Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere – Review

 

Es ist ja irgendwie zur Tradition geworden mittlerweile. Nachdem ich neben Peter Jacksons Herr der Ringe-Epos auf diesem Blog in schöner Regelmäßigkeit seine Adaptionen des „Ringe“-Prequels „Der Hobbit“ besprochen habe, bin ich es ja nicht zuletzt mir selbst schuldig, auch dem dritten Film der Saga den gleichen Raum zukommen zu lassen. Zumal es ja hiermit offiziell zu Ende ist. „Die Schlacht der fünf Heere“ ist das große Finale dieser neuen Trilogie. „Endlich“ mögen da so einige sagen und sie haben wahrscheinlich sogar recht. Es wurde wieder und wieder gesagt und auch ich habe es gerne zigfach wiederholt: Ein knapp 300-seitiges Kinderbuch in eine epische achtstündige Filmtrilogie zu verwandeln, ist einfach keine besonders gute Idee.

Nun, ich stand der Serie immer noch verhältnismäßig positiv gegenüber. Ich habe „Eine unerwartete Reise“ und „Smaugs Einöde“ verteidigt und durchaus wohlwollend über die im Laufe der Zeit stetig zunehmenden Storytelling-Probleme hinweggesehen. Zu schön war die Zeit im Kino, zu schön war die Rückkehr nach Mittelerde, als dass man sich diesen Gesamteindruck von dem offensichtlichen Füllmaterial, den comichaften Action-Szenen und der unausgereiften Figurenzeichnung verderben lassen wollte. Zumal die Filme ja, wenn sie sich an den stärksten Momenten des Ausgangsmaterials orientierten, unbestritten stark blieben und sich in ihren besten Momenten perfekt in das Ringe-Universum einreihten. Diese Trumpfkarten sind mittlerweile aber ausgespielt. Wir hatten Gollums Rätsel im Dunkeln in Film 1, wir hatten Smaug in Teil 2, was kann uns Teil 3 also jetzt noch bieten?

Smaug (Benedict Cumberbatch) ist frei und hinterlässt Seestadt in einem flammenden Chaos. Die verzweifelten Bewohner ziehen unter der Führung von Bard (Luke Evans) in Richtung des Berges Erebor, um mit Hilfe der dort türmenden Goldschätze ihre Stadt neu zu errichten. Dort haben sich allerdings die Zwerge eingerichtet und der unter der Drachenkrankheit leidende Thorin Eichenschild (Richard Armitage) weigert sich, den Schatz zu teilen. Doch auch das Volk der Elben unter König Thranduil (Lee Pace) will ein Stück vom Goldkuchen abhaben, notfalls mit Gewalt. So sammelt sich ein großes Heer aus Elben und Menschen vor den Toren Erebors und bereitet sich zur entscheidenden Schlacht gegen die sturen Zwerge. Niemand ahnt jedoch von einer gewaltigen Streitmacht aus Orks, die sich ebenfalls auf den Weg nach Erebor macht. So scheint die einzige Trumpfkarte mal wieder in der Hand des kleinen Hobbits Bilbo Beutlin (Martin Freeman) zu liegen.

Eine 40-minütige Action-Sequenz. So tönte es vollmundig in der Vorabberichterstattung zu dem dritten und letzten Hobbit-Film. Und klar, letzter Teil einer Fantasy-Trilogie, dazu noch der recht eindeutige Titel „Die Schlacht der fünf Heere“ – da wird ein gewisses Maß an Geschepper erwartet. Peter Jackson weiß das und liefert. Was in der Vorlage noch in wenigen Sätzen abgehandelt wurde, ist hier zentraler Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, da rummst es eben ordentlich im Gebälk. In der Theorie durchaus ein Grund zur Freude, setzte Jackson doch vor Jahren mit seinen Ringe-Filmen neue cineastische Maßstäbe, was zünftige Massenschlachten auf Großleinwand anging. Mittlerweile ist die Tricktechnik und die Benutzung von CGI und Motion Capture so viel weiter, da müsste uns doch eigentlich ein meisterhafter Abschluss erwarten.

Eigentlich.

