13 Horrorfilm-Geheimtipps zu Halloween

 

Bald ist wieder Halloween und wie es sich für einen Spuk-Feiertag wie diesen gehört (auch wenn sich in Deutschland niemand so wirklich für Halloween interessiert) ist es an der Zeit, sich dem Horror-Genre zu widmen. Ich habe schon genug darüber geredet, welche Horrorfilme man um jeden Preis meiden sollte und nachdem mir kürzlich ein Kumpel mitteilte, dass er allen Ernstes „The Conjuring“ für den besten Horrorfilm aller Zeiten hält, wird es höchste Eisenbahn, dass ich mal ein paar Empfehlungen des Grauens in den Raum werfe. Unverzichtbare Klassiker wie „Alien“, „Texas Chainsaw Massacre“, „The Thing“ oder „The Shining“ werden hier nicht auftauchen, denn wenn ihr die nicht kennt, habt ihr so schon genug aufzuholen, da habt ihr hier nix in dieser Liste verloren. Nein, ich rede von Horrorfilmtipps, die vielleicht nicht jeder auf der Kette hat, die man pünktlich zu Halloween mal antesten sollte.

 

Der Exorzist 3 (1990)

Was soll man über William Friedkins „Der Exorzist“ schon noch sagen? Mir fällt jedenfalls nichts ein, es ist alles schon gesagt worden. Der bis heute einzige Horrorfilm, der mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, ist ein unsterblicher Klassiker und wer jetzt hier ernsthaft ankommt und mir einen erzählen will, dass er dieses auch heute noch erschreckende Meisterwerk noch nie gesehen hat, der verziehe sich bitte mit sofortiger Wirkung verschämt aus dieser Liste und gucke den Film zur Strafe gleich fünfmal hintereinander. Aber Besessenheit hin, Schleimspucken her – es gibt einen Film im Fahrwasser dieses Seminarstreifens, der bis heute sträflich ignoriert bleibt: Teil 3 der Reihe wirkt wie eine Entschuldigung für den grauenhaften „Exorzist 2“. Unter der Regie von William Peter Blatty höchstpersönlich zeichnet sich „Der Exorzist 3“ durch unheimliche Bilder, effektive Schocks und großartige Schauspielkunst von George C. Scott und besonders Brad Dourif als schizophrener Gemini-Killer aus. Natürlich ist Teil 3 weit davon entfernt, dem Original auch nur ansatzweise das Wasser reichen zu können und ein paar Szenen hier sind eher von unfreiwilliger Komik – wer sich aber auf die dunkle Geschichte einlässt, wird mit einem hochgradig soliden und an manchen Stellen grandios gruseligen Nachfolger belohnt. Aber lasst bloß die Finger von Teil 2!!!

 

Suspiria (1977)

Italien ist jetzt heutzutage nicht so das Land, das man mit filmischem Grauen und Terror assoziiert. Aber glaubt mir, das ist ein Trugschluss. Zumindest wenn um „Suspiria“ des Regisseurs Dario Argento geht, stehen die Stiefelbewohner den Klassikern in nichts nach. Der Altmeister und Mitbegründer des  „Giallo“ (ein Filmgenre, in dessen Zentrum oft stylisch inszenierte und fotografierte Mordszenarien stehen) lieferte mit seiner Story um grauenhafte Vorkommnisse in einer Ballettschule einen wunderbar anzusehenden Horrorfilm ab, der neben seinen grandiosen Bildern vor allem durch die eingängige und mysteriöse Musik überzeugen kann. In seinen Schocks und Szenarien bleibt Argento extrem kreativ, sodass hier selbst bei erfahrenen Horrorguckern zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, alles schonmal irgendwie gesehen zu haben, durch die Synapsen wabert. Klar, einige Szenen sind besser gealtert als andere, aber die eine oder andere schlaflose Nacht ist nach „Suspiria“ auf alle Fälle garantiert. Nur Madenphobiker sollten um diesen Film eventuell einen Bogen machen…

 

May (2002)

Keine Angst, ich bleibe hier nicht nur bei Horrorfilmen von anno dazumal; auch unter den modernen Vertretern des Genres gibt es die eine oder andere Perle zu finden. Eine dieser Perlen ist „May“ von Lucky McKee – ein kleiner, fieser Indie-Horrorfilm mit einer wirklich unheimlichen Titelfigur. Unbehaglich, peinlich und extrem seltsam – die Tatsache, dass wir alle schonmal irgendwie eine Person wie May getroffen haben, macht diesen Film umso unheimlicher. Eine unkomfortable Spannung zieht sich durch den ganzen Film und auch wenn die Eskalation am Ende keine große Überraschung darstellt, macht sie einfach Spaß, denn wie der Rest des Films ist sie einfach so wunderbar…fies.

