen Möglichkeiten bleibt: Juliette Binoche wird in einer äußerst undankbaren Nebenrolle verheizt, während Elizabeth Olsen recht ambitioniert gegen die Tatsache ankämpft, dass sie in dem Film mal so gar nix zu tun hat. Ken Watanabe darf den Quoten-Japaner des Films geben und einige belanglose Pseudo-Weisheiten über Godzilla und das Gleichgewicht der Natur daherblubbern. Und David Strathairn wird letzten Endes auf den Militärgeneral mit einem einzigen Gesichtsausdruck, der schonmal die Nuklearraketen scharfmacht, reduziert.

Auf welcher Ebene soll man den neusten Godzilla-Streich also beurteilen? Im Vergleich zu Roland Emmerichs Godzilla gewinnt Gareth Edwards Version mit absoluter Leichtigkeit. Die Effekte sind top und es taucht nicht ein einziges Mal Matthew Broderick auf: Win! Wer in den Film geht und krasse Monsteraction erwartet, könnte hingegen unter Umständen enttäuscht werden, denn der Film nimmt sich Zeit für seinen Spannungsaufbau. Wer so lange warten kann, wird mit einigen sehr coolen Momenten belohnt, die Godzilla-Fans förmlich zum Spontanapplaus zwingen dürften. Dazwischen ist allerdings nichts, was die Aufmerksamkeit des Zuschauers hält, denn die Charaktere wie auch die Story sind lächerlich belanglos; da kann auch Heisenberg nichts mehr retten. Fans des Franchises dürften zufrieden sein, denn Fan-Service gibt es genug. Alle anderen sind dann vielleicht doch mit Pacific Rim besser beraten – der hat zwar weder Spannungsaufbau noch interessante Figuren, bietet Actionfans aber wenigstens mehr Monster-Kloppe. Wer’s mag…

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