Dummerweise erreicht der Film seinen großen Höhepunkt bereits in den ersten zwei Minuten mit dem Angriff des Drachen Smaugs auf Seestadt. Immerhin hat man ja im letzten Film diesen dämlichen Cliffhanger gesetzt, der nun einer Auflösung bedarf. Das gerät schön opulent und apokalyptisch, schadet dem Film aber ganz gewaltig, denn was soll danach noch folgen? Ganz einfach, indem Jackson dem Zuschauer zum wiederholten Male einreden muss, dass der große Höhepunkt noch bevorsteht. Immerhin lebt ja Rache-Ork Azog noch und hat einen großen Haufen Freunde mitgebracht. Nicht zu vergessen eine Elben-Armee, das letzte Aufgebot der Seestädter unter Held Bard und ein Haufen Zwerge mischt auch noch mit. Alles eingefangen in epischen Totalen mit majestätischer Musik und anschließend eskalierend in einem großen Knall. Und irgendwie lässt einen das Geschehen erstaunlich kalt.

Die epische Schlacht der fünf Heere ist technisch einwandfrei, auch dramaturgisch sauber inszeniert und an manchen Stellen visuell sehr einfallsreich. Aber man ertappt sich immer wieder, wie man bei all dem Schlachtengetümmel doch an die gute alte Ringe-Zeit zurückdenkt. An den meisterhaften Spannungsaufbau der Schlacht um Helms Klamm. Bei dem vernichtenden Schlag gegen Minas Tirith. Bei dem scheinbar aussichtslosen Krieg vor den Toren Mordors. Wir haben das alles einfach schon deutlich besser gesehen, deutlich mitreißender. Die Action-Szenen in Herr der Ringe hatten nicht nur durch technische Brillanz überzeugt, sie hatten auch immer einen emotionalen Faden, der den Zuschauer umso faszinierter mitfiebern ließ. Wer erinnert sich nicht mehr an die Szene in „Rückkehr des Königs“, in der Gandalf beruhigend auf den verängstigten Pippin einredet und ihm die Angst vorm Sterben nimmt?

Vielleicht ist es die Abwesenheit solcher Momente, die die Sequenzen im Hobbit so künstlich wirken lassen. Die Wucht, die Härte, die Grausamkeit, das alles geht unter in einem distanziert wirkenden Brei von computergenerierten Massen. Vor allem aber rächen sich hier nun endlich die Schwächen der ersten beiden Filme: Der Rache-Plot um Azog und Thorin ist und bleibt vollkommen uninteressant. Und selbst wer mir da nicht zustimmen kann, muss sich doch zumindest eingestehen, dass diese Storyline in dem ersten Film abgehakt war. Das letzte Stand-Off zwischen den beiden ist inszenatorisch eindeutig als ultimativer Höhepunkt des Films angelegt – mittlerweile hat man sich aber einfach an diesem langweiligen, eindimensionalen Motion-Capture-Ork sattgesehen. Ebenso egal ist einem diese völlig überflüssige Liebesgeschichte zwischen Zwerg Kili und Elbin Tauriel. Zumal ein Großteil der Zwerge eben immer noch kaum charakterisiert werden – wen kümmert es also, wenn einer von ihnen ins Gras beißt? Drei Filme lang haben wir diese Zwergen-Konstellation begleitet und bis auf ein paar wenige Ausnahmen bleiben sie nach wie vor Fremde oder recht eindimensionale Expositions-Objekte für uns.

Die größte Sünde begeht Peter Jackson allerdings in einigen Action-Szenen, die für mich endgültig das Franchise zu Grabe tragen. Diese Unentschlossenheit, ob die Hobbit-Filme nun die Kinderbuch-Adaptionen, als die sie ja angelegt waren, oder die epischen Ringe-Klone sein sollen, war schon in den ersten beiden Filmen ein großes Problem, in denen sich ein ernster Grundton abwechselte mit albernen Action-Sequenzen, die der Logik von Cartoon-Filmen zu folgen schienen und nie wirklich in das etablierte Universum hineinpassten. Wie soll man pathosgeschwängerte Reden von einer sich zusammenbrauenden Finsternis ernstnehmen, wenn wenig später ein quasi unverwundbarer Zwerg in einem Fass im Alleingang einen Riesenhaufen Orks im Tom und Jerry-Style platthaut? Was aber in den vergangenen Filmen noch ein verzeihbares Nebenprodukt war, gerät hier zum endgültigen „Jumping the Shark“ der Reihe.