 

So finster die Nacht (2008)

Vampire sind scheiße. Den Gedanken dürfte jeder vernünftig denkende Mensch nach dem „Genuss“ eines Twilight-Buches oder -Films haben und er/sie hätte vollkommen recht damit. Diese größte Tennie-Sülze unseres Zeitalters hat das Vampirgenre gekillt – vorbei sind die Zeiten, wo Vampire dank Bela Lugosi, Christopher Lee oder meinetwegen auch Tom Cruise noch wirklich cool waren. Aber es gibt da eben immer noch diesen Silberstreifen am knoblauchdurchzogenen Horizont: Neben dem südkoreanischen „Thirst“, der die Blutsauger endlich mal wieder gefährlich machte, zeigt vor allem eine schwedische Buchverfilmung, wie man eine Mensch-Vampir-Romanze vernünftig erzählt. Die zarte Liebesgeschichte zwischen einem kleinen Jungen und einem Vampirmädchen ist poetisch, dramatisch und an den richtigen Stellen auch verdammt blutig. Vor allem aber wird man hier in die Story hineingezogen und fiebert mit dem tragischen Liebespaar mit, denn es erzählt seine Geschichte unerbittlich mit all seinen dunklen Konsequenzen aus. „So finster die Nacht“ ist ein Geheimtipp für alle, die subtile Horrorfilme mit glaubhaften Figuren zu schätzen wissen. (Übrigens: FINGER WEG von dem amerikanischen Remake „Let me in“!!! Ich meins ernst!)

 

Tokyo Gore Police (2008)

Man muss Japan nicht verstehen. Vor allem nicht, wenn es um Horror geht. Da regiert oft der pure Wahnsinn und recht schnell fallen die fassungslosen Worte „Was bitte passiert da grade auf meinem Bildschirm?“ Sich hier für einen Mindfuck-Vertreter zu entscheiden ist fast schon unmöglich – von „Suicide Club“ über „Tetsuo – The Iron man“ bis hin zu dem abgedrehten Klassiker „Hausu“ ist die Schublade des japanischen Horrorwahnsinns einfach viel zu voll mit empfehlenswerten Höllentrips. Aber Tokyo Gore Police setzt da eben noch einen drauf – hier regiert der pure Mutantenzirkus. Das Ganze wird dann so absurd und so blutig, dass man anschließend nicht übel Lust hat, sich einfach mal 30 Minuten lang eine grün gestrichene Raufasertapete anzugucken, nur um wieder runterzukommen. Absurde Plotpoints, irrsinnige Twists, hektoliterweise Blut – only in Japan, baby.

 

Bis das Blut gefriert (1963)

Der älteste Vertreter auf meiner Liste hier…und zweifellos einer meiner persönlichen Favoriten. Neben „Alien“, „Shining“ und „Psycho“ ist der Original „The Haunting“ (so der amerikanische Titel) einer meiner absoluten Lieblingshorrorfilme. Von außen betrachtet eine gewöhnliche Geisterhaus-Geschichte wirkt der Film gerade dadurch, dass man nie genau weiß, ob die unheimlichen Geschehnisse wirklich so geschehen oder nur im Kopf der Protagonistin vor sich gehen. Mit simpelsten Mitteln schafft es Regisseur Robert Wise maximale Spannung aufzubauen – wer hätte gedacht, dass ein einfaches Pochen an der Tür auch heute noch so furchterregend sein kann? Und auch wenn das 90er Remake diesen Klassiker übel geschändet hat, bleibt die Atmosphäre in diesem schwarz-weiß-Film einzigartig.