Nicht nur, dass Bard einen Ochsenkarren mit der Zielgenauigkeit eines professionellen Olympiasiegers einen Ochsenkarren über Schutt und Leichen perfekt in einen Troll hineinrammt, nicht nur, dass Elbenfürst Thranduil mal eben fünf Orks auf seinem Elch aufspießt und dann mit einem einzigen sauberen Schlag köpft. Nein, wir haben ja immer noch Legolas, der zumindest in meiner Kinovorstellung für die lautesten unfreiwilligen Lacher sorgt. Ich konnte Legolas in den Original-Filmen viel verzeihen, ich habe sogar über den etwas lächerlichen Kampf gegen die Olifanten in dem dritten Ringe-Film hinweggesehen, aber hier wird auf so trashig-lächerliche Weise mit dem Charakter umgegangen, dass es eigentlich extrem traurig wäre, wäre es nicht gleichzeitig so lustig. Schwerkraft oder jedwede Art von physikalischen Gesetzen spielen keine Rolle mehr und es ist genau dieser Moment, der die Serie endgültig in den Abgrund reitet.

Ab da ist dann eigentlich alles egal, sei es der völlig unmotivierte Kampf Thorin vs. Azog, der ein eigentlich ganz clever gemachtes Ende direkt im Anschluss komplett ruiniert oder sei es ein zum dritten Mal recycleter Twist, der eine uralte Ringe-Logiklücke nur noch vertieft. Tode essentieller Charaktere sind einem völlig wurscht und das Anteasern von „einem Waldläufer namens Streicher“ wirkt dann einfach nur noch bemüht und peinlich.

Einen kleinen Lichtblick in diesem ganzen unmotivierten Geschehen bietet dann ein ausgerechnet ein kurzer, sehr stiller Moment recht früh im Film, in dem Bilbo (der titelgebende Hobbit, der in seinem eigenen Franchise nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint) mit dem von der Drachenkrankheit verblendeten Thorin spricht und von einer Eichel spricht, die er zuhause im Auenland einpflanzen will. Nur ganz kurz gelingt es Bilbo Thorins Panzer zu durchdringen und beide teilen sich einen kurzen, sehr warmherzigen Augenblick. Nicht zuletzt die grandiosen Schauspielleistungen von Martin Freeman und Richard Armitage verleihen dieser Szene das Herz, das dem restlichen Film irgendwie zu fehlen scheint.

Ach ja, erinnert ihr euch noch an den Necromancer-Subplot aus „Smaugs Einöde“? Ward ihr tatsächlich gespannt, wie das denn nun ausgeht? Bereitet euch auf eine Enttäuschung vor, denn innerhalb von zehn Minuten wird auch dieses Mysterium auf enttäuschende Weise aufgelöst. Zwar ist es ganz cool, Christopher Lee in seinem Zauberer-Badass Moment zuzusehen und vielleicht freut sich der ein oder andere darauf, endlich mal Galadriel in kämpferischer Aktion zu sehen (ich übrigens nicht; gerade diese mystische Verschlossenheit hatte Galadriel doch von Anfang an so cool gemacht). Aber die Relevanz dieser Szenen ist gleich Null und beweist ein weiteres Mal, wie viel unnützes Füllmaterial in den Hobbit-Filmen doch steckt.

Der Schluss versucht dann recht niedlich, an „Die Gefährten“ anzuknüpfen und liefert noch eine ganz amüsante Szene, die so auch durchaus in den Ringe-Filmen hätte sein können, aber da ist es schon zu spät. Den Schauspielern kann man dabei keinen Vorwurf machen, bis auf den etwas blass bleibenden Luke Evans sind alle mit Herz und Seele dabei und verschmelzen auf der Leinwand mit ihren Figuren, auch wenn es nach wie vor extrem störend wirkt, dass sowohl Gandalf als auch Legolas in diesem Prequel einfach so offensichtlich älter wirken als in den Ringe-Filmen.

Letzten Endes ist der Film dann doch auch zu unterhaltsam und professionell gemacht, als dass man ihn als filmische Katastrophe bezeichnen könnte. Er ist einfach so seelenlos. Und das ist es, was mich am meisten getroffen hat, denn es war so schön nach Mittelerde zurückzukehren. Ich habe die Hobbit-Filme immer sehr wohlwollend betrachtet, habe immer über die Abstriche hinweggesehen und eine gute Zeit gehabt. Aber es war einfach zu viel des Guten. Es war schlussendlich ein gescheiterter Versuch, an vergangene Nostalgie anzuknüpfen. Das Strecken auf drei Filmen hat dem Ausgangsmaterial nicht geholfen, sondern massiv geschadet. Unterhaltsam und eindrucksvoll ist diese Trilogie allemal, an einigen Stellen sogar meisterhaft. Aber leider leider sind die Filme eben keine Werke für die Ewigkeit.

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