 

The Descent – Abgrund des Grauens (2005)

Hmmm, lass uns mal auf eine Höhlentour gehen. Was soll schon passieren? Ne ganze Menge natürlich, immerhin ist „The Descent“ ja ein Horrorfilm und basierend auf dem, was in dieser Perle von Neil Marshall so alles in der Finsternis lauert, hätten sich diese Protagonistinnen lieber einen gemütlichen Urlaub am Strand von Acapulco oder so gönnen sollen. Das klaustrophobische Gefühl, das sich in den fantastischen Höhlensets auftut, überträgt sich schnell auf den Zuschauer und sorgt für Spannung der näägelkauenden Art. Hinzu kommt eine fantastische Arbeit mit (spärlichem) Licht und Schatten und sympathischen Figuren, die zur Abwechslung tatsächlich mal Persönlichkeit haben und nicht bloß charakterloses Horrorfilm-Frischfleisch sind, was dazu führt, dass der Zuschauer eine emotionale Bindung aufbaut anstatt bloß zu jubeln, dass die nächste Person weggefrühstückt wird. Von dem Sequel sollte man sich allerdings tunlichst fernhalten, das sind nämlich 94 Minuten pure Zeitverschwendung. Ach ja, ein vollständiges Review dazu hab ich übrigens auch noch in petto, biddeschön.

 

Freddy’s New Nightmare (1994)

Freddy Krueger ist eine dieser unkaputtbaren Horrorikonen, die ihren Weg in unsere Popkultur gefunden hat. Seit Wes Craven in „A Nightmare on Elm Street“ den klingenbewehrten Killer, der ausschließlich in deinen Alpträumen zuschlägt einführte, mordete sich das sympathische Pizzagesicht in unsere Herzen. Nach insgesamt sechs Filmeinträgen war die Figur allerdings von der unheimlichen Horrorgestalt zum sprücheklopfenden Clown mutiert. So lag es an Craven, Freddy wieder zurück zu seinen Ursprüngen zurückzuführen und gleichzeitig die festgefahrene Struktur des Franchises ein wenig aufzumischen. Ergebnis war ein bis heute umstrittenes Meta-Werk, in dem die Schauspieler des Originalfilms sich selbst spielen und mit dem Freddy, den sie bislang nur für eine Filmfigur hielten, konfrontiert werden. Im Gegensatz zu den anderen Nightmare-Filmen gibt es hier nur sehr wenig Freddy zu sehen – aber seine Präsenz ist stetig spürbar, was in einem wunderbaren Spannungsaufbau und einem endlich wieder gruseligen Freddy Krueger resultiert. Nicht jedermanns Sache, aber in meinen Augen definitiv ein Geheimtipp, den man nicht verpassen sollte.

 

Audition (1999)

Kommen wir nochmal zurück auf Japan. Die Damen und Herren aus dem fernen Osten sind nämlich nicht nur Meister des absurden Funsplatter à la Tokyo Gore Police, sondern haben es auch drauf, wenn es um nervenstrapazierenden Horror geht. Vertreter wie „Ring“ oder „Ju-On: The Grudge“dürften da bekannte Schlagworte sein und gerade „Ju-On“ kann ich nur empfehlen, wenn ihr mal wieder so richtig Schiss haben wollt. Aber diese Filme sind durch ihre (minderwertigeren) amerikanischen Remakes hinlänglich bekannt und so werfe ich stattdessen lieber den Namen Takashi Miike in den Raum. Der irgendwie auch nicht ganz dichte Japaner mit einer seltsamen Vorliebe für Yakuza-Motive ist für den einen oder anderen Klassiker im Splatter-Sektor verantwortlich, darunter der überbordend brutale „Ichi the Killer“ oder die herrliche Mindfuck-Granate „Gozu“. Aber wenn es um Horror und Atmosphäre geht, ist es wohl eindeutig „Audition“, der in diese Liste gehört. Dabei kann der Eindruck zunächst ganz schön täuschen, denn der Film beginnt wie eine romantische Komödie, wie sie auch in Hollywood hätte gedreht werden können. Aber sehr schnell merkt man als Zuschauer, dass hier etwas nicht ganz knusper ist. Das Spiel mit den Erwartungen und Perspektive sorgt für einen schleichenden Spannungsaufbau. Hier sei dann allerdings eine Warnung angebracht. Die letzten 15 Minuten gehören zu den fiesesten Momenten der Filmgeschichte, bei der sogar ich kaum hingucken kann.

 

A Tale of Two Sisters (2003)

Neben Japan hat auch Südkorea einiges auf dem Kasten, was Horror angeht (The Host und Thirst sind zwei so Perlen, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen). A Tale of Two Sisters (erneut gilt hier: Haltet euch von dem amerikanischen Remake fern!!) baut dabei so eine zünftige Spannung auf, dass man fast schon erleichtert ist, wenn es zum Schock oder Jumpscare kommt. Hinzu kommt eine clever erzählte, ziemlich abgefuckte Story (klar, wir reden hier immerhin von südkoreanischen Filmen) und überzeugenden Schauspielern und schon haben wir den einzigen Film, bei dem ich wirklich sogar in einer Szene vor Angst aufgeschrien habe. Noch Fragen?

 

Die Körperfresser kommen (1978)

Gut, man kann argumentieren, dass „Invasion of the Body Snatchers“ (so der Originaltitel) jetzt nicht der spektakuläre Geheimtipp und mehr ein unverzichtbarer, selbstverständlicher Klassiker ist. Aber dafür wird für meinen Geschmack heutzutage viel zu wenig über diesen Film geredet. Dieses beste Beispiel für ein gelungenes Horrorfilm-Remake (mach dir Notizen, Michael Bay!) lebt von seiner zunehmenden Bedrohlichkeit und der teilweise auch heute noch verstörenden Bildsprache. Menschen werden hier nach und nach durch emotionslose Doppelgänger ersetzt, was einen Großteil der Spannung ausmacht: Wer ist bereits ersetzt und wer nicht, was haben diese unbekannten Invasoren mit uns vor, wem kann man noch vertrauen? Die Starbesetzung (u.a. Donald Sutherland, Jeff Goldblum und Leonard Nimoy) fügt sich wunderbar in diesen unheimlichen Klassiker ein. Und das Ende, Freunde, zählt für mich zu den besten Horrorfilmenden überhaupt. So simpel und doch so effektiv.

 

Dark Society (1989)

Die 80er waren seltsam. Besonders wenn es um Horrorfilme geht. Klar, hier entstanden einige unverzichtbare Klassiker, aber daneben fanden sich immer wieder obskure kleine Splatter-Perlen wie „Re-Animator“, „From Beyond“ oder „Phantasm“. Brian Yuznas „Dark Society“ bildet keine Ausnahme. Viele würden sagen, dass sich hier nur die letzten 20 Minuten lohnen, denn ab da wird jedes bisschen Realismus über Bord geworfen und der Film wird zu einem grandios bekloppten, bizarren Splatter-/Body Horror-Trip. Aber ich halte dagegen, dass „Dark Society“ davor noch über einen unglaublich effektiven Spannungsaufbau verfügt. Man verfolgt den Protagonisten, der verwirrt über die zunehmende Veränderung seiner Umwelt und besonders seiner Familie ist. Immer wieder scheinen Kleinigkeiten nicht ganz richtig zu sein, sodass man als Zuschauer förmlich mit der Figur mitfiebert, bevor es dann zur herrlich ekelhaften Eskalation kommt.

 

Funny Games (1997)

Wenn ihr jemals einen Film sehen wollt, der euch fesselt und gleichzeitig dafür bestraft, dass ihr gefesselt seid, dann guckt „Funny Games“. Michael Haneke liefert eine beeindruckende Studie über Gewalt und deren Rezeption ab, die spannend ist, aber in bester Berthold Brecht-Tradition immer wieder den Zuschauer aus dem Geschehen herausreißt. Das macht die Gewalt letztlich umso unerträglicher, denn „Funny Games“ hält dir den Spiegel vors Gesicht und sorgt im Idealfall dafür, dass du dein eigenes Verhalten in Bezug auf Gewaltdarstellung in den Medien hinterfragst. Gleichzeitig ist „Funny Games“ dank der starken Performances und den Haneke-typischen langen Einstellungen exzellentes Terror-Kino und sorgt für einige extrem spannende Momente der puren Fassungslosigkeit. Das gleichnamige Shot-for-shot-Remake von Haneke selbst kann man genauso gut gucken, ich persönlich bevorzuge aber das Original (dieser österreichische Dialekt macht einiges aus.)

 

 

(Runners Up: Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich Martyrs (2008) mit auf diese Liste packen sollte. Ich habe mich aber schlussendlich dagegen entschieden, denn wie schon bei High Tension war mir der Endtwist einfach zu hirnverbrannt dämlich. Nichtsdestotrotz sei „Martyrs“ hier nochmal erwähnt, denn Teile dieses Films sind wirklich verstörend und teilweise unerträglich anzusehen. Entscheidet selbst, ob ihr ihn sehen wollt. Happy Halloween!)

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